Hessischer Film- und Kinopreis 2013

Der Hessische Film- und Kinopreis 2013 wurde am 11. Oktober in der Alten Oper Frankfurt verliehen. Hier finden Sie alle Preisträgerinnen und Preisträger sowie die Jurybegründungen.

Hessicher Film- und Kinopreis

Jury Hessischer Filmpreis, Drehbuchpreis, Hochschulpreis:

  • Jakob Claussen (Produzent)
  • Jenny Schily (Schauspielerin)
  • Reiner Schöler (Referatsleiter Film HMWK)
  • Ellen Wietstock (Filmjournalistin)
  • Maria Wismeth (Jury-Vorsitz, Geschäftsführerin Hessische Filmförderung - Filmförderung des Landes Hessen und des Hessischen Rundfunks)

Hessischer Filmpreis: Spielfilm

Preisträger: AM HIMMEL DER TAG
Regie: Pola Beck
Preisgeld: 20.000 Euro / Nominierungsgeld 5.000 Euro
Laudatorin: Ann-Kathrin Kramer

  • Spielfilm, HD/Color/Cinemascope, Farbe, 90 Minuten, Deutschland 2012 (Kinostart: 29.11.2012)
  • Eine Produktion von ALINFilmproduktion, Osiris Media GmbH, Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf
  • Buch: Burkhardt Wunderlich, Produzenten: Iris Sommerlatte, Ali Saghri (Osiris Media GmbH), Kamera: Juan Sarmiento G., Ton: Johannes Hampel, Silvio Naumann, Schnitt: David Rauschning
  • Darsteller: Aylin Tezel, Henrike von Kuick, Tómas Lemarquis, Godehard Giese, Marion Mitterhammer, Lutz Blochberger

Jurybegründung: Pola Beck wagt viel in ihrem Debütfilm - sehr viel, und es gelingt ihr auf Anhieb. Mit großer inszenatorischer Sicherheit setzt sie ein gutes Drehbuch um und erzählt in bestechenden Kinobildern vom Reifeprozess einer jungen Frau. „Am Himmel der Tag“ beginnt schön „uneindeutig“. Die Protagonistin, großartig besetzt mit Aylin Tezel, lebt in den Tag hinein - ein typisches Großstadtleben, scheinbar unbeschwert und oberflächlich, angesiedelt zwischen halbherzig betriebenem Studium und Party machen. Aber was zunächst als bekanntes Lebensmuster der Twentysomethings von heute erscheint, läuft auf einen außerordentlich dramatischen Höhepunkt zu, der die Zuschauer mitten ins Herz trifft.

Eine überzeugende Regieleistung bei der es Pola Beck gelingt, ins Herz einer jungen einsamen Generation vorzudringen und jenseits von Dialogen Bilder für die große Leinwand zu kreieren.

Hessischer Filmpreis: Dokumentarfilm

Preisträger: DRACHENMÄDCHEN
Regie: Inigo Westmeier
Preisgeld: 20.000 Euro / Nominierungsgeld 5.000 Euro
Laudatorin: Jenny Schily

  • Dokumentarfilm, DCP, Farbe, 89 Minuten, Deutschland 2011/2012 (Kinostart: 28.02.2013)
  • Eine Produktion von GAP films production GmbH Andreas Simon / Tom Wommer
  • Buch: Inigo Westmeier, Benjamin Quabeck, Produzent: Tom Wommer, Andreas Simon, Kamera: Inigo Westmeier, Ton: Clemens Becker, Schnitt: Benjamin Quabeck, Musik: Lee Buddah, Philip Stegers
  • Mitwirkende: Xin Chenxi, Chen Xi, Huang Luolan

Jurybegründung: 26.000 Schüler und Schülerinnen werden in der Kung-Fu-Schule Shaolin Tagou in Zentralchina ausgebildet. Weit entfernt von ihren Familien kämpfen sich die Mädchen und Jungen durch einen Alltag, der von Disziplin, Regeln und täglichem, harten Training geprägt ist. Doch Kung Fu ist zugleich auch ihre Chance auf eine bessere Zukunft. Klug ausgewählte Protagonistinnen, wie die neunjährige Xin Chenxi, ergeben erschreckend abgeklärte und reflektierte Einblicke in das Leben in der Kung-Fu Schule und im heutigen China. Der Film gewährt optisch überaus eindrucksvolle Einblicke und lädt ein zu einer bewegenden Reise in eine fremde Welt.

