Ministerin Dorn bekommt im Spohr-Museum in Kassel von einem Museumsmitarbeiter gezeigt, wie man eine Geige richtig hält

Denkmal und Museum des Monats

Die beiden Auszeichnungen „Museum des Monats“ und „Denkmal des Monats“ würdigen ehrenamtliches Engagement und machen auf die kulturelle Vielfalt des Landes aufmerksam. Die Preise sind mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Zudem gibt es eine Plakette.

Wegen Corona machen die beiden Auszeichnungen derzeit Pause.

Museen des Monats

Wer an Museen in Hessen denkt, hat oft die großen Flaggschiffe vor Augen. Aber die Kulturlandschaft Hessens lebt auch von kleinen Perlen auf dem Land. Hier eine Auswahl einiger "Museen des Monats".

Oktober 2021

Auf dem Christenberg bei Münchhausen findet sich ein reizvolles Ensemble auf historischem Boden: Die Martinskirche und das Küsterhaus, das Heim des Kirchendieners, erinnern an die Geschichte des Ortes, der seit der Eisenzeit besiedelt ist. Der Förderkreis Christenberg e.V. hat das Küsterhaus zu einem Museum umgebaut und lädt die Besucherinnen und Besucher darin zu einer Reise auf den Spuren der Kelten und Franken ein.

Im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Küsterhauses erleben die Besucherinnen und Besucher Funktion und Baugeschichte der Martinskirche: Sie können durch die südlichen Fenster direkt auf die Kirche blicken und historische Fotos mit der vorhandenen Bausubstanz vergleichen. Im Rundgang folgen die Geschichte der Kesterburg, wie der Christenberg früher genannt wurde, als militärische Befestigung im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen und die vorgeschichtliche Besiedlung in der jüngeren Eisenzeit durch die Kelten. Neben Modellen gibt es Originalfunde zu bestaunen. Das Obergeschoss des Küsterhauses beherbergt drei Zimmer mit einer Ausstattung aus der Zeit um 1920, als eine mehrköpfige Küsterfamilie auf dem Christenberg wohnte.

September 2021

Über 40 Jahre lang war das Struwwelpeter-Museum im Westend erfolgreich; 2019 zog es in die frisch errichteten Häuser der Neuen Frankfurter Altstadt, begeistert nun hier Alt und Jung und zeigt vor allem die facettenreiche Persönlichkeit Dr. Heinrich Hoffmanns: Er war nicht nur ein humorvoller Dichter und liebevoller Familienmensch, er setzte sich auch sehr für seine Mitmenschen und vor allem für die psychisch Kranken ein, die im 19. Jahrhundert noch als arbeitsscheu oder vom Teufel besessen galten und weggesperrt wurden. Seinen inklusiven Gedanken setzt Museumsleiterin Beate Zekorn-von Bebenburg fort und bietet gemeinsam mit dem Trägerverein ,frankfurter werkgemeinschaft e.V.‘ Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit seelischen Beeinträchtigungen einen geschützten Arbeitsplatz.

Das Museum präsentiert Porträts, Briefe, Skizzen und Erstausgaben, mit denen Hoffmans Wirken lebendig wird. Seltene Buchexponate, Parodien, Kitsch und Kunst erzählen von der weltweiten Verbreitung seines Bilderbuchs. Ergänzt wird die Dauerausstellung durch Sonderausstellungen zur Kulturgeschichte und Kinderliteratur. Mit Verkleidungen, Geschichten-Inseln und Spielepfad entdecken Kinder die Geschichten neu und erwecken sie zum Leben.

September 2020

Vom Schädel des ältesten Hessen bis zur Webstube des 19. Jahrhunderts: Das Museum Gensungen zeigt die Vor- und Frühgeschichte der Gegend im heutigen Schwalm-Eder-Kreis und nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Epochen. Erst 2019 haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte das Haus nach zweijähriger Umbauphase neu eröffnet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Altkreises Melsungen – mit dem Schwerpunkt unteres Edertal. Eine Attraktion ist die Nachbildung eines etwa 12.000 Jahre alten Schädels. Ein schweres Unwetter spülte das Fundstück 1956 frei; die Gensunger Geschichtsexpertinnen und -experten ordneten ihm einem Eiszeitjäger zu, dem ältesten Hessen, dessen Überreste bisher gefunden wurden. Der Original-Schädel befindet sich im Kasseler Landesmuseum. Auch andere Exponate aus der Steinzeit können erkundet werden – teilweise digital: Ein nur wenige Zentimeter großes Steinwerkzeug erscheint auf einem Monitor in 13-facher Vergrößerung. So können die Besucherinnen und Besucher die Spuren von Menschenhand gut erkennen.

