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Ehrenprofessur des Landes

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Eine Urkunde mit rotem Band liegt auf einem Ehrendoktorhut
© S. Lenets Tan / Fotolia.com

Mit dem Ehrentitel „Professorin“ oder „Professor“ werden nach dem Hessischen Hochschulgesetz (§ 73) seit 2006 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um Wissenschaft und Kunst verdient gemacht haben.

Die Ehrenprofessur wird auf Vorschlag des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst durch Kabinettsbeschluss verliehen. Unten haben wir die bisherigen Trägerinnen und Träger aufgelistet. Eine Liste steht zum Download bereit.

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Emil Mangelsdorff
Verliehen am 5.12.2015

Emil Mangelsdorff

Jazzmusiker

Geboren 1925, zählt als moderner Mainstream-Musiker zu den profiliertesten Solisten sowie Komponisten des deutschen Jazz und gilt als einer der weltbesten Saxophonisten. Für seine Platte „Swinging Oildrops“ erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis, für seine musikalischen Verdienste und sein politisches Engagement den Hessischen Jazzpreis, die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen, die Goethe-Plakette und die Johanna-Kirchner-Medaille.

Er selbst versteht sich als Künstler mit gesellschaftlicher Verantwortung. Das unterstreicht er beispielsweise durch seine Gesprächskonzerte „Swing-Tanzen verboten! Jazzmusiker im Nationalsozialismus“, in denen Mangelsdorff, der selbst damals selbst als Mitglied der Swing-Jugend verfolgt wurde, über die kulturelle Unterdrückung im NS-Staat berichtet.

Foto: Walter Gehring

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Dr. Martin Viessmann
verliehen am 10.10.2013

Dr. Martin Viessmann

Unternehmer

Geboren 1953, hat sich durch jahrzehntelange Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur große Verdienste erworben. Im Bereich der Wissenschaft unterstützt er zum Beispiel die Forschung am Institut für dezentrale Energien und Management School der Universität Kassel und das Projekt ETA-Fabrik an der Technischen Universität Darmstadt. Lange hat er auch das Marburger Zentrum für Kanada-Studien unterstützt und seit 1994 engagiert er sich im Marburger Universitätsbund.

Sein weiteres Engagement gilt dem Ausbau des Dualen Studiums. Herr Dr. Viessmann stellt dazu an der Technischen Hochschule Mittelhessen 80 und an der Berufsakademie Nordhessen 60 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Seit den 90er Jahren ist er in Nordhessen als Förderer von Kultur und Kunst bekannt. Die von ihm 2010 eingerichtete Viessmann Allendorf Stiftung unterstützt Kulturprojekte mit hohen Beträgen, wie z.B. den Kultursommer Nordhessen, den literarischen Frühling Nordhessen sowie das Christian Daniel Rauch-Museum in Bad Arolsen. Sein Unternehmen beteiligt sich darüber hinaus regelmäßig mit eigenen Exponaten an der Landesinitiative „Kunst privat“.

Foto: Viessmann

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Dr. Herbert Günther
Verliehen am 14.05.2012

Dr. Herbert Günther

Ministerialdirigent a.D.

Geboren 1943, hat sich durch seine hauptberufliche Tätigkeit als Leiter der Abteilung Recht und Verfassung in der Hessischen Staatskanzlei (1988 bis 2010) und durch seine jahrzehntelange Lehrtätigkeit große Verdienste um die Wissenschaft erworben. Zu seinen Aufgaben gehörten u.a. die Bearbeitung verfassungsrechtlicher Fragen und die Vertretung des Landes vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Staatsgerichtshof. Aufgrund seines großen Engagements hat er zunehmend Einfluss auf die Fortentwicklung der rechtswissenschaftlichen Erkenntnis über das hessische Verfassungs- und Verfassungsprozessrecht nehmen können.