„Drachenmädchen“ ist der cineastischste Film der drei nominierten und bietet bildgewaltige, emotionale und lehrreiche Unterhaltung - unser Gewinner.

Hessischer Filmpreis: Kurzfilm

Preisträger: MEINE BESCHNEIDUNG
Regie: Arne Ahrens
Preisgeld: 5.000 Euro
Laudatorin: Stephanie Stumph

  • Kurzspielfilm, DCP, Farbe, 17 Minuten, Deutschland 2012/2013
  • Buch: Arne Ahrens, Produzenten: Ümit Uludag, Teymour Tehrani, Kamera: Pedram Noutash, Ton: Stephan Häcker, Bora Özcan, Schnitt: Arne Ahrens, Musik: Matthias Hornschuh
  • Darsteller: Kaan Aydogdu, Arif Fidan, Tim Seyfi, Suzan Demircan, Ercan Karacyali, Burak Yigit

Jurybegründung: Ein handwerklich und erzählerisch perfekter Kurzfilm, der unbedingt Lust auf mehr und Längeres macht. Mit großer Leichtigkeit wird die Reise des neunjährigen Ümit von Deutschland aus in die Türkei erzählt. Hier erwartet ihn nicht nur sein Cousin Haluk, den er nicht ausstehen kann, sondern auch seine Beschneidung, die aus ihm einen Mann machen soll. Ein Culture-Clash vom Feinsten, der die Erwartungen der Zuschauer äußerst amüsant auf den Kopf stellt.

Hessischer Hochschulfilmpreis

Preisträger: PIECES OF VENUS
Regie: Daniel Frerix
Preisgeld: 7.500 Euro
LaudatorInnen: Ells Maria Gollmer, Lisa Vicari, Merlin Rose

  • Kurzspielfilm, 1080p Full HD, Farbe, 28 Minuten, Deutschland 2012
  • Buch, Produktionsleitung, Schnitt: Daniel Frerix, Kamera: Andi Bergmann, Stefan Birnbaum Ton: Deveroe Aurel Langston, Boris Dörning, Musik: Jan Dugge
  • Darsteller: Moritz Peters, Wojo van Brouwer, Jean-Claude Mawilla, Edgar M. Böhlke, Jean Denis Römer

Jurybegründung: Hochschulfilme sind Visitenkarten. Sie zeigen auf, wo ein Absolvent hin will. „Pieces of Venus“ ist ein Versprechen auf weitere interessante Regiearbeiten.

Daniel Frerix legt mit „Pieces of Venus“ ein eigenwilliges, sinnliches Stück Kino vor, das auf der großen Leinwand bestehen kann. Nicht zuletzt deshalb, weil der Film auf Dialoge verzichtet. Er entwickelt seine Narration ganz aus den Bildern. Eine schöne Idee, eine kluge Entscheidung, ein überzeugender Film.

Hessischer Drehbuchpreis

Preisträger: JONATHAN
Drehbuch für einen Spielfilm von Piotr J. Lewandowski
Preisgeld: 7.500 Euro
Laudator: Harald Martenstein

Jurybegründung: Das Drehbuch „Jonathan“ von Piotr J. Lewandowski hat das Zeug zu einer tragfähigen Kinogeschichte.

