Startseite Presse Pressemitteilungen Pressearchiv Fünf neue Forschungsprojekte haben Vorauswahl für LOEWE-Förderung bestanden
Wissenschaftsminister Boris Rhein:

Fünf neue Forschungsprojekte haben Vorauswahl für LOEWE-Förderung bestanden

Wiesbaden. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute bekannt gegeben, dass die LOEWE-Gremien für die 8. Förderstaffel insgesamt fünf Forschungsprojekte zur Vollantragsstellung aufgefordert haben. Zwölf Projekte sind durchgefallen und kommen für eine Schwerpunktförderung nicht mehr in Frage. Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) ist der Titel des Forschungsförderungsprogramms des Wissenschaftsministeriums, mit dem die Landesregierung seit 2008 wissenschaftspolitische Impulse setzt und damit die hessische Forschungslandschaft nachhaltig stärkt.

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Ich bedanke mich insbesondere bei den LOEWE-Gremien für ihre kritische Prüfung aller eingereichter Antragsskizzen. Darauf legen wir besonderen Wert, weil wir mit unserem bundesweit einmaligen Programm zur Forschungsförderung LOEWE nur vielversprechende Top-Projekte mit Millionenbeträgen finanziell unterstützen, uns geht es hier um die Bestenauslese.“

LOEWE fördert herausragende wissenschaftliche Verbundvorhaben, insbesondere auch eine intensive Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft. Zudem soll in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den großen Forschungsorganisationen der Boden für die Ansiedlung weiterer, gemeinsam von Bund und Ländern finanzierter Forschungseinrichtungen bereitet werden.

Diese Kriterien erfüllen nach Meinung der LOEWE-Gremien folgende fünf Antragsskizzen:

CompuGene

Computer-gestützte Verfahren zur Generierung komplexer genetischer Schaltkreise

Federführende Einrichtung: Technische Universität Darmstadt

Kann die Natur von den Ingenieuren lernen?
Die Synthetische Biologie hat zum Inhalt, biologische Systeme mit neuartigen, teilweise in der Natur nicht vorkommenden Eigenschaften auszustatten und diese gezielt zu nutzen. Dies birgt ein enormes wissenschaftliches, aber auch wirtschaftliches Potential. So können zum Beispiel biotechnologisch wichtige Stoffklassen kostengünstig produziert oder Werkzeuge zur Tumordiagnostik entwickelt werden. Zur Realisierung benötigt man sogenannte genetische Schaltkreise, also eine clevere Kombination von Genen und der dazugehörenden Regulationseinheiten. Diese sind derzeit jedoch nur über mühsame trial and error- Verfahren implementierbar. Der Forschungsverbund CompuGene hat sich zum Ziel gesetzt, durch die enge Verknüpfung von Natur- und Ingenieurswissenschaften eine Methode zu entwickeln, mit welcher komplexe genetische Schaltkreise durch die Anwendung ingenieurswissenschaftlicher Prinzipien und computergestützter Verfahren robust entwickelt werden können.

FAME

Functional Additive Manufacturing and Engineering

Federführende Einrichtung: Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF, Darmstadt
Partner: Technische Universität Darmstadt, Fraunhofer IGD

Wie sieht die Fertigung von morgen aus? Können lasttragende Bauteile in Zukunft additiv gefertigt oder gedruckt werden?
Additive Fertigungstechnologien, die zunehmend unter den Synonym 3D-Druck bekannt werden, stellen Schlüsseltechnologien für die schnelle und wirtschaftliche Fertigung von Kleinserien und Ersatzteilen dar. Im Vergleich zu konventionellen Fertigungsverfahren ermöglicht die additive Fertigung die Verkürzung von Produktentwicklungszyklen, kundenindividuelle Serienfertigung und Flexibilität in Bezug auf Produktportfolio und Materialverwendung. Insbesondere ist durch additive Fertigung eine kosteneffiziente und schnelle Herstellung von komplexen Bauteilen in geringen Stückzahlen möglich. Seitens der Industrie wird daher zunehmend gefordert, diese Verfahren auch zur Fertigung von lasttragenden Bauteilen einsetzen zu können, die die Eigenschaften von Endprodukten aufweisen. Der Einsatz additiver Fertigungstechnologien für lasttragende Bauteile wird gegenwärtig jedoch durch das mangelnde Verständnis über die Wechselwirkung zwischen den Prozessparametern mit der Betriebsfestigkeit und Lebensdauer dieser Bauteile limitiert. Ziel des LOEWE-Vorhabens Functional Additive Manufacturing and Engineering (FAME) ist daher die systematische Untersuchung dieser Wechselwirkung für metallische Bauteile anhand des Selektiven Laserschmelzen, um so diesen additiven Fertigungsprozess für lasttragende Endprodukte für den realen Einsatz zu qualifizieren.

