Staatssekretär Jung: 25 Millionen Euro Förderung für sechs neue Projekte

„LOEWE ist fester Bestandteil hessischer Forschungsförderung“

„Sechs neue LOEWE-Schwerpunkte werden in der sechsten Staffel des Forschungsförderungsprogramms LOEWE mit insgesamt rund 25 Millionen Euro gefördert. Diese Auswahlentscheidung ist im Sinn der Bestenauslese gefallen.“ Das hat Staatssekretär Ingmar Jung, Vorsitzender der LOEWE-Verwaltungskommission, nach der Sitzung des Gremiums gemeinsam mit dem Vorsitzenden des LOEWE-Programmbeirats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, bekannt gegeben. Insgesamt lagen den Gremien elf so genannte Vollanträge von hessischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor, die im März dieses Jahres durch externe Gutachter jeweils an Ort und Stelle bewertet worden waren. Die ausgewählten Projekte werden in den Jahren von 2014 bis 2016 gefördert.

„Das seit 2008 aufgebaute LOEWE-Programm hat sich zu einem festen Bestandteil der hessischen Forschungsförderung entwickelt“, hob Staatssekretär Jung hervor. Das Land stelle in der laufenden Legislaturperiode insgesamt 410 Millionen Euro zur Verfügung, um hervorragende, vernetzte Forschungsaktivitäten von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu unterstützen und um die Differenzierung und Profilbildung dieser Institutionen voranzubringen. „Die Landesregierung will die Wettbewerbsfähigkeit der hessischen Forschungseinrichtungen weiter verbessern. Nicht zuletzt geht es auch darum, die wissenschaftlichen Ergebnisse für die Lösung wichtiger Zukunftsfragen gemeinsam mit der hessischen Wirtschaft zu nutzen“, fügte Jung hinzu.

Der Vorsitzende des LOEWE-Programmbeirats und frühere Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Einhäupl, würdigte die wissenschaftliche Qualität aller Antragsprojekte, die den Gremien die Auswahlentscheidung schwer gemacht habe: „Hessische Wissenschaftseinrichtungen verfügen in der Grundlagenforschung und in der anwendungsbezogenen Forschung über ausgezeichnete fachliche Expertise und über ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit“, sagte Einhäupl. Die wettbewerbliche und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Konzeption von LOEWE nannte er richtungsweisend. Er sieht darin eine hervorragende Positionierung hessischer Wissenschaftsinstitutionen beim Wettbewerb um überregionale Forschungsprogramme und große, extern finanzierte Verbundprojekte.

In der sechsten Förderstaffel hat die LOEWE-Verwaltungskommission auf der Basis der Förderempfehlungen des LOEWE-Programmbeirats folgende LOEWE-Schwerpunkte (Förderlinie 2) zur Förderung ab 1. Januar 2014 ausgewählt:

Ubiquitin-Netzwerke (Ub-Net): Von molekularen Mechanismen zu Erkrankungen
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Max-Planck-Institut für Hirnforschung (Frankfurt am Main)
Landesförderung 2014-2016: rund 4,3 Millionen Euro

In dem lebenswissenschaftlichen Projekt „Ubiquitin-Netzwerke“ soll das Netzwerk des Proteins Ubiquitin untersucht werden, das in seiner Komplexität bisher nur ansatzweise verstanden wird. Die Fehlregulation des Systems wird mit zahlreichen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht: Fehlerhaftes Markieren von Zielproteinen kann beispielsweise zur Entstehung von Krebs beitragen. Ziel des zu etablierenden LOEWE-Schwerpunktes ist es deshalb, den Zusammenhang zwischen fehlerhaften Ubiquitinierungsprozessen und pathophysiologischen Veränderungen sowie daraus resultierenden Erkrankungen des Menschen zu untersuchen. Dadurch wird eine Brücke zwischen der Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung geschlagen.