Schicht für Schicht legt der Autor ein Familiengeheimnis frei. Jonathan muss lernen, wie man zum einen mit sich selbst und zum anderen mit den Lebensentwürfen anderer umgeht - und schließlich mit der Erkenntnis, dass der Vater auch ein sexuelles Wesen ist, mit einem Recht auf ein ganz eigenes Leben in allen seinen Phasen, insbesondere in der Zeit vor dem Tod.

Ein Drehbuch voller Zärtlichkeit und schmerzhafter Erfahrungen, dem die Jury eine gute Hand bei der Umsetzung wünscht.

Hessischer Kinokulturpreis

Preisgeld: 95.000 Euro
Laudatoren: Detlev Buck, Christoph Maria Herbst, Serkan Cetinkaya

Jury Hessischer Kinokulturpreis:

  • Christopher Bausch (Kinobetreiber Casino Aschaffenburg)
  • Bernd Brehmer (Festivalleiter UNDERDOX Filmfestival für Dokument und Experiment München)
  • Volker Kufahl (Festivalleiter Int. Filmfest Braunschweig)
  • Manja Malz (Programmkuratorin)
  • Jutta Wille (Geschäftsführerin AG Kurzfilm)
  • Maria Wismeth (Jury-Leitung, Geschäftsführerin Hessische Filmförderung - Filmförderung des Landes Hessen und des Hessischen Rundfunks)

Hessischer Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos (Preisgeld: 75.000 Euro)

  • Kino Traumstern, Lich, Preisgeld: 12.000 Euro
  • Mal Seh'n Kino, Frankfurt, Preisgeld: 12.000 Euro
  • Orfeo's Erben, Frankfurt, Preisgeld: 12.000 Euro
  • Capitol Kino Witzenhausen, Preisgeld: 10.000 Euro
  • Filmladen Kassel, Preisgeld: 8.000 Euro
  • BALi-Kinos im Kulturbahnhof Kassel, Preisgeld: 8.000 Euro
  • programmkino rex, Darmstadt, Preisgeld: 5.000 Euro
  • Kammer/Palette/Atelier, Marburg, Preisgeld: 5.000 Euro
  • Lichtspielhaus Lauterbach, Preisgeld: 3.000 Euro
  • Kino Gelnhausen, Urkunde

Hessischer Kinokulturpreis für nicht gewerbliche Kinos (Preisgeld: 20.000 Euro)

  • Filmforum Höchst, Frankfurt-Höchst, Preisgeld: 5.000 Euro
  • Kommunales Kino Weiterstadt, Preisgeld: 4.000 Euro
  • TRAUMAkino, Marburg, Preisgeld: 4.000 Euro
  • Caligari FilmBühne, Wiesbaden, Preisgeld: 2.000 Euro
  • Kino des Deutschen Filmmuseums, Frankfurt Preisgeld: 2.000 Euro
  • Pupille - Kino in der Uni, Frankfurt, Preisgeld: 1.000 Euro
  • Filme im Schloss, Wiesbaden, Preisgeld: 1.000 Euro
  • Naxos Halle, Frankfurt, Preisgeld: 1.000 Euro

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos: Wirtschaftliches Handeln und Planen gepaart mit Mut und einem gerüttelten Maß an Abenteuerlust - das charakterisiert die Betreiber der ausgezeichneten gewerblichen Filmtheater. Lokale Vernetzung, Kooperationen vor Ort und darüber hinaus, viele Gäste und Kommunikationsangebote sowie medienpädagogische Begleitprogramme zeichnen die Aktivitäten der Betreiber aus. Zudem werden immer wieder erfolgreich Ideen entwickelt, wie Filmkultur in wechselhaften Zeiten dem Publikum nahe gebracht werden kann, oft in Verbindung mit anderen Kunstrichtungen.

Besonders hervorgehoben werden sollen in diesem Jahr die Filmtheater Orfeo's Erben und das Mal Seh‘n Kino in Frankfurt  sowie das Kino Traumstern in Lich.

