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Wissenschaftsministerin Angela Dorn

Fünf spannende Forschungsprojekte nehmen erste Hürde für LOEWE-Förderung

Thema: 
Wissenschaft, LOEWE
14.06.2019Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

LOEWE-Gremien fordern Forschungsverbünde auf, Vollanträge für LOEWE-Schwerpunkte in der 13. Auswahlrunde des LOEWE-Programms einzureichen

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Arbeit im Labor
© Pixabay/DarkoStojanovic

Wiesbaden. Fünf der Forschungsvorhaben, die sich in der themenoffenen 13. Auswahlrunde des LOEWE-Programms beworben haben, gehen in die zweite Runde des Auswahlverfahrens. Das haben LOEWE-Programmbeirat und LOEWE-Verwaltungskommission heute bei ihrer gemeinsamen Sitzung in Wiesbaden entschieden. Unter den 13 eingereichten Antragsskizzen für LOEWE-Schwerpunkte (Förderlinie 2) waren fünf Vorhaben aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, vier aus den Lebenswissenschaften und jeweils zwei aus den Ingenieur- und den Naturwissenschaften. Die ausgewählten Projekte sind jetzt aufgefordert, bis zum 1. Dezember 2019 Vollanträge einzureichen. Die LOEWE-Gremien entscheiden dann im Sommer 2020 darüber, welche der fünf Projekte gefördert werden.

Drängende Fragen unserer Zeit

Wissenschaftsministerin Angela Dorn: „Dass sich so viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fächern um eine LOEWE-Förderung beworben haben, zeigt die breite Kompetenz der hessischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie arbeiten über die Grenzen der Disziplinen hinweg gemeinsam an drängenden Fragen unserer Zeit; das möchten wir mit LOEWE stärken. Dabei ist mir besonders wichtig, dass Projekte gefördert werden, die neben wissenschaftlicher Exzellenz auch durch ihre Aussichten auf eine nachhaltige Strukturentwicklung in der hessischen Forschungslandschaft überzeugen können. Alle Projekte sind deshalb aufgefordert, ihre Zukunftspotenziale darzustellen und zu zeigen, wie sie sich strategisch in die profilbildenden Entwicklungsplanungen der beteiligten Hochschulen und Forschungseinrichtungen einfügen. Jene Projektvorhaben, die jetzt zur Vollantragstellung zugelassen sind, werden im kommenden Frühjahr von externen Fachgutachtenden vor Ort evaluiert.“

Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des LOEWE-Programmbeirats, ergänzt: „Die Auswahl der fünf Skizzen, die jetzt zu Vollanträgen ausgearbeitet werden dürfen, ist den LOEWE-Gremien angesichts der guten Antragslage nicht leichtgefallen. Die wettbewerbliche und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Konzeption von LOEWE ist enorm wichtig, da sich die Antragstellenden gemeinsam organisieren und zusammen auf eine Strategieplanung verständigen müssen.“

Bundesweit einmaliges Forschungsförderprogramm

LOEWE steht für Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz und ist das zentrale Forschungsförderprogramm des Landes Hessen. Insgesamt hat das Land von 2008 bis 2018 rund 797 Millionen Euro für das themenoffene LOEWE-Programm und damit für die Förderung herausragender Forschungsvorhaben bereitgestellt. In diesem Jahr beträgt das LOEWE-Budget rund 60 Millionen Euro.

Folgende Schwerpunktvorhaben der 13. Förderstaffel wurden zur Vollantragstellung aufgefordert:

Impact of diffusible signals at human cell-microbe interfaces. Federführung: Philipps-Universität Marburg, Antragspartner: Justus-Liebig-Universität Gießen, Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie / Marburg     
Wie kommunizieren Bakterien und unser Immunsystem? Bakterielle Infektionskrankheiten gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Durch Antibiotika-Resistenzen werden unsere wichtigsten Medikamente gegen Infektionskrankheiten jedoch zunehmend wirkungslos. Dieses Problems nimmt sich das beantragte Forschungsvorhaben „Diffusible Signals“ an, in dem es mit neuesten Methoden und Techniken eine zentrale Grundlage der Infektionsprozesse untersucht und verändert: die Kommunikation zwischen Bakterien und menschlichen Entzündungszellen. Gemeinsam erforschen Ärzte, Biologen und Informatiker den Austausch löslicher (diffusibler) Signale an den Grenzflächen klinisch wichtiger Bakterien und menschlicher Entzündungszellen. Damit werden neue Einblicke in Infektionsprozesse gewonnen und ein Beitrag zur Entwicklung innovativer Behandlungsformen für Infektionskrankheiten geleistet. Diese neuen zielgerichteten Therapien sollen durch Veränderung der Kommunikation die menschliche Immunabwehr stärken und den bakteriellen Angriff schwächen.       