Seit 1988 bietet er an den Universitäten Gießen und Marburg Vertiefungsvorlesungen zum Strafprozessrecht und zum Verfassungs- und Verfassungsprozessrecht an. Bereits seit 1974 ist er zudem Dozent an der Archivschule Marburg mit dem Fach „Archivrecht im Rahmen des allgemeinen Verwaltungsrechts“. Er steht auch nach Eintritt in den Ruhestand dem Land für die Führung der anhängigen Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Staatsgerichtshof auf Anforderung des Ministerpräsidenten zur Verfügung. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift für Landes- und Kommunalrecht in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Foto: privat

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Hans-Helmut Becker
Verliehen am 27.08.2008

Dr. Hans-Helmut Becker

Ehemaliger Werksleiter des Volkswagen-Konzerns

Geboren 1949, kam nach dem Ingenieurstudium in Saarbrücken und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Göttingen 1980 zum Volkswagenwerk nach Kassel, wo er verschiedene Stationen durchlief. 2006 wurde er Leiter dieses Werks. Im Jahr 2000 promovierte er an der Universität Aachen im Fachbereich Gießereiwesen. Er steht für die überaus erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Universität Kassel und dem Volkswagenwerk Kassel.

Becker trägt maßgeblich dazu bei, dass der Standort Kassel im Bereich der anwendungsorientierten Forschung, im Technologie-Transfer und im Prozess der Produktionsinnovation als markanter Leuchtturm im nationalen und internationalen Kontext auffällt. Bilaterale Entwicklungs- und Forschungsvorhaben und die Investition in gemeinsame Infrastrukturprojekte, durch welche die angewandte Forschung zum Vorteil der gesamten Region Nordhessen gestärkt würde, sind beispielhaft. Dazu gehörten das Anwendungszentrum Metallformgebung, dessen wichtigster industrieller Partner das VW-Werk sei, und die von diesem initiierte Stiftungsprofessur Gießereitechnik an der Universität Kassel.

Foto: Universität Kassel

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Ruth Lapide
Verliehen am 29.08.2007

Ruth Lapide

Theologin und Historikerin

Geboren 1929, studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem Politologie, Geschichte und Judaistik mit dem Schwerpunkt der Entstehung des Christentums innerhalb des Judentums. Sie hat sich durch jahrzehntelange theologisch-historische Publikations-, Vortrags- und Lehrtätigkeit um den Dialog zwischen Judentum und Christentum verdient gemacht – zunächst gemeinsam mit ihrem Mann, dem jüdischen Theologen Prof. Dr. Pinchas Lapide, in etwa 60 Büchern sowie Radio- und Fernsehbeiträgen, Seminaren und Vorträgen; seit dessen Tod 1997 mit unvermindertem Engagement in Hörfunk und Fernsehen, als Lehrbeauftragte der Evangelischen Fachhochschule in Nürnberg und als Autorin.

Sie studiert das Alte und das Neue Testament, was insofern außergewöhnlich ist, als dass die meisten Theologen sich entweder auf das eine oder auf das andere beschränken, also entweder jüdisch oder christlich argumentieren.

Foto: Bibel TV Stiftung gemeinnützige GmbH

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Barbara  Scheuch-Vötterle
Verliehen am 28.6.2007

Barbara Scheuch-Vötterle

Geschäftsführerin des Bärenreiter-Verlags in Kassel

Geboren 1947, ist Geschäftsführerin des Bärenreiter-Verlags in Kassel, der weltweit zu den größten Verlagen für klassische Musik zählt. Ihr Engagement wird weit über die Kasseler Kulturszene hinaus geschätzt und gewürdigt. Durch ihre verlegerische Arbeit erhalten Musikerzieher, sei es in staatlichen Schulen, in privaten Musikschulen oder in den vielen Chor- und Instrumentalvereinen im laienmusikalischen Bereich Handreichungen für die Musikpraxis.

Darüber hinaus leistet sie wichtige Starthilfe für junge Autoren, Künstler und Produzenten und bietet deutschen und internationalen Musikwissenschaftlern ein Forum für Forschungen und Editionen. Der Bärenreiter-Verlag ist dem Bündnis für Musikunterricht in Hessen beigetreten, in dem sich der Verband deutscher Musikschulen, die Arbeitsgemeinschaft für Schulmusik und der Verband deutscher Schulmusikerzieher 2002 zusammengeschlossen haben, um die Rolle des Musikunterrichts zu verbessern.