Zwei Stadtteilkinos und ein Landkino zeigen beispielhaft, dass es möglich ist, durch besonders prägnante, kompromisslos anspruchsvolle Programmgestaltung Topkino zu machen und ein Publikum heranzuziehen, das die Herausforderungen annimmt und obendrein sehr besondere Werke goutiert.

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für nicht gewerbliche Kinos: Die ausgezeichneten Filmtheater und -initiativen bespielen die verschiedensten Orte. Alle haben die digitale Herausforderung angenommen und gestalten mit ihrem Haus den öffentlichen Raum. Sie sorgen dafür, dass Filmgeschichte, Repertoire und aktuelle Filme in einem kommunikativen Kontext reflektiert werden können und nutzen hierfür die Chance, dass sie aus öffentlichen Mitteln zumindest teilfinanziert sind. Fremde Kinematografien und herausfordernde Formate sind Teil ihrer Programmgestaltung. Darüber hinaus werden  Filme durch Cross-Over-Veranstaltungen im kulturellen und wissenschaftlichen Umfeld verankert. Medienpädagogische Ansätze, zum Teil von den Filmtheatern eigens für den Spielort entwickelt, vervollständigen das Bild.

Besondern hervorgehoben werden soll in diesem Jahr zum wiederholten Male das Filmforum Höchst.

Angesiedelt in der Frankfurter Peripherie präsentieren die Gestalter herausragend kuratiertes Programm. Besondere Aufmerksamkeit wird den derzeit selten gezeigten Kinematografien Afrikas und Lateinamerikas sowie dem frankophonen Kino gewidmet. Europäische Filme und Kurzfilme werden immer im Kontext präsentiert. Häufig begleiten Gäste und Gespräche die Vorführungen. So schaffen es die Kinobetreiber, im lebendigen Diskurs über Filme, das Kino zum sozialen Raum zu gestalten, weit über das bloße Vorführen von Filmkunst hinaus.

Hessischer Fernsehpreis

Fernseh-Jury:

  • Liane Jessen (Fernsehspielchefin, Hessischer Rundfunk)
  • Herbert Knaup (Schauspieler)
  • David Ungureit (Drehbuchautor)
  • Tanja Ziegler (Produzentin)
  • Christel Schmidt (Jury-Vorsitz, Co-Geschäftsführerin Hessische Filmförderung - Hessischer Rundfunk Filmförderung)

Hessischer Fernsehpreis: Beste Schauspielerin

Preisträgerin: Lisa Wagner
Preisgeld: undotiert
Laudator: Florian Bartholomäi

  • Ausgezeichnet für ihre Rolle in KOMMISSARIN HELLER - TOD AM WEIHER
  • Regie: Christiane Balthasar, 89 Minuten, Deutschland 2012/2013

Jurybegründung: Das Besondere an der von Lisa Wagner gespielten Kommissarin Heller sticht nicht sofort ins Auge. Da ist kein augenfälliges körperliches Gebrechen, keine Sucht und auch kein anderweitiges Handicap, das sonst so gerne zur Charakterisierung deutscher Kommissare verwendet wird. Umso höher muss man Lisa Wagners Leistung einschätzen, diese Winnie Heller vom ersten Moment an so unverwechselbar zu spielen, wie sie es tut.

Dies gelingt, weil die Ermittlerin zuallererst ein Mensch ist und auch so dargestellt wird. Nichts wirkt aufgesetzt oder behauptet, nichts plotgeschuldet oder konstruiert. Winnie Heller ist eine ziemlich normale Frau bei der Arbeit. Zu ihren markantesten Wesenszügen gehören Misstrauen, und Ungeduld sowie ein trockener, bisweilen etwas schroffer Humor. Nicht viel, scheint es. Aber Lisa Wagner erschafft daraus eine zutiefst menschliche Figur, die gefällt, ohne gefallen zu wollen, die mitreißt, ohne reißerisch zu sein und die uns nahe kommt, ohne sich jemals anzubiedern.

