Provenienzforschung

Was uns die Rückseite eines Gemäldes verrät

Thema: 
Impressionen

Die Zentrale Stelle für Provenienzforschung betreibt Detektivarbeit: Anhand von Etiketten, Stempeln oder Aufschriften findet sie heraus, woher Bilder stammen. Klicken Sie sich hier durch das Gemälde "Selbstbildnis des Künstlers" von Philip van Dijk. Weitere Informationen zum Bild gibt es auf der Website der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Dieses "Selbstbildnis des Künstlers" wird Philip van Dijk zugeschrieben. Es hängt in der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel.
© Museumslandschaft Hessen Kassel
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Die Rückseite des Selbstbildnisses offenbart viele Informationen: Für die Provenienzforschung sind vor allem die Stempel, Zettel und Anmerkungen interessant.
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Auf einem Klebezettel unten links ist handschriftlich mit Tinte vermerkt: „Seine Hoheit der Herzog von Sachsen Coburg Gotha. Schlos [sic!] Ehrenburg, G (?) 107; die Nummer ist dreifach gestrichen.
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Vermutlich wurde der Zettel bei der Ausleihe des Gemäldes an die Darmstädter Jahrhundertausstellung 1914 angebracht, denn es ist im Katalog der Ausstellung bei den Porträts unter der Nummer 107 verzeichnet. Das Zeichen/der Buchstabe vor der Nummer ließ sich bisher nicht entziffern.
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Ein blauer Stempel, verdeckt durch den Klebezettel, lässt den Text "handlung Dr. Büttner z.T. J. №" erahnen.
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Vermutlich handelt es sich um einen Stempel des Kunsthistorikers und Restaurators Franz Büttner-Pfänner zu Thal (1859-1919), der Professor an der Münchener Akademie der Künste war, als Pensionär in Coburg lebte und einige Gemälde aus den Coburger Sammlungen restaurierte.
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Noch ein Klebezettel. Darauf steht: "Schloß Ehrenburg Coburg, M 474". Er verdeckt halb einen Brennstempel: "Priv[…] Herzo[…]".
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474 ist die Inventarnummer nach dem Inventar der Gemälde der Ehrenburg. Das Inventar wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts angefertigt. Der dahinter liegende Brennstempel kennzeichnet das Gemälde vermutlich als Privatbesitz des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha.
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Ein weiterer Stempel: "Cap. XI", rechts daneben handschriftlich: "No 262".
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Dies ist die Inventarnummer des Generalkatalogs der herzoglichen Sammlungen von 1906. Cap. XI erfasst die Gemälde, No 262 ist die laufende Nummer, unter der das Werk notiert ist.
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Das Ergebnis: Das Gemälde befand sich seit mindestens 1906 in den Sammlungen der Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha auf Schloss Ehrenburg in Coburg. 1919 wurde es dem persönlichen Eigentum von Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha zugeschlagen, blieb aber bis 1954 in der Verwaltung der Coburger Landesstiftung. Dann wurde es vom Herzog entnommen. Ein NS-verfolgungsbedingter Entzug kann somit ausgeschlossen werden.
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