iNAPO

Ionenleitende Nanoporen

Federführende Einrichtung: Technische Universität Darmstadt
Partner: GSI Helmholzzentrum für Schwerionenforschung

Eigenen sich biologische Vorbilder, um robuste aber dennoch zuverlässige und sensitive Sensoren im Nano-Maßstab zu bauen?
Die Membranen von Zellen enthalten Proteine, sogenannte Ionenkanäle, die sehr selektiv physikalische und chemische Signale wahrnehmen und in messbare Stromsignale umwandeln. Das LOEWE-Vorhaben „Ionenleitende Nanoporen (iNAPO)“ versucht die Bau- und Funktionsprinzipien der effizienten biologischen Sensoren, die das Produkt der Evolution sind, zu verstehen und in der Konstruktion von stromleitenden Nanoporen in Festkörpermaterialien nachzuahmen. Als Endprodukt sollten dabei sensitive, und gleichzeitig robuste Sensoren im Nano-Maßstab entstehen, die gekoppelt über Mikroelektronik, Einsatz in der Analytik und der Biomedizin finden werden.

KiK

off–Karbonate im globalen Kohlenstoffkreislauf

Federführende Einrichtung: Goethe-Universität Frankfurt am Main

Welche Rolle spielen Karbonate im globalen Kohlenstoffkreislauf?
Der LOEWE Schwerpunkt „Karbonate im globalen Kohlenstoffkreislauf“ untersucht die Bildung, die Stabilität, den Transport und die Zersetzung von Karbonaten sowohl in der tiefen Erde als auch nahe der Erdoberfläche. Im Teilprojekt „Karbonate als Archive des Lebens im globalen Kohlenstoffkreislauf“ werden marine Karbonate biologischen Ursprungs analysiert, um die chemische Zusammensetzung des Meerwassers in der geologischen Vergangenheit zu rekonstruieren. Im Teilprojekt „Karbonate als Kohlenstoffspeicher“ wird der Beitrag von Karbonaten zur CO2-Speicherung im globalen Kohlenstoffkreislauf erforscht. Das dritte Teilprojekt „Karbonate unter Extrembedingungen“ untersucht experimentell  wie Karbonate in der sehr tiefen Erde mit ihrer Umgebung wechselwirken, unter anderem um die Bildung von Diamanten in sehr großen Tiefen zu verstehen.

Prähistorische Konfliktforschung

Federführende Einrichtung: Goethe-Universität Frankfurt am Main
Partner: Römisch Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt

Burgen stellen im mitteleuropäischen Raum zwischen Karpaten und Vogesen in der Frühbronzezeit um 2000 v. Chr. ein neues Phänomen dar. An der Wende vom 17. zum 16. vorchristlichen Jahrhundert manifestieren die mit starken Mauern befestigten Siedlungen ein eminentes Schutzbedürfnis. Zugleich sind sie Machtbasen, von denen aus Territorien und Verkehrswege kontrolliert werden konnten. Diese befestigten Höhensiedlungen spielen in Mitteleuropa bis zur römischen Zeit eine wichtige Rolle. Trotz ihrer offenkundigen Bedeutung ist die Erforschung der bronzezeitlichen Burgen nur ansatzweise erfolgt. Das gilt insbesondere für archäologische Ausgrabungen größeren Stils, die nicht nur punktuelle Aufschlüsse, sondern Einblick in die Struktur der Besiedlung und in die Architektur der Befestigung ermöglichen würden. Ziel des beantragten Schwerpunkts ist die nachhaltige Verbesserung des Forschungsstands zu den bronzezeitlichen Burgen. Hierzu sollen sowohl theoretische Grundlagen zu Herrschaft und Krieg in der Bronzezeit erarbeitet werden als auch exemplarische archäologische Ausgrabungen erfolgen.

Die federführenden Einrichtungen können jetzt bis zum 1. Dezember ihre Vollanträge stellen, die zunächst Gutachter bewerten. Im Sommer 2015 fällt dann die endgültige Entscheidung, welche dieser fünf Forschungsprojekte künftig zur LOEWE geförderten Forschung zählen.

„Die exzellente Forschung der hessischen Wissenschaftseinrichtungen sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Deshalb setzt das hessische Wissenschaftsministerium die Erfolgsgeschichte unseres Forschungsförderungsprogramms LOEWE konsequent fort. Bis Ende 2014 wird das Land für herausragende Forschungsvorhaben insgesamt rund 520 Millionen Euro bereitgestellt haben. Das ist einmalig in Deutschland“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein abschließend.

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Pressesprecher: 
Herr Christoph Schlein
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
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