Stets macht sie die Verwundbarkeit und Unsicherheit hinter der äußeren Ruppigkeit sichtbar, durch ein kleines Zögern, ein Verschleppen der Sprache oder ein Zucken des Mundwinkels. In ihrem Gesicht spielt sich die Wahrheit ab, auch wenn die Gestik und die Dialoge etwas ganz anderes behaupten. Das ist spannend und faszinierend, denn Lisa Wagner macht uns zu Zeugen des inneren Kampfes ihrer Figur, die manchmal spielt, anders zu sein, als sie eigentlich ist. Lisa Wagners Kommissarin Heller ist der seltene Fall eines Filmcharakters, der einem immer dann, wenn man glaubt, ihn verstanden zu haben, eine neue, unerwartete Seite zeigt – ganz so, als wäre sie ein echter Mensch.

Hessischer Fernsehpreis: Bester Schauspieler

Preisträger: Thomas Thieme
Preisgeld: undotiert
Laudatorin: Anna Thalbach

  • Ausgezeichnet für seine Rolle in DAS LETZTE WORT
  • Regie: Didi Danquart, 88 Minuten, Deutschland 2012
  • TV-Erstausstrahlung: 23.08.2013, arte

Jurybegründung: Die Figuren von Thomas Thieme haben alle etwas gemeinsam: Sie sind unumstößlich wie eine Naturgewalt. Stark und kraftvoll, so dass sogar ein geflüsterter Satz mehr Wucht hat, als das Gebrüll seines Gegenübers.

Thiemes stoischer Gesichtsausdruck – mit den nach oben verlaufenden Augenbrauen und den nach unten zeigenden Mundwinkeln – gibt oft wenig preis, von dem was in seinen Figuren vorgeht, wirkt gleichzeitig fragend und ratlos, aber auch wissend, als verberge er ein Geheimnis. Genau das macht sein Spiel so spannend: Wir können den Blick von diesem Gesicht nicht abwenden – in der Hoffnung, doch einen Einblick in das Innenleben und die Geheimnisse zu erhalten.

Auch als Bischof Lorenz in „Das letzte Wort“ lässt er sich so schnell das Heft nicht aus der Hand nehmen. Auch dann nicht, wenn der vermeintliche Mörder seines Bruders plötzlich vor ihm steht und ihn in seinem eigenen Haus als Geisel nimmt. Er verwickelt den jungen Eindringling in ein Gespräch – ruhig, unaufgeregt und kontrolliert. Doch dann offenbart der junge Mann ein dunkles Detail aus Lorenz‘ Vergangenheit und langsam zerfällt das selbstsichere Äußere. Er bleibt zurück als Häufchen Elend, in der Ecke kauernd, schwitzend und schnaufend. Thomas Thieme taucht tief in seine Figuren ein – und als Zuschauer halten wir den Atem an.

Hessischer Fernsehpreis: Sonderpreis der Jury

Preisträger: Rainer Ewerrien und Carsten Strauch
Preisgeld: undotiert
Laudatorin: Lisa Maria Potthoff

  • Ausgezeichnet für ihre Rollen in GÖTTER WIE WIR
  • Regie: Carsten Strauch, Co-Regie: Piotr J. Lewandowski, Sechs Episoden / jeweils 15 Minuten, Deutschland 2012

Jurybegründung: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein - vor allem, wenn man dabei zu zweit ist.

Inge und Renate, zwei Damen mittleren Alters, sind zusammen Gott. „Das klingt erstmal ein bissl komisch, es ist aber so“, wie uns Inge in ihrem Ost-Thüringischen Idiom erklärt. Diese Heilige Zweifaltigkeit hat das Bedürfnis, sich mal vorzustellen, „so von Schöpfer zu Geschöpf“, und dabei einige Missverständnisse aufzuklären, die im Verlauf der Weltgeschichte entstanden sind.

