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Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein

Saalburg bietet ideales Ausstellungsumfeld für antiken römischen Pferdekopf

Thema: 
Kunst und Kultur
17.08.2018Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein präsentierte den Pferdekopf auf der Saalburg.
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Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hat den Pferdekopf auf der Saalburg erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
© wissenschaft.hessen.de

Bad Homburg. Der rund 2000 Jahre alte antike Pferdekopf aus vergoldeter Bronze, der 2009 bei archäologischen Grabungen in Lahnau-Waldgirmes gefunden wurde, ist ab Sonntag, 19. August, erstmals öffentlich zu sehen. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hat heute auf der Saalburg die neue Dauerausstellung zu den Funden in Waldgirmes, deren Höhepunkt der Pferdekopf ist, vorab den Medien präsentiert.

Weit über die Grenzen Hessens bekannt

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Das Römerkastell Saalburg ist weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt und bietet mit seiner Expertise ein ideales Ausstellungsumfeld für den römischen Pferdekopf: Es ist das Vermittlungszentrum für die Provinzialrömische Archäologie in Hessen, Standort des Informationszentrums für die UNESCO-Welterbestätte Limes und widmet sich als einziges Museum in Hessen ausschließlich der Römerzeit. Aufgrund dieser ausgezeichneten Gegebenheiten ist die Saalburg für den Pferdekopf der ideale Ausstellungsort. Es ist daher eine Win-Win-Situation für alle. Denn die Saalburg ist mit dem Pferdekopf um eine Attraktion reicher.“

Teil einer Reiterstatue

Der 59 Zentimeter lange und 15 Kilogramm schwere Kopf, der Teil einer Reiterstatue gewesen ist, auf der vermutlich Kaiser Augustus saß, bildet den inhaltlichen und gestalterischen Höhepunkt der neuen Dauerausstellung über das römische Waldgirmes. In den zurückliegenden Jahren ist die Dauerausstellung der Saalburg überarbeitet und modernisiert worden. Dabei wurde die künftige Präsentation des Pferdekopfes aus Waldgirmes bereits berücksichtigt. Ein wandhohes Banner verdeutlicht die Größe der einst lebensgroßen Statue, von der neben dem Pferdekopf auch der linke Fuß und ein Stück des Zaumzeuges gefunden wurden. Ein großes Banner gibt einen Eindruck von den aufwändigen Grabungsarbeiten und den technischen Schwierigkeiten, die damit verbunden waren, in elf Metern Tiefe am Boden eines Brunnenschachts den Pferdekopf aus einem Holzfass zu bergen. 

Guter allgemeiner Erhaltungszustand

Das feuchte Milieu unter Sauerstoffausschluss hat zu einem relativ guten allgemeinen Erhaltungszustands der vergoldeten Bronze geführt. Allerdings war es sehr schwierig, die an vielen Stellen der Oberfläche abgelagerten Korrosionsprodukte der Bronze auf der Goldschicht zu entfernen, denn die Vergoldung ist nur hauchdünn. An manchen Stellen mussten die Restauratoren die Oberfläche mit einem Acrylharz festigen und zum Abschluss der Restaurierung die gesamte Oberfläche mit einem dünnen Schutzüberzug aus Acrylharz versehen. Eine neuerliche Vergoldung der weiteren Teile wurde bewusst nicht vorgenommen. Die Restaurierungskosten inklusive sämtlicher Begleitanalytik belaufen sich auf 75.000 Euro.

Lebendigkeit und Plastizität

„Den Restauratoren muss ich ein ganz großes Lob aussprechen. Denn ohne ihre äußerst präzise Feinarbeit könnten wir den Pferdekopf jetzt nicht in so einem hervorragenden Zustand bewundern“, sagte Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein, der zudem begeistert über die präzise Gestaltung der Statue ist. „Schon auf den ersten Blick sieht man die große Lebendigkeit und Plastizität, mit der Aufbau und Erscheinung des Kopfes vom Bildhauer erfasst wurden – und das, obwohl die Herstellung des Reiterstandbildes auf die Zeit zwischen 4 v. Chr. und 16 n. Chr. geschätzt wird. Das ist wirklich sehr beeindruckend.“ Die Wiedergabe der einzelnen Details von Muskelsträngen, Nüstern und Augenbildung zeuge von großem handwerklichen Geschick und künstlerischer Auffassungsgabe. 

Minister Rhein dankte bei dieser Gelegenheit auch der Kulturstiftung der Länder für ihre Bereitschaft, das Land Hessen bei der Sicherung des Pferdkopfs zu unterstützen.

Zeitstrahl hilft bei der Einordnung

Ausgangspunkt der inhaltlichen Konzeption der neuen Dauerausstellung, die in enger Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Ausgräbern der Römisch-Germanischen Kommission und den Museumspädagogen der Saalburg erarbeitet wurde, ist die historische Verortung des bedeutenden Fundplatzes Waldgirmes zum Ausstellungsort Römerkastell Saalburg. Denn Waldgirmes lag außerhalb der Grenzen des damaligen römischen Reiches. Daher gibt es zu Beginn der Ausstellung einen Zeitstrahl an der Wand zu sehen, der bei der Einordnung der Abfolge der historischen Epochen helfen soll. Dazu werden vorrömische Funde präsentiert, ebenso wie steinzeitliche Funde, Objekte aus der Bronzezeit und der Eisenzeit sowie aus der Kultur der Kelten und der Merowinger. Einige sind in der unmittelbaren Umgebung der Saalburg gefunden worden.