iCANx: Cancer – Lung (Disease) Crosstalk: Tumor and Organ Microenvironment. Federführung: Justus-Liebig-Universität Gießen, Antragspartner: Philipps-Universität Marburg, Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung / Bad Nauheim     
Wie lässt sich das Wachstum von Lungentumoren verhindern? Krebs ist als zweithäufigste Todesursache ein globales Gesundheitsproblem. Das Wachstum und die Gefährlichkeit von Lungentumoren hängen entscheidend von deren Wechselwirkung mit der Umgebung ab. Ziel des beantragten LOEWE-Schwerpunkts „iCANx“ ist die Aufklärung von Mechanismen, die es Tumorzellen erlauben, die Lunge im Austausch mit dem Organmikromilieu zu besiedeln, und zu untersuchen, welchen Einfluss Erkrankungen wie COPD, pulmonale Hypertonie und Fibrose hierauf haben. Das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen in der Lunge verspricht neben grundlegenden Einblicken in molekulare Mechanismen neue Therapie- und Heilungsansätze etwa um Tochtergeschwulste zu verhindern.    

WhiteBox – Erklärbare Modelle für menschliche und künstliche Intelligenz. Federführung: Technische Universität Darmstadt        
Wie kann man künstliche und menschliche Intelligenz besser erklären? Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Selbstfahrende Autos, medizinische Diagnosesysteme, intelligente Fertigungsroboter und Sprachassistenten versprechen eine fortschreitende Automatisierung von Aufgaben, die bisher nur Menschen dank ihrer Intelligenz bewältigen konnten. Teilweise übertrifft die Künstliche die menschliche Intelligenz, etwa beim Schach- oder Pokerspielen. Der momentane Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz basiert zum großen Teil auf sogenannten tiefen neuronalen Netzen. Diese sind dem menschlichen Gehirn nachempfunden, können selbstständig Zusammenhänge aus großen Datenmengen lernen und dann Vorhersagen und Entscheidungen treffen, die selbst für die Forscher, die sie entwickelt haben, oft nicht nachvollziehbar sind. Für viele Anwendungen Künstlicher Intelligenz in Wirtschaft und Gesellschaft sind aber nachvollziehbare und zuverlässige Vorhersagen und Entscheidungen unverzichtbar. Daher entwickeln die Antragstellenden des Forschungsvorhabens „WhiteBox“ Methoden, die Künstliche Intelligenz für den Menschen verständlich macht.   

OptiPro – Optische Signalwandlung in Proteinen. Federführung: Goethe-Universität Frankfurt, Antragspartner: Philipps Universität Marburg, Max-Planck-Institut für Biophysik / Frankfurt       
Was kann man auf der Suche nach der optimalen Nutzung von Sonnenlicht von der Natur lernen? Sonnenlicht ist die Energiequelle für alles Leben auf unserem Planeten. Trotzdem sind viele grundlegende Aspekte noch nicht gut verstanden. Die Antragstellenden wollen das molekulare Verständnis elementarer photophysikalischer Prozesse erforschen, Schlüsselkomponenten bei der Umwandlung von Licht in Energie identifizieren, die räumlich-zeitliche Steuerung molekularer Prozesse durch Licht erkunden und optogenetische Werkzeuge für die Biomedizin entwickeln. Zu diesem Zweck soll eine interdisziplinäre Gruppe von Biophysikern, Chemikern und Biochemikern zusammenarbeiten, um ein detailliertes Verständnis von Reaktions- und Signalwegen und letztlich neue Anwendungen in der Optogenetik oder bei der Energiekonversion zu ermöglichen.          

PriOSS – Prinzipien von oberflächengestützten Synthesestrategien. Federführung: Justus-Liebig-Universität Gießen, Antragspartner: Philipps-Universität Marburg    
Wie baut man Nanostrukturen – also mikroskopisch kleine Bauelemente – aus einzelnen Molekülen? Solche molekularen Strukturen können zum Beispiel als elektronische Bauelemente in Mikrochips und Quantensystemen eingesetzt werden. Dabei hat sich herausgestellt, dass der Zusammenbau von Nanostrukturen sehr erfolgreich direkt auf Oberflächen durchgeführt werden kann, man spricht von der „oberflächengestützten Synthese“. Dieser Ansatz ist von besonderem Interesse für moderne zweidimensionale Materialien. Die oberflächengestützte Synthese stellt allerdings bis heute eine besondere Herausforderung dar und steckt im Gegensatz zur etablierten Synthese in Lösung, wie sie seit 200 Jahren praktiziert wird, noch in den Kinderschuhen. Ziel des beantragten LOEWE-Schwerpunkts „PriOSS – Prinzipien von oberflächengestützten Synthesestrategien“ ist es, grundlegende Modelle und einen Werkzeugkasten für diese neue Methodik zu schaffen.

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