Wir erfahren zum Beispiel, dass die Schöpfung der ersten Menschen offenbar ein wenig anders war, als überliefert, denn Renate spricht logischerweise hessisch, und da klingt das Wort „Menschen“ eben genauso wie das Wort „Männchen“. So kam es, dass das Paradies zunächst von Adam und Klaus bewohnt wurde – ein Umstand, der im Hinblick auf das beabsichtigte Bevölkerungswachstum eher suboptimal war.

Rainer Ewerrien und Carsten Strauch spielen nicht nur Inge und Renate Gott, sondern auch noch über ein Dutzend weiterer Rollen in der von ihnen und Nina Werth erfundenen Serie. Sie brillieren als Noah, Moses, Judas oder Jesus und tun dies stets mit untrüglichem Gespür für Feinheiten. Ihr Humor setzt nicht auf die brachiale Pointe, sondern auf Charme, Ironie und Überraschung. Jede einzelne von Ewerrien und Strauch gespielte Figur wird sofort zu einem Charakter. Mit größter Liebe zum Detail erwecken diese beiden Meister des Komischen ihre Schöpfungen zum Leben und zeigen uns aufs Allersympathischste deren unbekannte Seiten. Dies tun sie mit einem traumwandlerischen Gespür für Timing, Tragik und theologische Tücken. Wenn ein Frankfurter und ein Offenbacher gemeinsam solch eine Schöpfung präsentieren, kann man dies ohne Wenn und Aber als Gottesbeweis anerkennen.

Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier

Preisträgerin: Hannelore Hoger
Preisgeld: undotiert
Laudator: Rudolf Kowalski

Begründung: „Hannelore Hoger gehört seit vielen Jahren zu den herausragenden Film- und Fernsehschauspielerinnen in unserem Land. Seit mehr als vier Jahrzehnten durften Millionen von Fernsehzuschauern die Vielfalt ihres Könnens in zahlreichen Filmen miterleben. Mit ihren Darstellungen, insbesondere in der Krimireihe „Bella Block“, hat sie Generationen (und auch mich!) beeindruckt, in Atem gehalten, erheitert, mitgerissen und unterhalten“, so der Ministerpräsident zu seiner Entscheidung.

Beste internationale Literaturverfilmung

Preisträger: Ziad Doueiri und seine Frau Joëlle Touma für THE ATTACK
Dotierung: 10.000 Euro
Laudatoren: Moritz Rinke und Eduardo Spohr

Begründung: „The Attack“ war mein klarer und absoluter Favorit für die BESTE INTERNATIONALE LITERATURADAPTION in diesem Jahr! Schon der Roman „Die Attentäterin“ von Yasmina Khadra, der mich seinerzeit tief erschüttert hat, wurde von Ziad Doueiri in eindrucksvoller Weise umgesetzt. 

Durch die erzählerische Dichte des Films und das ausdrucksstarke Spiel der Schauspieler hat mir diese Tragödie vor allem Eins noch einmal vor Augen geführt, dass es unmöglich ist die „eine erklärende Antwort" für den Konflikt im Nahen Osten zu finden. 

Der Film lehrt uns wie hilflos wir werden, wenn wir versuchen zu verstehen, was hinter der Tat einer einzelnen Person steckt, die sich und eine ganze Gruppe Kinder in die Luft sprengt. Nichts kann dies rechtfertigen und dennoch versuchen wir zu verstehen und gehen den Leidensweg des Hauptprotagonisten auf der Suche nach Antworten schmerzvoll mit.

„The Attack“ ist einer der wenigen Filme, die tatsächlich etwas Relevantes zu diesem Thema zu sagen haben, ohne Partei zu ergreifen. Ziad Doueiri schafft es uns zu verdeutlichen, in welchem schier unlösbaren Dilemma sich der Nahe Osten befindet und wie persönlicher und kollektiver Hass und unterdrückte Vorurteile eine nicht enden wollende Kette von tragischen Ereignissen hervorruft“, so Juergen Boos zu seiner Entscheidung.

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