Auch sonst setzt das Museum auf Erlebnisbesuche: Im Keller befindet sich ein Wohn- und Arbeitsraum, in dem frühere Arbeitstechniken, vor allem aus der Eisenzeit, gezeigt werden. Die Besucherinnen und Besucher können hier die Arbeit an einem Gewichtswebstuhl ausprobieren, Steine bearbeiten oder Getreide mahlen.

August 2020

Das Kloster in Bad Emstal-Merxhausen war schon immer ein Ort der Frauen: Gegründet von Augustinerinnen im Mittelalter, wurde es zu einem Hospital und schließlich zu einer Pflegeanstalt für Frauen umgewidmet. Im KlosterMuseum geben die Mitglieder des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal mit interaktive Hörstationen und persönlichen Schicksalen einen bewegenden Eindruck des Lebens von Frauen aus acht Jahrhunderten.

Seit September 2019 erzählt die Dauerausstellung „Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“ die mehr als 800-jährige Geschichte der sozialen Einrichtung in Merxhausen. Anhand von anschaulichen Exponaten aus dem Arbeits- und Klinikalltag, Texten und Hörstationen wandern die Besucherinnen und Besucher auf den Spuren der Entwicklung vom Nonnenstift zur psychiatrischen Klinik, die heute noch in der Anlage untergebracht ist. Ausgangspunkt ist die Gründung des Augustinerinnenklosters im Jahr 1213. Im 16. Jahrhundert eröffnete Landgraf Philipp von Hessen im Kloster ein Hospital für arme, kranke und bedürftige Frauen. Die Umwandlung des Hospitals in eine Pflegeanstalt für geisteskranke Frauen im 19. Jahrhundert, der Ausbau zur Heil- und Pflegeanstalt Anfang des 20. Jahrhunderts, die Situation der Landesheilanstalt Merxhausen im Nationalsozialismus sowie die Entwicklung bis zur Psychiatriereform in den 1970er Jahren sind weitere Themen. Auch Anstaltskleidung, Mitarbeiterinnen, Behandlungsmethoden werden gezeigt.

März 2020

Im RadWerk Hanau kommen alle auf ihre Kosten, deren Herzen für Zweiräder schlagen: Hier ist die weltweit größte Sammlung von historischen Fahr- und Motorrädern zu sehen, die einst vom Band des Zweiradherstellers Bauer in Klein-Auheim liefen. Außerdem vermittelt die Ausstellung „Menschen, Räder, Erinnerungen“ des Heimat- und Geschichtsvereins Klein-Auheim den Besucherinnen und Besuchern die abwechslungsreiche Ortsgeschichte des Stadtteils.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Geschichte und die Produkte des Zweiradherstellers Bauer, der seit 1914 in Klein-Auheim seinen Sitz hatte. Die „Fahrrad- und Metallwerke L. Bauer & Co.“ stellten ab 1922 Fahrräder und Zubehörteile sowie ab 1936 motorisierte Räder her – bis zur Insolvenz im Jahr 1968. Gezeigt wird die umfangreiche Kollektion von Bauer-Rädern und -Motorrädern des Privatsammlers Jörg Schulisch, die die Stadt Hanau erworben hat.

Die Ausstellung„Menschen, Räder und Erinnerungen“ nimmt unter anderem die Geschichte Klein-Auheims in den Blick. Elf Abschnitte, wie „Handel und Handwerk“, „Zwischen Feld und Fabrik“ und „Boomtown Klein-Auheim“ geben Einblicke in die Geschichte von den Anfängen der Besiedlung am Main bis zur Gegenwart, insbesondere in die Entwicklung vom Bauerndorf zur Industriegemeinde. Einen Einstieg in die Ortsentwicklung bietet eine auf historischen Karten basierende Projektion. Die ausgestellten Objekte und Bilder werden ergänzt durch persönliche Erinnerungen, die an Hör- und Videostationen präsentiert werden.

Februar 2020

Das Viernheimer Museum lädt zu einer Zeitreise ein: Ein Dorf der Jungsteinzeit erwacht zum Leben, eine Stadtbewohnerin erzählt ihre Geschichte von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit, und auch die Schicksale von verfolgten Jüdinnen und Juden werden sichtbar. Möglich machen das interaktive Medienstationen und viele historische Alltagsgegenstände, die Museumsleiterin Gisela Wittemann und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu einer abwechslungsreichen Ausstellung komponiert haben.

