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Staatssekretär Ingmar Jung

16 Millionen Euro für Forschungsprojekte in Marburg und Gießen

Bundesweit einmaliges Forschungsförderungsprogramm LOEWE stärkt Hessens Mitte

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Forscher des LOEWE-Schwerpunkts Medical RNomics bei der Laborarbeit
Welche Rolle spielen RNAs in der Entstehung von Krankheiten? Das fragen sich die Forscher des LOEWE-Schwerpunkts Medical RNomics.
© Justus-Liebig-Universität Gießen/Silke Schreiner

Wiesbaden. Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung hat heute Förderbescheide der Landesregierung aus dem bundesweit einmaligen Forschungsförderungsprogramm LOEWE in Höhe von rund 16 Millionen Euro für LOEWE-Projekte an der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie an die Fraunhofer-Gesellschaft und hessische Unternehmen übergeben.

Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung: „Die exzellente Forschung der hessischen Wissenschaftseinrichtungen, wie der Hochschulen in Gießen und Marburg, sichern die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Dies gilt insbesondere für ein Land wie Hessen, das zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Europa zählt. Seit Jahren zählt die Forschungsförderung daher zu den ausgewiesenen Schwerpunkten in der Landespolitik. Deshalb setzt das hessische Wissenschaftsministerium die Erfolgsgeschichte unseres Forschungsförderungsprogramms LOEWE konsequent fort. Seit 2008 hat das Land für herausragende Forschungsvorhaben insgesamt rund 577 Millionen Euro bewilligt. Das gibt es in keinem anderen Bundesland.“

LOEWE-Schwerpunkt „Medical RNomics – RNA-regulierte Netzwerke bei humanen Erkrankungen“

Hessische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen gemeinsam im LOEWE-Schwerpunkt „Medical RNomics – RNA-regulierte Netzwerke bei humanen Erkrankungen“, welche Rolle Ribonukleinsäuren, kurz RNA, bei der Entstehung von Krankheiten spielen. RNA übertragen und regulieren im menschlichen Körper genetische Informationen. Fehlerhafte RNA-abhängige Prozesse führen oft zu Krankheiten. In dem LOEWE-Schwerpunkt werden solche krankheitsverursachenden Prozesse analysiert, beispielsweise bei Tumor-, Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die neuen Erkenntnisse sollen für diagnostische Zwecke und neue Therapie-Konzepte angewendet werden. Die Federführung für das Projekt liegt bei der JLU. Partner sind die UMR, die Goethe-Universität Frankfurt und das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim.

Die Landesregierung finanziert den LOEWE-Schwerpunkt im Zeitraum von 2015 bis 2017 mit rund 4,4 Millionen Euro.

„Der Erfolg bestätigt unsere Strategie, durch die Bündelung der Kompetenzen von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen innovative Forschungsgebiete in Mittelhessen zu etablieren“, sagte die Marburger Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause.

LOEWE-Schwerpunkt „NNCS – Non-neuronale cholinerge Systeme“

Das gemeinsame Interesse der am LOEWE-Schwerpunkt „NNCS – Non-neuronale cholinerge Systeme“ teilnehmenden Gruppen aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung gilt dem Acetylcholin, einem chemischen Boten-stoff im menschlichen Körper. Dieser winzige chemische Stoff, der nicht nur in Nervenzellen vorkommt, beeinflusst eine Vielzahl von Körperfunktionen und ist beispielsweise dafür verantwortlich, dass wir unsere Muskeln bewegen und atmen können. Wer kein Acetylcholin bilden kann, ist innerhalb von kurzer Zeit tot.

Der Botenstoff hat hohe Relevanz in entzündlichen Erkrankungen. Die Spanne der relevanten Krankheitsbilder erstreckt sich über mehrere Organsysteme und reicht von der Haut (Neurodermitis, Blasen bildende Erkrankungen) über die Transplantatabstoßung bis zur häufig tödlich endenden Blutvergiftung. Durch die Bündelung von Arbeitsgruppen aus Gießen, Marburg und Frankfurt, die allesamt eine hohe Expertise auf dem Gebiet der cholinergen Forschung besitzen, wird in Mittelhessen ein weltweit einzigartiger Schwerpunkt zu diesem Themengebiet geschaffen.

