16.12.2013

Hervorragende Lehrkonzepte ausgezeichnet

Staatssekretär Jung und der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Prof. Dr. Madeja, überreichen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre 2013.

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Prof. Dr. Michael Madeja (links), Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und Staatssekretär Ingmar Jung (rechts) mit den Preisträgerinnen und Preisträgern des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre 2013.
Die Preisträgerinnen und Preisträgern des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre 2013.
© wissenschaft.hessen.de

Wiesbaden. Bereits zum siebten Mal ist der Hessische Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre im Rahmen eines Festakts im Schloss Biebrich in Wiesbaden verliehen worden. Staatssekretär Ingmar Jung zeichnete gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, Prof. Dr. Michael Madeja, die Preisträgerinnen und Preisträger in insgesamt fünf Kategorien aus. „Mit der Vergabe des Hessischen Hochschulpreises für Exzellenz in der Lehre haben wir gemeinsam mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung im Jahr 2007 bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen, exzellente Lehre zu fördern, zukunftsweisende Projekte und herausragende Lehrende sowie besondere studentische Initiativen, die der Lehre dienen, in großem Umfang auszuzeichnen“, sagte Staatssekretär Jung. Die Jury hatte unter 85 Vorschlägen auszuwählen; dies unterstreicht nach Worten des Staatssekretärs die große Attraktivität des Preises und den hohen Stellenwert, den die Lehre an hessischen Hochschulen einnimmt.

Den ersten Projektpreis (130.000 Euro) erhält der Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der Technischen Universität Darmstadt. Die weiteren Projektpreise gehen an den Fachbereich Fremdsprachliche Philologien der Philipps-Universität Marburg (85.000 Euro) und den Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg (45.000 Euro). Den Preis für eine Einzelperson (50.000 Euro) bekommt Prof. Dr. Maud Zitelmann von der Fachhochschule Frankfurt am Main. Mit dem Preis für eine studentische Initiative (15.000 Euro) werden elf Studierende der Universität Kassel mit ihrem Projekt TOKONOMA – Plattform für junge Kunst und Clubkultur ausgezeichnet.

Mit der 2007 erstmals verliehenen Auszeichnung setzen beide Partner ein starkes Zeichen für die Qualität in der Lehre, das über den Wissenschaftsstandort Hessen hinaus für große Beachtung sorgt, so der Staatssekretär bei der Preisverleihung heute in Wiesbaden. Der Preis ist der großzügigste Landespreis für exzellente Leistungen in der Ausbildung, Beratung, Betreuung und Prüfung von Studierenden. Das Wissenschaftsministerium und die Gemeinnützige Hertie-Stiftung vergeben 2013 insgesamt 325.000 Euro: Der Anteil der Landesmittel (250.00 Euro) ist für dienstliche Zwecke vorgesehen; der andere Teil (75.000 Euro) ist für die persönliche Verwendung gedacht und steht dank der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung zur Verfügung.

Die eingereichten Vorschläge waren von einer vom Wissenschaftsministerium eingesetzten, paritätisch mit 16 Studierenden und Lehrenden besetzten Jury geprüft worden. Nach einer ersten Auswahl aufgrund der schriftlichen Anträge hatte das Gremium die Lehrveranstaltungen vor Ort besucht und danach die endgültige Entscheidung getroffen.

Preisträgerinnen und Preisträger 2013

1. Projekt-Preis – 130.000 Euro
Projektseminar "Praktische Entwicklungsmethodik" (PEM)

Prof. Dr.-Ing. Roland Werthschützky, Prof. Dr.-Ing. Helmut Schlaak, Prof. em. Dr.-Ing. Heinz Weißmantel, Prof. em. Dr.-Ing. Heinrich Buschmann, Dr.-Ing. Matthias Staab, Carsten Neupert (Technischen Universität Darmstadt, Fachbereich Elektro- und Informationstechnik)

Methodisches Vorgehen ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Produktentwicklung. Immer kürzere Entwicklungszeiten erfordern heute ein gutes Ergebnis in möglichst kurzer Zeit. Das Projektseminar „Praktische Entwicklungsmethodik“ wird dieser Aufgabe optimal gerecht. Ziel des Seminars, das auf Initiative von Professor Buschmann 1965 ins Leben gerufen wurde, ist, dass Studierende in Kleingruppen ein praxisnahes Projekt im Ingenieursbereich von der Anforderungsermittlung bis zum selbst gefertigten Labormuster umsetzen – also von der Idee zum fertigen Produkt. Sie lernen dabei systematisches, methodisches Vorgehen sowie produktives, kreatives Arbeiten im Team, um die technische Aufgabenstellung unter klaren Budget- und Zeitvorgaben gemeinsam optimal zu lösen. Am Ende des Semesters präsentieren die Teams ihre Ergebnisse – den funktionierenden Prototyp und eine Dokumentation, wie sie für eine Prototypenfertigung benötigt wird – vor Publikum und Medien. Mit dem Entwicklungsprozess sammeln die Studierenden neben technischem Fachwissen und sozialen Kompetenzen Erfahrungen, die sie im zukünftigen Berufsalltag in der Industrie sofort einsetzen können.

