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Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn

Sensationsfund in der Grube Messel: Fossiles Hasen-Ei aus dem Eozän entdeckt

Paläontologen erwarten wichtige Erkenntnisse zur Säugetier-Evolution

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Ei in Grube Messel
© kunst.hessen.de

Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden es bemerkt haben - das war ein Aprilscherz. Frohe Feiertage!

Wiesbaden/Messel. In der UNESCO-Welterbestätte Grube Messel haben Paläontologen ein rund 45 Millionen Jahre altes versteinertes Hasen-Ei entdeckt. „Dieser Fund wirft ein ganz neues Licht auf die Geschichte der Säugetiere“, freut sich Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Wir wissen schon lange, dass die Entwicklung der Säugetiere und der Vögel über Jahrmillionen parallel lief, und bis heute haben eierlegende Säugetiere wie das Schnabeltier und der Ameisenigel überlebt. Das ungewöhnlich gut erhaltene und aufgrund seiner Lage in der Fundstätte eindeutig einem frühen Angehörigen der Gattung Leporidae (Hasenartige) zuzuordnende Ei allerdings veranlasst uns, noch einmal neu über alles nachzudenken, was wir über die Geschichte der Arten und ihr Überleben zu wissen glaubten.“

„Unter dem Blickwinkel der stammesgeschichtlichen Entwicklung galten Säugetiere bisher als die einzigen überlebenden Synapsiden; wir nahmen an, dass sich diese entwicklungsgeschichtliche Linie spätestens vor 306 Millionen Jahren im Oberkarbon von den Sauropsida getrennt hat“, erläutert Prof. Dr. Karl Victor vom LOEWE-Zentrum für interdisziplinäre Lapomorphologie (InterLAP) an der Universität Kassel, der für dieses Forschungsprojekt verantwortlich zeichnet. „Wir finden aber in vielen oralen Überlieferungen in aller Welt Hinweise darauf, dass gerade unter den Hasenartigen das Eierlegen noch lange eine verbreitete Praxis war. Meine Vermutung ist, dass diese Fähigkeit die Hasenartigen befähigte, im späten Mesozoikum in ökologische Nischen vorzudringen, die bis dahin den Sauriern vorbehalten waren, vergleichbar den Castorocauda, dem Volaticotherium und dem Repenomamus. Dieser evolutionäre Vorteil prädestinierte den Hasen schon vor Jahrmillionen zum Überleben unter sich wandelnden ökologischen Bedingungen, und wir können viel von ihm für die großen Transformationsprozesse unserer Zeit lernen.“

„Für solche Forschungserfolge braucht es den Mut zu Profil und Zusammenarbeit, und es ist wichtig, in der Wissenschaft nicht einfach auf Hypes zu setzen“, erläutert Wissenschaftsministerin Dorn. „Das zeigt das LOEWE-Zentrum InterLAP. 20 Millionen Euro hat Hessen seit 2018 in den Aufbau des Zentrums investiert. Lapomorphologie war vor wenigen Jahren noch kein großes Thema – jetzt können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihren Erkenntnissen aufbauen.“

Geplant ist, dem Sensationsfund und seinen paläontologischen, zoologischen, aber auch geisteswissenschaftlichen und philosophischen Implikationen zeitnah einen besonderen Platz Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt einzuräumen, etwa in einer der Hallen für Sonderausstellungen. „Das Senckenberg-Museum ist ein herausragendes Beispiel für zeitgemäße Wissenschaftskommunikation“, so Dorn. „Es legt einen großen Schwerpunkt auf die Vermittlung von Erkenntnissen zu den Herausforderungen unserer Zeit, etwa zu den Gefahren für die Biodiversität durch das Artensterben und die Erderwärmung. In der gemeinsamen Verantwortung für die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wollen Bund und Land nun ermöglichen, dass das Hasen-Ei ein Zuhause bekommt, in dem es deutschland- und europaweit Strahlkraft entfalten kann.“

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