Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein

Hessen übernimmt Verantwortung für Städelschule

Landesregierung übernimmt Städelschule ab 2019 und beteiligt sich bis dahin mit sechs Millionen Euro an der Finanzierung

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Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (l), der Frankfurter Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth und der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker
Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (l), der Frankfurter Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth und der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker freuen sich über den Hochschulzuwachs.
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Wiesbaden. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hat heute erklärt, dass das Land die Verantwortung für die Städelschule übernimmt. Die Übernahme erfolgt 2019, bis dahin übernimmt die Landesregierung Stück für Stück die Finanzierung und entlastet so den Etat der Stadt Frankfurt, die die Städelschule bisher ausschließlich finanziert hat.

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Die Städelschule ist eine Institution von Weltruf, deshalb sehe ich das Land hier ganz deutlich in der Verantwortung. Wir wollen die Städelschule auf solide finanzielle Beine stellen. Um die Finanzierung sicherzustellen, haben wir schon während der Verhandlungen zum Hessischen Hochschulpakt entsprechende Weichen gestellt.“

Deshalb ist es möglich, schon in diesem Jahr eine Million Euro zur Verfügung zu stellen. Im nächsten Jahr verdoppelt die Landesregierung die Unterstützung auf zwei Millionen Euro. 2018 steigt der Landesanteil auf drei Millionen Euro. Damit fördert das Land Hessen die Städelschule bis zur Übernahme 2019 mit insgesamt sechs Millionen Euro. Ab 2019 investiert die Landesregierung dann rund vier Millionen Euro jährlich. Die Pensionslasten sowie der Portikus werden weiter von der Stadt Frankfurt getragen.

Beide Seiten profitieren von Integration

Uwe Becker, Kämmerer Stadt Frankfurt: „Wir sind froh, dass der Bestand der Städelschule gesichert ist und das Land bereit ist, in diese zu investieren. Bis zur vollständigen Übernahme durch das Land Hessen in 2019 wird die Stadt Frankfurt am Main die Städelschule weiterhin mit Investitionsmitteln unterstützen. Darüber hinaus werden wir unseren Beitrag dafür leisten, dass die Städelschule auch in Zukunft gut ausgestattet ist und eine ausgezeichnete Lehre anbieten kann. Die Städelschule ist weit über Frankfurt hinaus bekannt und hat viele herausragende künstlerische Persönlichkeiten hervorgebracht.“

Die Städelschule in die Familie der hessischen Hochschulen zu integrieren, ist eine einmalige Chance. Beide Seiten können davon enorm profitieren.

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„Für die Landesregierung ist die Übernahme einer internationalen renommierten Institution eine willkommene Ergänzung des Lehrangebots im Bereich der ,Freien Kunst'. Für die einzige Kunstakademie im Rhein-Main-Gebiet bedeutet die Übernahme, neben der Teilhabe an der Finanzierung durch den Hochschulpakt und den damit verbundenen Aufwüchsen, eine erhebliche Verbesserung der Kooperationsmöglichkeiten mit den anderen Hochschulen des Landes sowie eine Professionalisierung der Trägerschaft. Mit dem Wissenschafts- und Kunstministerium als Partner findet die Städelschule auch die kompetente Unterstützung und Begleitung, die gerade für eine so kleine Institution außerordentlich fördernd und hilfreich sein kann“, erklärt Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein.

"Who is Who" der internationalen Kunstszene

Die Städelschule geht auf eine Stiftung von Johann Friedrich Städel aus dem Jahre 1817 zurück. Mit seinem Stiftungsbrief schuf der Frankfurter Bankier die Voraussetzungen zur Gründung des Städelschen Kunstinstituts. Mit einer Ausbildungsstätte für durch Talent ausgewiesene junge Künstler verband er eine der Öffentlichkeit zugängliche Kunstsammlung. Im Laufe der Zeit haben sich aus diesem Institut zwei Bereiche entwickelt: Das Städel Museum und die Städelschule. International erfolgreiche Künstler wie Max Beckmann oder Jörg Immendorf lehrten hier und auch die Liste der aktiv Lehrenden liest sich wie ein „Who is Who“ der internationalen Kunstszene.

Prof. Felix Semmelroth, Kulturdezernent Stadt Frankfurt, betonte, dass die kommunale Finanzierung der Städelschule, die völlig zu Recht zu den führenden Kunsthochschulen der Welt gehört, nicht mehr zeitgemäß und die Übernahme des Landes Garant für die Zukunftsfähigkeit der Hochschule ist: „Die Städelschule arbeitet von Beginn an im fortschrittlichen Geiste des Johann Friedrich Städel – mittlerweile hat sich die Kunstakademie zu einer internationalem Lehrbetreib für Bildende Kunst und Architektur etabliert. Rund 60 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland und auch die Professorinnen und Professoren, zu denen renommierte Künstler wie der Gewinner des Goldenen Löwen Tobias Rehberger und die Turner-Prize-Gewinner Simon Starling und Douglas Gordon gehören, sind international renommiert. Umso mehr ist die finanzielle Stabilität und Planungssicherheit bei Beibehaltung der bewährten Strukturen und des autonomen Status erforderlich.“ Der Kulturdezernent ist sich sicher, „dass die Kunstakademie damit auch weiterhin eine Bereicherung Frankfurts darstellt und das kultur- und kunstinteressierte Publikum bei Veranstaltungen, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind, überzeugt. Mit der Ausstellungshalle Portikus, die bei der Stadt verbleibt, haben junge Kreative eine Plattform, sich als Künstler zu etablieren und Frankfurt als Kreativitätszentrum zu profilieren.“

Intensive Auseinandersetzung mit Professoren

Die talentierten Studierenden tragen zur Internationalität der erfolgreichen Städelschule bei. Die relativ geringe Anzahl von etwa 140 Studierenden im Bereich der Bildenden Kunst und etwa 60 Studierenden im Bereich der Architektur ermöglicht eine sehr direkte und intensive Auseinandersetzung mit den insgesamt 18 Professorinnen und Professoren.

Prof. Philippe Pirotte, Direktor Städelschule: „Ich begrüße den heute angekündigten Trägerschaftswechsel und möchte den Einsatz von Minister Boris Rhein und Kulturdezernent Felix Semmelroth besonders loben. Ich begrüße auch die Übergangsfinanzierung, die es uns ermöglicht, die seit Jahren notwendigen Investitionen durchzuführen. Wir sind sehr froh einen neuen öffentlichen Partner gefunden zu haben und freuen uns darüber hinaus, dass die Stadt auch weiterhin unser Partner bleibt um u.a. die Unterstützung der Kunsthalle Portikus zu gewähren.“

Ähnlicher Fall wie TU Darmstadt

Die Städelschule ist seit 1959 selbständige Anstalt des öffentlichen Rechts und kann deshalb als Arbeitgeber auftreten. Künftig soll es für die Beschäftigten der Hochschule eine ähnliche Regelung geben wie das bei der TU Darmstadt der Fall ist. Darüber hinaus ist die Autonomie der Städelschule ein wichtiger Punkt, dem eine erhebliche qualitative Bedeutung zukommt.

„Wir wollen nicht an den bewährten Strukturen rütteln, deshalb bleibt die Autonomie der Städelschule selbstverständlich erhalten. Dies ist sicher ein Geheimnis des internationalen Erfolgs der Städelschule. Wir sind vielmehr bestrebt, der Städelschule möglichst viele Entwicklungsperspektiven zu bieten und gleichzeitig ihr hervorragendes internationales Renommee auch für die nächsten Generationen zu erhalten“, so Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein abschließend.

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