Das Stadtmuseum Viernheim zeigt, wie spannend Heimatgeschichte vermittelt werden kann.Es gibt hier Hörstationen und Filme, bewegende Einzelschicksale finden genauso ihren Platz wie geschichtliche Zusammenhänge und Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit – etwa, wie sich die Dorfgemeinschaft in der Anti-Atomkraft-Bewegung positionierte. Das Museum ist außerdem sehr gut in der Region vernetzt: Es gibt Kooperationen mit den Schulen vor Ort und viele Veranstaltungen und Mitmach-Angebote, die das Haus auch zu einem Treffpunkt für die Viernheimerinnen und Viernheimer machen.

Das Museum ist einem historischen Forsthaus im Jugendstil untergebracht; zum Komplex gehören auch eine Tabakscheune und das ehemalige Zollamt. Nach der Sanierung mit Unterstützung des Landes Hessen wurde das Museum im Oktober 2013 wiedereröffnet. Im Themenbereich Archäologie gibt es zum Beispiel einen Hörspiel-Rundgang durch ein Jungsteinzeit-Dorf und Medienstationen zur Römerzeit. Wie sich das Familienleben im 19. und 20. Jahrhundert veränderte, zeigen Wohnräume in der Abteilung „Familiengeschichte“. Im Obergeschoss macht die Ausstellung deutlich, wie sich das dörfliche Viernheim seit dem späten 19. Jahrhundert zu einer Arbeitergemeinde entwickelte und schließlich zur Stadt erhoben wurde. Die Abteilung „Jüdisches Leben“ spürt den Schicksalen der Menschen nach, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Januar 2020

Von Göttinnnen-Figuren über die Frauenbewegung bis zu Werken von zeitgenössischen Künstlerinnen, die sonst wenig Aufmerksamkeit bekommen: Das „frauen museum wiesbaden“ stellt die Lebenswelten von Frauen ins Zentrum seiner Arbeit.

In Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungsreihen macht das Museum die Leistungen von Frauen in Geschichte, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur sichtbar. Die eigene Sammlung umfasst Frauen- und Göttinnenfiguren aus aller Welt und dient unter anderem der wissenschaftlichen Erforschung der Frauendarstellung von der Altsteinzeit bis heute. Die kulturhistorische Sammlung hat ihren Schwerpunkt in der Alltags- und Stadtgeschichte sowie in der Frauenbewegung: Gezeigt werden unter anderem Bücher, Zeitschriften, Broschüren, Audio- und Videomaterial, Plakate und Kleidung. In der Kunstsammlung erhalten die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Arbeiten sowohl national als auch international anerkannter zeitgenössischer Künstlerinnen.

Eine wichtige Rolle spielen auch die wechselnden Ausstellungen. Derzeit präsentieren 13 Künstlerinnen aus aller Welt Collagen unter der Überschrift „Elementarteilchen“. Ab Ende Januar zeigt die deutsch-syrische Künstlerin Adidal Abou-Chamat ihre Arbeiten zum Thema Fremdsein und der Suche nach der eigenen kulturellen Identität.

Denkmäler des Monats

Neben imposanten Monumenten gibt es jede Menge kleinerer Objekte, die weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert sind, aber genauso ihre eigene Geschichte haben. Hier eine kleine Auswahl.

  

Die Stadt Wanfried liegt im Nordosten Hessens, unmittelbar an der Grenze zu Thüringen – und ist in den vergangenen Jahren aufgeblüht. Das liegt vor allem am Engagement der Stadtverwaltung sowie der Bürgerinnen und Bürger, den historischen Kern aus Fachwerkhäusern zu sanieren und so mehr Menschen in die Stadt zu holen. Ein ganz besonderes Juwel ist das Fachwerkmusterhaus Wanfried. Das Gebäude, um 1730 gebaut, wurde modellhaft saniert, steht nun als Bauberatungs- und Informationszentrum zur Verfügung und soll Lust machen, alten Mauern neues Leben einzuhauchen.