Foto: Paavo Blåfield

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Wolfgang Strutz
verliehen am 26.06.2007

Wolfgang Strutz

Ehemaliger Präsident der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt

Geboren 1933, war Präsident der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG), die Trägerin des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg (FIS) ist. Diese hat in den vergangenen Jahren eine Dynamik entfaltet, die sie an die Spitze der deutschen naturforschenden Museen gerückt und das FIS zu einer national und international herausragenden Einrichtung der Biodiversitätsforschung mit anerkannt exzellenten wissenschaftlichen Leistungen gemacht hat.

Durch seine Beteiligung an zentralen Personalentscheidungen wie der Berufung von Prof. Dr. Volker Mosbrugger zum neuen Direktor des FIS im Jahr 2005, durch die von ihm initiierte grundlegende Umstrukturierung der SNG und des Forschungsinstituts und nicht zuletzt durch seine erfolgreiche Einwerbung von Spenden und Sponsorenmitteln für das Museum und die Forschung hat er einen wesentlichen Beitrag zur Spitzenstellung des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg geleistet.

Foto: Senckenberg/Sven Tränkner

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Arno Lustiger
verliehen am 20.06.2007

Dr. h.c. Arno Lustiger

Historiker und Schriftsteller

Geboren 1924, gestorben 2012, forschte und lehrte zur Geschichte der europäischen Juden und insbesondere zum jüdischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem das Standardwerk „Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945“ (Köln 1994), das die ganze politische Breite und Vielfalt des jüdischen Engagements im Widerstand gegen Hitler auffächert und das „Rotbuch. Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden“ (Berlin 1998), in dem von der widersprüchlichen Haltung Stalins gegenüber den jüdischen Partisanen und vom stalinistischen Antisemitismus berichtet wird.

Übersetzungen seiner Werke erschienen in den USA, in Polen, Frankreich, Spanien und in Russland. Er lehrte unter anderem am Fritz-Bauer-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2004 verlieh ihm die Universität Potsdam die Ehrendoktorwürde.

Foto: Sigismund von Dobschütz/GNU Free Documentation License

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Ludwig Georg Braun
verliehen am 06.09.2006

Ludwig Georg Braun

Unternehmer

Geboren 1943, ist Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. In vielfältiger Weise hat er sich an wirtschaftlichen und politischen Debatten in Deutschland beteiligt oder sie angestoßen und sich für die Förderung des wissenschaftlichen wie künstlerischen Nachwuchses engagiert. 1989 hat Braun als Vorstandsvorsitzender für sein Unternehmen eine Vereinbarung mit der damaligen Gesamthochschule und heutigen Universität Kassel zur Förderung von Wissenschaft und Kunst sowie zur Förderung von Wirtschaft und Kultur in Nordhessen geschlossen. Daraus ist der „Otto-Braun-Fonds“ entstanden, aus dessen Mitteln Stipendien an Nachwuchswissenschaftler/innen vergeben werden, um sie bei der Promotion zu unterstützen.

Außerdem werden Abschlussarbeiten junger Künstler/innen gefördert. Aus dem Fonds werden auch die weit über Nordhessen hinaus beachteten Haydauer Hochschulgespräche finanziert. Hier erhält jedes Jahr ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin die Möglichkeit, ein aktuelles Thema mit prominenten Fachvertretern zu erörtern. Die Unterstützung der Universität Kassel und der Kassel International Management School durch die B. Braun Melsungen AG ist ein weiteres Beispiel gelebter Förderung von Wissenschaft, Aus- und Weiterbildung.

Foto: Bbraun

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Dr. Salomon Korn
verliehen am 23.05.2006

Dr. Salomon Korn

Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Geboren 1944, ist Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Korn ist eine Persönlichkeit, die sich in vielfältiger Weise in notwendige Debatten einmischt oder sie anstößt, und ein engagierter Citoyen. Sein wissenschaftliches, publizistisches und essayistisches Wirken ist immer auch eng mit der deutsch-jüdischen Wirklichkeit verbunden. Die konkrete und ehrliche Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte um der Versöhnung willen ist Leitgedanke seiner wissenschaftlichen Arbeiten.

