Lebendige Traditionen

Immaterielles Kulturerbe

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, Bräuche, Rituale und Feste, traditionelle Handwerkstechniken, Wissen oder Fertigkeiten, sind Kultur, die es zu erhalten gilt. Diese Kulturkomponente wird als „immaterielles Kulturerbe“ bezeichnet.

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Freilichtmuseum Hessenpark bleiben alte Handwerkstraditionen lebendig.
Im Freilichtmuseum Hessenpark bleiben alte Handwerkstraditionen lebendig.
© Hessenpark/Sascha Erdmann

Immaterielles Kulturerbe sind lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen werden. Menschen spielen dabei die Schlüsselrolle.

Dies trifft zu bei

  • mündlich überlieferten Traditionen und Ausdrucksformen;
  • darstellenden Künsten;
  • gesellschaftlichen Bräuchen, Ritualen und Feste;
  • Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum;
  • traditionellen Handwerkstechniken.

Ein immaterielles Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben und vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität. Bei dem immateriellen Kulturerbe geht es nicht um Konservierung oder Schutz eines bestimmten Zustands, sondern um Entwicklungsfähigkeit desselben.

Nur immaterielles Kulturerbe

Die Weltgemeinschaft will dieses Erbe, dessen Vielfalt und die dahinter stehende Kreativität anerkennen, bewahren helfen und den gegenseitigen Respekt der Menschen vor ihren Kulturen fördern und stärken. Es können und sollen bisher völlig unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen gleichwertig nebeneinander stehen. Dafür hat die UNESCO die „Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ geschaffen, die 2006 in Kraft trat. Deutschland ist 2013 beigetreten.

Die UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes berücksichtigt nur das immaterielle Kulturerbe. Für das materielle Kulturerbe gibt es die Welterbe-Konvention der UNESCO und das UNESCO-Programm zum Weltdokumentenerbe.

Bewerbungsverfahren

Da die UNESCO jedes Jahr nur eine geringe Zahl von Eintragungen in ihre Verzeichnisse des immateriellen Kulturerbes zulässt, wird Deutschland nicht jedes Jahr die Chance haben, einen Eintrag zu platzieren. Voraussetzung dazu ist, dass ein Kulturerbe im bundesweiten Verzeichnis für immaterielles Kulturerbe eingetragen ist. Das bundesweite Verzeichnis ist das Herzstück der Umsetzung der Konvention in Deutschland.

Um dort aufgenommen zu werden, melden die einzelnen Bundesländer ein kleines Kontingent zur Prüfung an die Deutsche UNESCO-Kommission. Aufgrund der „Kulturhoheit der Länder“ müssen diese Vorschläge bei einem Bundesland eingereicht werden. Zuständig dafür ist das Bundesland, in dem das immaterielle Kulturerbe ausgeübt wird beziehungsweise der Dachverband seinen Sitz hat.

Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren sowie entsprechende Formulare stellt die UNESCO auf ihren Internetseiten zur Verfügung. Derzeit sind keine Bewerbungen möglich.

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland

Das vielfältige Spektrum der kulturellen Ausdrucksformen in Deutschland ist im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes erfasst. Die Aufnahme in dem Verzeichnis ist eine öffentlich sichtbare Anerkennung der kulturellen Ausdrucksform sowie der Menschen und Gruppen, die sie betreiben. Die Aufmerksamkeit für das immaterielle Kulturerbe soll dazu führen, dass gelebte Traditionen erhalten, fortgeführt und dynamisch weiterentwickelt werden.