Das Fachwerkhaus stand 25 Jahre leer, bevor es von 2010 bis 2012 saniert und modernisiert wurde. Die Bürgergruppe initiierte und leitete den Planungs- und Bauprozess, auch das Land Hessen beteiligte sich. Es steht allen offen und kann besichtigt werden. Die Besucherinnen und Besucher lernen dort alles über modernes Wohnen in alten Häusern, Barrierefreiheit, ökologische und wohngesunde Baustoffe wie Holz, Lehm, Kork und Hanf, energetische Sanierung, energiesparende Lichttechnik, Finanzierung und Förderung von denkmalgeschützten Häusern.

Über vier Jahrzehnte lang schlief die Alte Kirche Bürgeln im gleichnamigen Cölbeler Stadtteil einen Dornröschenschlaf: Die einst begonnene Sanierung wurde nicht fortgeführt, das Gebäude stand leer. Der Kulturverein Alte Kirche Bürgeln stemmte eine umfassende Sanierung – und organisiert mittlerweile in der Kirche Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen.

Die Alte Kirche Bürgeln ist ein im Kern romanischer Saalbau, der mehrfach umgebaut und erweitert wurde. Im Inneren sind die barocke Ausstattung und Rankenmalereien aus der Zeit um 1733 erhalten. Die historische Orgel stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damit ist die Alte Kirche Bürgeln ein bedeutendes Zeugnis dörflicher sakraler Baukunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Dennoch sollte sie in den 1970er Jahren zugunsten eines Neubaus abgerissen werden. Das verhinderte damals der „Förderkreis Alte Kirchen“, der sie kaufte und eine Sanierung begann, jedoch nicht fortführte. Seitdem stand sie leer und der Förderkreis löste sich auf. An seine Stelle trat der Kulturverein Alte Kirche Bürgeln, der heutige Eigentümer. Mit Unterstützung des Landes Hessen, des Bundes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restaurierte er das Putz- und Mauerwerk und den Dachstuhl, kümmerte sich um einen Neuanstrich, bei dem auch historische Malereien freigelegt wurden.

Wer durch den Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach spaziert, wähnt sich nicht in einer Großstadt: Kleine Fachwerkhäuser und ein historischer Ortskern prägen das Bild. Dazu passt auch das barocke Herrenhaus Glauburg aus dem Jahr 1701 auf dem Gelände der privaten Anna-Schmidt-Schule: Es wurden in den vergangenen zwei Jahren aufwändig saniert und dient nun als Verwaltungsgebäude.

Das barocke Herrenhaus „Glauburg" wurde um 1701 von der Familie von Glauburg erbaut. Nachdem die Familie das Grundstück 1864 verkaufte, wurde das Gebäude als Betreuungsort für Kinder und Jugendliche genutzt, umgebaut und erweitert und wechselte mehrmals den Eigentümer. Die letzte prägende Bauphase für das Gebäude war 1911, als das Herrenhaus seinen zweiten Anbau erhielt. Seit 1945 nutzt die Anna-Schmidt-Schule das Grundstück als Schulstandort.

Seit dieser Zeit fanden nur kleinere Umbauten statt. Daher stand nun eine Gesamtsanierung an: Fassadengestaltung und Dachdeckung orientieren sich am Befund von 1911. Bauzeitliche Bauteile wurden restauriert und bei Ergänzungen entsprechend dem historischen Vorbild erneuert. Bauteile aus späterer Zeit, die das Kulturdenkmal negativ beeinträchtigten – etwa Nachkriegsfenster, ein einstöckiger WC-Anbau und mehrere Rettungstreppen und -leitern – wurden zurückgebaut. Zudem brachten die Expertinnen und Experten eine Schieferverkleidung an und arbeiteten die barocke Treppe sowie die Stuckdecken heraus.

Als Güterhalle für den Bahnhof gebaut, später als Lager des Bauhofs genutzt und schließlich vor dem Abbruch gerettet: Der Güterbahnhof 1849 in Fronhausen hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Ulf Stiller ist es gelungen, die historische Güterhalle zu sanieren, als Event- und Burgerlokal neu zu nutzen und so das Bahnhofsensemble zu erhalten.

Das Bahnhofsensemble in Fronhausen entstand 1849. Während das Bahnhofsgebäude aufwändig als verputzter Backsteinbau gebaut wurde, sollte die Güterhalle in einfacherer Form errichtet werden. Schon vor Jahrzehnten erwarb die Gemeinde Fronhausen die Güterhalle, nutzte sie als Lager für Streusalz nutzte. Zuletzt stand sie Güterhalle leer und sollte abgerissen werden. Die Nutzungen haben Spuren hinterlassen: Die Backsteinfassaden mussten umfangreich saniert, Steine restauriert und neu verfugt werden. Zudem war eine Giebelseite mit einem Zementputz versehen, der aus bauphysikalischen und ästhetischen Gründen wieder entfernt werden musste; darunter traten umfangreiche Schäden am Mauerwerk zutage.