Er hat sich in ganz besonderer Weise um die wissenschaftliche und künstlerische Aufarbeitung des Holocaust und der Nachkriegsgeschichte der Juden in Deutschland und damit um die Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht. Der Architekt, nach dessen Plänen unter anderem das Jüdische Gemeindezentrum in Frankfurt gebaut wurde, engagiert sich darüber hinaus in zahlreichen Beiräten von wissenschaftlichen Einrichtungen und Gedenkstätten. Korn legt mit seinen Arbeiten immer wieder den Finger in Wunden; denn der deutschen Mehrheitsgesellschaft fehlte der Mut, sich in der Nachkriegszeit mit der Vernichtung der Juden auseinanderzusetzen.

Foto: Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main/Salek

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Carlo Giersch
verliehen am 10.05.2006

Carlo Giersch

Unternehmer

Geboren 1937, engagiert sich seit vielen Jahren in außerordentlichem Maß für die hessische Hochschullandschaft. So hat die von ihm und seiner Frau 1990 gegründete Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt unter anderem den Erwerb von Immobilien oder Grundstücken gesichert und geholfen, Angebot und Ansehen der Hochschule in der wissenschaftlichen Welt zu steigern. Beispiele dafür sind die Publikationen in der Schriftenreihe „Edition Universität“, das Werben um amerikanische Studierende im Rahmen der jährlichen Summer School oder die Sicherung des Ausbaus des Technologie- und Innovationszentrums.

Die TU Darmstadt hat Carlo Giersch im März 1991 die Würde eines Ehrensenators verliehen. Der Goethe-Universität Frankfurt hat er sein Wohnhaus als Gästehaus überlassen. Maßgeblichen Anteil hat er zudem an der Realisierung des Frankfurt Institute for Advanced Studies, außer-dem gehört er zu den Förderern des Senckenberg-Museums. Seine Heimatstadt Frankfurt verdankt ihm auch den Neubau des Portikus auf der Maininsel, einer international renommierten Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Die 1995 gegründete Gemeinnützige Stiftung Giersch Frankfurt ist Trägerin des im Jahr 2000 in der ehemaligen Villa des Bauunternehmers Philipp Holzmann ein-gerichteten Museums Giersch, das der regionalen Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gewidmet ist.

Foto: Carlo und Karin Giersch-Stiftung 

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Siegfried Heinrich
verliehen am 20.04.2006

Siegfried Heinrich

Kirchenmusiker

Geboren 1935 in Dresden, kam 1954 an die Frankfurter Musikhochschule, weil ihm der Zugang zu den Dirigenten- und Kirchenmusikklassen in der damaligen DDR verwehrt blieb. Heinrich hat sich mitten im Kalten Krieg immer wieder bemüht, auch osteuropäische Orchester und Chöre nach Bad Hersfeld zu holen, um auf diese Weise Brücken zwischen Ost und West zu bauen. Der Kirchenmusiker, der bis zu seiner Pensionierung an der früheren Kasseler Musikakademie und heutigen Universität unterrichtete, ist ein international tätiger Botschafter der Musik, ein anerkannter Kulturmanager in Hessen und nicht zuletzt ein weithin bewunderter Lehrer der Musik.

Sein Einsatz für die Bad Hersfelder Festspiele, die er 1961 um ein Konzert- und 1980 um ein Opernprogramm ergänze, ist beispielhaft. Die Bad Hersfelder Festspiele konnten so erst zu dem werden, wofür sie heute bekannt sind: Ein kulturelles ,Rund-um-Ereignis’ vom Schauspiel über Konzert bis hin zur Oper auf beachtlichem künstlerischen Niveau und mit enormer Resonanz im In- und Ausland. Auch das 2004 eröffnete Johann-Sebastian-Bach-Haus in Bad Hersfeld geht auf Heinrichs Engagement zurück.

Foto: Wolfgang Näser