Fundstätte wird gezeigt

Zwei Räume sind gänzlich dem römischen Waldgirmes gewidmet. Mittels einer Landschaftsfotografie des modernen Waldgirmes, in das die Rekonstruktion der römischen Siedlung maßstabsgerecht eingefügt ist, sollen die Besucherinnen und Besucher einen Eindruck von der Fundstätte bekommen. „Dadurch bekommt man erst einen Eindruck von den Dimensionen des Areals, die man ohne Veranschaulichung gar nicht erahnen kann“, zeigt sich Minister Rhein beeindruckt. Etwa 4,4 der insgesamt 8 Hektar großen Siedlung, die vermutlich im Zusammenhang mit der für die Römer katastrophalen Niederlage in der Varusschlacht 9 n. Chr. zerstört wurde, sind zwischen 1993 und 2012 ausgegraben worden. In Vitrinen sind die wichtigsten Fundgattungen wie Keramik, Werkzeuge und Geräte aus Eisen sowie besondere Einzelfunde zu sehen. Dazu kommen Schriftquellen, Fundmünzen oder Holzfragmente, die zur historischen Datierung der Siedlung herangezogen wurden.

3D-Film und Objekte zum Anfassen

Auch wenn die Ausstellung so konzipiert ist, dass die Exponate selbst im Vordergrund stehen, sollen zusätzliche Angebote beim Betrachten und Verstehen helfen. Es gibt Objekte zum Anfassen und Großfotos einiger Objekte ermöglichen eine genaue Betrachtung aller Details. Ferner bieten Touchscreens die Möglichkeit, vertiefende Informationen zu erhalten. Unter anderem gibt es einen 3D-Animationsfilm, in dem anschaulich das ganze Gelände virtuell rekonstruiert wurde. Ein Blick in die rekonstruierte Werkstatt der Bronzegießer macht den Herstellungsprozess einer Bronzestatue verständlich. Auch Hörstationen, in denen Interviews mit Ausgräberin und Restauratorin zu hören sind, gehören zur modernen Gestaltung der Schau. Es soll bei der Konzeption nämlich nicht nur um die Präsentation der Fundstücke gehen, sondern auch um deren Erforschung.

Pferdekopf geht auf Reisen

In einem anderen Umfeld wird der Pferdekopf ab Mitte November zu sehen sein. Das Exponat wird dann für sechs Wochen nach Berlin ausgeliehen. Im Martin-Gropius-Bau läuft anlässlich des Europäischen Jahres des kulturellen Erbes ab Ende September die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“, eine Sonderausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Kooperation mit dem Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland. Gezeigt werden hochrangige Exponate aus allen Bundesländern.

Familientag auf der Saalburg

Zuerst ist der Fund jedoch in seiner Heimat Hessen zu sehen. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein eröffnet am Sonntag, 19. August, den Familientag auf der Saalburg, bei dem Besucherinnen und Besucher erstmals selbst die Funde besichtigen können. Das Römerkastell bietet an dem Tag von 10 bis 17 Uhr zusätzlich ein umfangreiches Begleitprogramm an. Unter anderem werden Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen beispielhaft ihre Arbeit vorstellen, es gibt eine Bildpräsentation zu den Ausgrabungen und Römer zeigen, wie Metallhandwerker gearbeitet haben und Brot gebacken wurde. Zudem werden regelmäßig Führungen durch die neue Dauerausstellung angeboten und für Kinder gibt es eigene Programmpunkte wie zum Beispiel ein Training zum Bilden der berühmten Formation der Schildkröte (Testudo) mit Übungsschilden. Zu der neuen Ausstellung ist auch ein neuer Museumsführer mit dem Titel „Rom in Germanien. Waldgirmes – Dauerausstellung im Römerkastell Saalburg“ erschienen.

Noch interessanterer Besuch

„Die Saalburg ist schon immer einen Besuch wert gewesen. Aber mit dem Pferdekopf und den anderen Funden aus Waldgirmes ist ein Besuch noch interessanter geworden“, ermuntert Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein zu einem Ausflug in den Hochtaunus. Die neue Dauerausstellung im Römerkastell ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, zwischen November und Februar dienstags bis sonntags von 9 bis 16 Uhr. 

Da das Parkplatzangebot auf der Saalburg begrenzt ist, empfiehlt die Saalburg, für den Familientag am Sonntag wenn möglich, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Die Buslinie 5 fährt an diesem Tag von Bad Homburg aus jede halbe Stunde zur Saalburg. Der erste Bus fährt ab Bad Homburg Bahnhof Richtung Saalburg um 9.25 Uhr, der letzte von der Saalburg nach Bad Homburg Bahnhof um 18.46 Uhr.

Ob das Land Hessen in der juristischen Auseinandersetzung vor dem Landgericht Limburg um eine angemessene Entschädigung für den Landwirt, auf dessen Grundstück 2009 der Pferdekopf gefunden wurde, Berufung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt einlegt, ist noch nicht entschieden. Das Gericht hatte am 27. Juli in erster Instanz entschieden, dass das Land Hessen dem Landwirt neben bereits gezahlten 48.000 Euro weitere 773.000 Euro zahlen muss.

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