Als Karmeliterkloster wurde er gebaut, später fanden hier eine Hofschule, eine Ritterakademie und sogar eine Universität Platz: Der Renthof in Kassel hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Seit seiner Neueröffnung im Juni 2017 beherbergt er ein stimmungsvolles Hotel mit Eventlocation. Dafür restaurierten Kirstin Homburg-Kleinkauf und Uwe Kleinkauf gemeinsam mit Rainer Holzhauer den historischen Komplex mit viel Fachwissen und Liebe zum Detail und schufen so ein Zusammenspiel zwischen historischer Architektursprache und modernen Elementen.

Seine Ursprünge hat der Renthof im 13. Jahrhundert: Ab 1298 bauten Karmeliter-Mönche die Brüderkirche mit Kloster. Die Reformation im 16. Jahrhundert zwang den Orden zur Auflösung und Aufgabe ihrer Stätte. Landgraf Moritz, selbst Kunstliebhaber und Architekt, ließ das Kloster zu einer Hof- und Gewerbeschule umbauen. 1617 wurde der Renthof eine Ritterakademie, also eine Bildungsanstalt für die Söhne adliger Familien; 1633 wurde im Nord-West-Flügel die Universität Marburg/Kassel eröffnet. Später zog die Verwaltung ein: In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bot der Gebäudekomplex, der nun erst Renthof genannt wurde, Platz für Behörden und Gerichte. Zuletzt diente der Bau als Seniorenheim.

All diese Nutzungen haben mit Umbauten und Veränderungen ihre Spuren hinterlassen. Ziel der zweijährigen Restaurierung war, den Originalzustand so gut wie möglich wiederherzustellen: Sämtliche Ausbauten wurden entfernt, ausgemauerte gotische Tore, Fenster und Treppen geöffnet. Auch der Dachstuhl wurde saniert. Bei den Arbeiten entdeckten die Besitzer einen historischen Renaissance-Bogen, der noch aus der Hofschul-Zeit stammt. Die authentische Bausubstanz ist einzigartig in Kassel.

Sie gilt als die reizvollste und bedeutendste Wallfahrtskirche unter den mittelrheinischen Kirchen, und ihre herausragende Architektur bildet den Rahmen für einen der schönsten Innenräume der Spätgotik: die aus dem 14./15. Jahrhundert stammende katholische Pfarrkirche St. Valentinus und Dionysius in Kiedrich.Die Basilika und das Gesamtensemble werden seit einigen Jahren aufwändig und mit Liebe zum Detail restauriert.Die Pfarrkirche stammt zu großen Teilen aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, wobei die Seitenschiffe der Kirche älter und etwa auf 1380 zu datieren sind. Die spätgotische Wallfahrtskirche ist besonders reizvoll aufgrund ihrer reichen, zum großen Teil noch mittelalterlichen Ausstattung. Die Kirchenorgel zählt zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Zu den Kunstschätzen der Anlage gehören eine Madonna von 1330, drei gotische Flügelaltäre, sowie ein reich geschnitztes Kirchengestühl von 1510.

Neben der Erneuerung der „Kiedricher Madonna“ haben der Renaissance-Hochaltar und das im 19. Jahrhundert wieder aufgebaute Sakramentshaus eine Restaurierung erhalten. Auch das Chorgestühl, das Lesepult, der Taufstein und das vollständig erhaltene, spätgotische Laiengestühl im Kirchenschiff wurden Instand gesetzt.

Der 2009 gegründete Kirchenbauverein Kiedrich e. V. hat über eine lange Zeit hinweg erfolgreich Spenden gesammelt, damit die Pfarrgemeinde ihren Anteil an der Finanzierung erbringen konnte, und so die Restaurierung des Innenraums der Basilika gesichert. Die Restaurierung dauerte von 2010 bis Mai 2018 und umfasste die Altäre, das Gestühl, alle Heiligenfiguren und Tafelbilder, die Kreuzigungsgruppe und die Orgeln. Da die katholische Kirchengemeinde eine solch aufwendige Maßnahme nicht allein finanzieren kann, ist die Restaurierung ein Gemeinschaftsprojekt des Bistums Limburg mit dem Land Hessen und dem Bund.

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