Interview mit Boris Rhein

Mit Numerus Clausus gegen Studenten-Ansturm

Wissenschaftsminister Boris Rhein im Interview mit der dpa (17.05.2014)

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Wissenschaftsminister Boris Rhein im Interview mit dpa-Redakteur Thomas Maier.
Wissenschaftsminister Boris Rhein im Interview mit dpa-Redakteur Thomas Maier.
© HMWK

Frage: Herr Rhein, in Ihrem neuen Ressort stehen Sie nicht mehr so im Rampenlicht wie früher im Innenministerium. Wie kommen Sie damit klar?
Antwort: Sehr gut! In der Tat sind Wissenschafts- und Kunstthemen keine Themen für die schnelle Schlagzeile. Hier werden die Zukunftsthemen des Landes formuliert. Mir ist von dem einen oder anderen vorgeworfen worden, dass ich für das Ressort keine entsprechende Vita mitbringe, aber das kann auch von Vorteil sein. Wichtig ist doch, dass man seine Aufgabe mit Begeisterung und Herzblut macht.

Frage: Was wollen Sie in Zukunft besser machen?
Antwort: Wir wollen zum einen, dass die kulturellen Schätze in Hessen noch sichtbarer werden. Die drei Landesmuseen in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel sind im deutschlandweiten Vergleich allesamt Spitze. Unsere Aufgabe wird es sein, die Museen mehr miteinander zu vernetzen.

Frage: Wie kann man sich das vorstellen?
Antwort: Dazu gehören Themenpakete, die wir gemeinsam mit der Hessen-Agentur erarbeiten wollen. Auch Kulturreisen sind denkbar, etwa zu Joseph Beuys in Darmstadt über die moderne Kunst im Landesmuseum Wiesbaden bis hin zu den alten Meistern in Kassel. Auch die Schlösser und Gärten in Hessen könnten in dieses Konzept miteingebunden werden.

Frage: Sie haben angesichts knapper Kassen eine kulturelle Bestandsaufnahme angekündigt. Müssen die drei Staatstheater in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel auch künftig noch alle drei Sparten mit Theater, Oper und Ballett abdecken?
Antwort: Wir werden die eine oder andere Leistung auf den Prüfstand stellen müssen. Im Augenblick gibt es aber weder regionale noch inhaltliche Festlegungen. Die Strukturen der öffentlichen Theater und Orchester wollen wir aber erhalten.

Frage: Kommen wir zur Wissenschaft: Sie arbeiten an einem Entwicklungsplan für die hessischen Hochschulen. Wie teilen sich künftig die Universitäten und Fachhochschulen ihre Aufgaben?
Antwort: Eine strikte Trennung kann es heute nicht mehr geben. Ich setze hier auf eine stärkere Kooperation. Und dass dies sich auszahlt, liegt daran, dass hessische Fachhochschulen ganz hervorragende Schwerpunkte herausgebildet haben. Die Technische Hochschule Mittelhessen kooperiert zum Beispiel mit den Universitäten Gießen und Marburg.

Frage: Schwarz-Grün plant ein Promotionsrecht für Fachhochschulen. Darüber sind die Unis nicht erfreut... 
Antwort: Wir wollen das Promotionsrecht nicht mit der Gießkanne verteilen. Wir sagen aber, dass forschungsstarke Bereiche ein eigenständiges Promotionsrecht erhalten sollen. 

Frage: Frankfurts Uni-Präsident hat den Vorschlag gemacht, den Fachhochschulen künftig mehr von der Lehre zu überlassen, während sich die Unis verstärkt auf die Forschung konzentrieren sollen. Sind Sie damit einverstanden? 
Antwort: Gute Wissenschaftspolitik funktioniert nicht so, dass die einen nur die Masse und die anderen nur die Spitze ausbilden. Wir sind genauso auf die anwendungsorientierte Forschung der Fachhochschulen angewiesen, wie auf exzellente Spitzen und Grundlagenforschung. 

Frage: Unis wie Fachhochschulen ächzen unter dem Studentenansturm. Was tun Sie dagegen? 
Antwort: Wir haben als einziges Bundesland beschlossen, dass die Mittel für die Grundfinanzierung der Hochschulen ab 2016 um ein Prozent - und maximal drei Prozent - über die Inflationsrate gesteigert werden sollen. 

Frage: Das Land hat im vergangenen Jahrzehnt rund zwei Milliarden Euro in den Bau des «Leuchtturms» Frankfurt mit seinem neuem Uni-Campus gesteckt. Fühlen sich andere Unis wie etwa Marburg oder Gießen nicht zu Recht abgehängt? 
Antwort: Ich weiß sehr genau, dass wir in Marburg oder Gießen Nachholbedarf haben. Das ist auch ein Grund, weshalb wir ab 2020 nochmals eine Milliarde Euro beim (Bauprogramm) Heureka II in die Hand nehmen, um die Infrastruktur zu verbessern. 

Frage: Aber letztlich kommen Sie doch mit Neubau oder Sanierung nicht nach. Professoren klagen außerdem über das gesunkene Niveau in ihren Seminaren. Haben wir nicht einfach inzwischen zuviel Studenten? 
Antwort: Wir haben es in der Tat mit einem massiven Ansturm zu tun und flankieren das mit erheblichen finanziellen Mitteln; aber es ist natürlich auch eine Steuerungsaufgabe. Wenn in einem Fach die Nachfrage das vorhandene Angebot übersteigt, kann es auch zu Gesprächen über Zulassungsbeschränkungen, den sogenannten NC, kommen. Aber Studiengebühren wird es nicht wieder geben.

Die Fragen stellten: Thomas Maier; Maren Hennemuth

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