Die nun bewilligte Auslauffinanzierung in Höhe von 350.000 Euro fließt größtenteils in die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

LOEWE-Schwerpunkt „Fundierung Linguistische Basiskategorien“

Der LOEWE-Schwerpunkt „Fundierung Linguistische Basiskategorien“ ist eingebettet in das langfristige Marburger Forschungsprogramm „Theorie und Empirie der Sprachdynamik und Sprachkognition“. Das Programm hat seinen Ursprung in der im Jahr 2000 begonnenen Zusammenarbeit der Marburger theoretischen Linguistik mit der Sprachvariations- und Sprachwandelforschung des „Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas“. Der LOEWE-Schwerpunkt Linguistische Basiskategorien zielt auf Grundfragen der sprachwissenschaftlichen Beschreibung und Theoriebildung und hat das Ziel, sogenannte Basiskategorien, d. h. grundlegende theoretische  Elemente, aus denen Sprache besteht, in der Sprachwirklichkeit  nachzuweisen.

Dazu werden angenommene Basiskategorien mit den Methoden ganz verschiedener sprachwissenschaftlicher Ansätze einer detaillierten Überprüfung unterworfen. Nur durch eine solche Überprüfung der theoretischen Annahmen an wirklicher Sprache erlangen die Kategorien eine belastbare Aussagekraft und können mir größerer Sicherheit angewendet werden. Es wird erwartet, dass durch diese Grundlagenforschung die technische Verarbeitung gesprochener Sprache in einer höheren Qualität ermöglicht wird. Die Anwendungsorientierung der Marburger Forschung zeigt sich etwa im Bereich der Sprachstörungen. Ein vertieftes Wissen über die untersuchte Basiskategorie 'Wort' stellt die notwendige Grundlage für die Entwicklung von differenzierten Diagnostikverfahren und Therapieansätzen für Menschen mit Sprachstörungen dar.

Mit dem heute übergebenen Bescheid fördert die Landesregierung nach einem erfolgreichen Projektverlauf in den Jahren 2012 bis 2014 nun eine Auslauffinanzierung des LOEWE-Schwerpunkts mit 821.528 Euro.

Fraunhofer-Baumaßnahme im Zusammenhang mit dem LOEWE-Zentrum Insektenbiotechnologie & Bioressourcen (ZIB)

Das LOEWE-Zentrum Insektenbiotechnologie & Bioressourcen (ZIB) verbindet Grundlagenforschung und Anwendung der daraus resultierenden Ergebnisse. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die Anwendung biotechnologischer Methoden, um mithilfe von Insekten (oder deren Zellen) Dienstleistungen oder Produkte zu entwickeln (Gelbe Biotechnologie). Ziel ist es, neue Wirkstoffe für Anwendungen in der Medizin (z. B. Unterstützung der Wundheilung, Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Malaria, Testung potentieller Wirkstoffe gegen Krankheiten wie Parkinson), im nachhaltigen Pflanzenschutz oder in der industriellen Biotechnologie zu entwickeln. Im LOEWE-Zentrum ZIB wird eine konsequente Transferstrategie entlang der Wertschöpfungskette und in enger Zusammenarbeit zwischen den Gießener Hochschulen, der Fraunhofer-Projektgruppe „Bioressourcen“, dem Fraunhofer-IME (Aachen) und den Industriepartnern verfolgt. Strukturelles Ziel ist die Ansiedlung des ersten Fraunhofer-Instituts am Standort Gießen.

LOEWE-Banner

Am heutigen Tag erhält die Fraunhofer-Gesellschaft für diesen Neubau nach bereits erfolgter Startfinanzierung in Höhe von 6,4 Millionen Euro einen Bescheid über die 2. Fördertranche in Höhe von 8,6 Millionen Euro. Nach derzeitigem Planungsstand soll der von Land und Bund finanzierte Neubau im neuen Gießener „Technologie- und Gewerbepark Leihgesterner Weg“ im Zeitraum Frühsommer 2016 bis Herbst 2018 realisiert werden.