2. Projekt-Preis – 85.000 Euro
Inverted Classroom Mastery Model (ICMM) / Virtual Linguistics Campus (VLC)

Prof. Dr. Jürgen Handke, Dr. Peter Franke, Dr. Anne Günther, Anna-Maria Schäfer, Natalie Kiesler (Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Fremdsprachliche Philologien)

Die aus den USA stammende Lehrform des Inverted Classroom erfährt in jüngster Zeit durch die Nutzung digitaler Lehr- und Lernmaterialien enormen Zuspruch. Das Inverted Classroom Mastery Model des Marburger Linguistic Engineering Teams (LET) setzt dieses Prinzip seit 2006 vorbildlich um und die Bandbreite an digitalen Medien – vor allem linguistische Lehrvideos – optimal ein. Das Grundprinzip des „umgedrehten Klassenzimmers“ kehrt die zentralen Aktivitäten des Lehrens und Lernens um: Die Vermittlung des Lernstoffs erfolgt nicht wie bisher im Rahmen einer Veranstaltung, sondern orts- und zeitungebunden vorab über das Internet und berücksichtigt das persönliche Lerntempo. Die nachgeschaltete Präsenzphase dient zum Vertiefen, Üben und Diskutieren des Gelernten; individuelle Fragen der Studierenden werden aufgegriffen. Die elektronische Lernplattform – der Virtual Linguistics Campus – verzahnt das vorgelagerte Selbststudium der Studierenden über multimediale Lerneinheiten und digitale Prüfungsformen mit der hervorragenden Präsenzlehre.

3. Projekt-Preis – 45.000 Euro
Praktikum Anästhesie

Prof. Dr. Hinnerk Wulf, Dr. Birgit Plöger, Dr. Sven Bepler, Michael Schmitt, Andreas Gockel (Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Medizin)

Die Vermittlung praktischer Fähigkeiten – neben dem notwendigen theoretischen Wissen – ist besonders in der Ärzteausbildung von Bedeutung. Das Praktikum Anästhesie besteht aus einem didaktisch ausgefeilten, vierteiligen Lehrkonzept mit hohem Praxisbezug und nachhaltiger Wirkung. Die Studierenden lernen zunächst die theoretischen Grundlagen in Vorlesungen mit abschließender Lernerfolgskontrolle und in web-basierten interaktiven Kursen der Lernplattform „k-med“. Daran schließt sich der praktische Teil mit einem Basistraining am Vollsimulator MARVIN an: Diese Puppe – ausgestattet mit eigener Atmung, tastbarem Puls, messbarem Blutdruck und vielen weiteren Funktionen – erlaubt in realitätsnaher Umgebung eine Narkoseeinleitung zu üben. Dann werden die Studierenden an zwei Vormittagen im Operationssaal in Einzelunterricht unter Supervision des Dozenten direkt am Krankenbett in praktischen Fertigkeiten der Anästhesie ausgebildet. Das problemorientierte Lernen an Simulationspuppe und unter realen Operationsbedingungen bereitet die Studierenden optimal auf den Berufsalltag vor.

Einzelpreis – 50.000 Euro
Prof. Dr. Maud Zitelmann
(Fachhochschule Frankfurt am Main, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit)

Prof. Zitelmann ist ausgewiesene Expertin für Kinderschutz und Kindeswohl. Sie lehrt und forscht seit 2007 an der Fachhochschule in Frankfurt. Herausragend und stark nachgefragt ist ihre Lehre auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendhilfe, hier werden Studierende auf den schwierigen professionellen Umgang mit Fällen der Vernachlässigung, Misshandlung oder des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen vorbereitet. Prof. Zitelmann „brennt“ im wahrsten Sinne des Wortes für diese Themen und setzt sich für die bestmögliche Qualifikation der zukünftigen pädagogischen Fachkräfte ein: Neben der hervorragenden Vermittlung von interdisziplinär fundiertem Fachwissen und relevanten Methoden sollen die Studierenden vor allem Handlungskompetenz in Kindesschutz-Fällen erlangen, um Anzeichen von Missbrauch und Gewalt frühzeitig zu erkennen, fachlich angemessen zu reagieren und im Ernstfall mit Institutionen der Jugendhilfe, Medizin und Justiz optimal zu kooperieren. Hierbei gilt es auch, die Rahmenbedingungen in Staat und Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und – wenn möglich – zu verbessern.

Preis für eine studentische Initiative – 15.000 Euro
TOKONOMA – Plattform für junge Kunst und Clubkultur

Sebastian Dürer, Tilman Hatje, Nils Knoblich, René Rogge, Batja Schubert, Lukas Thiele, Johannes Trautmann, Fritz Weber, Rosa Violetta Grötsch, Tetyana Zolotopupova, Aiko Okamoto (Universität Kassel, Kunsthochschule Kassel)

Die Kunstplattform TOKONOMA organisiert und veranstaltet in Kassel Vorträge, Filmprogramme, Ausstellungen, Gesprächsrunden und Clubnächte. Das Anliegen der rein studentischen Initiative ist die Reflexion und Präsentation zeitgenössischer Themen der Kunst, des Films und der Musik und die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler. Die Idee für die Veranstaltungsreihe TOKONOMA, was im Japanischen so viel heißt wie „Nische in einer Wohnstube“, entstand bereits im Frühjahr 2011, um studentische Arbeiten außerhalb der Kunsthochschule vorzustellen. Zur documenta 13 – der weltgrößten Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Kassel – wurde im Sommer 2012 das Programm intensiviert und ein eigener Raum angemietet und gestaltet: das TOKONOMA Apartment. Neben regelmäßigen Ausstellungen umfassen die wöchentlichen Abendveranstaltungen inzwischen Diskussionen, Lesungen und Filmvorführungen zu aktuellen Themen aus Kunst, Musik, Politik oder Wissenschaft und greifen den Saloncharakter des 19. Jahrhunderts zeitgemäß auf. Ziel ist der Austausch und Dialog über zeitgenössische Themen und Fragestellungen mit der breiten Öffentlichkeit.

Die Projekte der Preisträgerinnen und Preisträger, weitergehende Informationen und die Broschüre zu dem Wettbewerb finden Sie in Kürze im Internet unter www.lehrpreis-hessen.de.

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