JLU-Präsident Prof. Mukherjee betonte: „Wir sind sehr froh darüber, dass es gelungen ist, in Gießen das Forschungsfeld Insektenbiotechnologie so erfolgreich zu erschließen. Es zeigt sich, dass das LOEWE-Programm das Gesicht der Wissenschaftsregion Mittelhessen nachhaltig verändert. Hier werden gemeinsam mit starken Partnern langfristig neue Strukturen geschaffen. Mit dem Fraunhofer-Neubau werden hervorragende Bedingungen für die Ansiedlung einer Fraunhofer-Einrichtung Bioressourcen in Gießen geschaffen.“

LOEWE-KMU-Verbundprojekte

Das Land Hessen fördert zudem auch sechs neue KMU-Verbundprojekte mit insgesamt rund 1,9 Millionen Euro aus dem LOEWE-Programm. In Kooperation mit den mittelhessischen Hochschulen bearbeiten Wirtschaftsunternehmen angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte aus den Bereichen der Lebenswissenschaften, des Maschinen- und Anlagenbaus und der Informatik.

Von großer Bedeutung für eine anwendungsorientierte Hochschule wie die THM sei die Förderlinie 3, in der das Land die Forschungszusammenarbeit mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen unterstützt. „Der Ausbau dieser Förderlinie ist wünschenswert. Sie gibt uns die Möglichkeit praxisnaher Forschung in Zusammenarbeit mit Firmen der Region. Viele dieser Unternehmen haben nicht die finanziellen Ressourcen, nennenswert in Forschung und Entwicklung zu investieren. Die Landesmittel bieten ihnen gemeinsam mit der THM die Chance, konkurrenzfähige neue Produkte zu entwickeln“, sagte Prof. Dr. Günther Grabatin, Präsident der TH Mittelhessen. Die THM ist an fünf von sechs neuen LOEWE-KMU-Vorhaben beteiligt. Bei drei Projekten hat sie die Federführung.

Folgende sechs LOEWE-KMU-Verbundprojekte (Projekte mit Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Hochschulen) erhielten ihre Konsortialverträge:

  • „Innovation Additive Fertigung metall-lasergesinterter Bauteile für den Maschinen- und Anlagenbau (AddiFeE)“
    Federführung: Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
    Zuwendungssumme: 301.760,20 Euro, Laufzeit: 01.03.2015 bis 31.12.2016
    Partner: FKM Sintertechnik GmbH, Biedenkopf; Henkel Modellbau GmbH
    Breidenstein, Sanden International (Europe) Ltd., Bad Nauheim
  • „TAR - Thermische Abluftreinigungsanlagen: Effizienzsteigerung von thermischen Abluftreinigungsanlagen durch Nutzung der Abgase für die Verstromung mittels Abgasturbogeneratoren“
    Federführung: Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
    Zuwendungssumme: 435.788,17 Euro, Laufzeit: 01.04.2015 bis 31.05.2017
    Partner: Richarts + Schlitt GbR, Kirtorf
    WK Wärmetechnische Anlagen Kessel- und Apparatebau GmbH & Co. KG, Wetzlar
  • „Patienten-individuelle in-vivo Online-Dosimetrie in der Strahlentherapie mittels EPID (Pion-Dos)“
    Federführung: Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
    Zuwendungssumme: 423.627,12 Euro, Laufzeit: 01.06.2015 bis 31.05.2017
    Partner: MedCom Gesellschaft für medizinische Bildverarbeitung mbH, Darmstadt
    Philipps-Universität Marburg
  • „ADOMIS - Ambient Delivery of Multiple Information and Statistics“
    Federführung: Content Software GmbH, Bad Homburg
    Zuwendungssumme: 263.470,50 Euro, Laufzeit: 01.07.2015 bis 30.06.2017
    Partner: Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
  • „Dermale Immuntherapie mit Arthropodenallergenen“
    Federführung: Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG, Niederdorfelden
    Zuwendungssumme: 317.651,42 Euro, Laufzeit: 01.08.2015 bis 31.10.2017
    Partner: Philipps-Universität Marburg
    Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen
  • „Produktentwicklung von fleischähnlichen Produkten aus kokultivierten Pilzproteinen“
    Federführung: VAN HEES GmbH, Walluf
    Zuwendungssumme: 147.261,88 Euro, Laufzeit: 01.07.2015 bis 30.06.2017
    Partner: Justus-Liebig-Universität Gießen

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