FACE2FACE – Folgen des Klimawandels, Anpassung an den Klimawandel und Verminderung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050
Justus-Liebig-Universität Gießen, Hochschule Geisenheim University, Philipps-Universität Marburg, Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (Marburg)
Landesförderung 2014-2016: rund 4,5 Millionen Euro

Atmosphärisches CO2 ist neben Wasserdampf das wichtigste klimarelevante Gas und hat eine Vielzahl von Auswirkungen auf das Kontinuum „Boden-Pflanzen“ und auf Mikroorganismen, Pathogene und Insekten, deren Interaktionen aber weitgehend unverstanden sind und deshalb in diesem LOEWE-Schwerpunkt untersucht werden sollen. Die Komplexität dieser Effekte und Interaktionen lassen sich nur mittels großer Freiland-Forschungsinfrastrukturen untersuchen, den so genannten FACE-Systemen (Free Air Carbon Dioxide Enrichment). Im LOEWE-Schwerpunkt FACE2FACE sollen ein bestehendes und ein neues hessisches FACE-System (Justus-Liebig-Universität Gießen, Hochschule Geisenheim University) zu einer Forschungsplattform verbunden werden, um sowohl kurz- wie auch langfristige Veränderungen einer erhöhten atmosphärischen CO2-Konzentration (Bedingungen um das Jahr 2050) auf die Agrar-Ökosysteme Grünland und Weinbau, Gemüse-Acker, Obst- und Strauchgehölz-Bestände zu untersuchen. Das Vorhaben soll Voraussetzungen schaffen für die Entwicklung von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel beziehungsweise zur Verminderung seiner Folgen nicht nur in der hessischen Landesplanung.

Innovative Synthesechemie für die selektive Modulation biologischer Prozesse
Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Landesförderung 2014-2016: rund 4,1 Millionen Euro

Die chemische Synthese besitzt eine zentrale Bedeutung für die Lebenswissenschaften im Hinblick auf die Bereitstellung chemischer Methoden zur Untersuchung biologischer Prozesse und für die Herstellung von Arzneistoffen. Ein Schlüsselkriterium für die Qualität und den Nutzen von synthetischen chemischen Verbindungen in der biologischen Forschung und Wirkstoffentwicklung ist ihre Selektivität bezüglich einer ausgewählten biologischen Zielstruktur. Diese erwünschte Präzision ist aber aufgrund der enormen Komplexität von biologischen Systemen immer noch ein weitgehend ungelöstes Problem. Ziel des LOEWE-Schwerpunkts soll die Entwicklung und Anwendung neuartiger chemischer Strategien zur hochselektiven Modulierung von biologischen Prozessen sein. Es soll ein breites Repertoire von Verbindungsklassen und Methoden der organischen, anorganischen und nanobasierten Chemie zur Lösung des Selektivitätsproblems herangezogen werden. Die neuartigen chemischen Strukturen und Strategien sollen Grundlage für industrielle Innovationsprozesse insbesondere in der Wirkstoffforschung in Hessen bilden.

Tier – Mensch – Gesellschaft: Ansätze einer interdisziplinären Tierforschung
Universität Kassel
Landesförderung 2014-2016: rund 3,6 Millionen Euro

Tiere haben in der Geschichte immer eine wichtige Rolle gespielt. Das Verhältnis des Menschen zum Tier war dabei wandelbar und widersprüchlich. Auch die moderne Gesellschaft basiert auf der Nutzung von und dem Umgang mit Tieren. Die Debatte über Tiere ist eine Debatte über das Selbstverständnis des Menschen und die Existenzbedingungen der Gesellschaft. Unter dem Leitbegriff „Relationalität“ fragt der LOEWE-Schwerpunkt interdisziplinär nach Mensch-Tier-Konstellationen in Geschichte und Gesellschaft.

„Always Online“? – ein neues Kommunikationsparadigma für die Kommunikationsgesellschaft
Universität Kassel, Technische Universität Darmstadt
Landesförderung 2014-2016: rund 4,1 Millionen Euro

Die hohe Verbreitung und sich beschleunigende Innovationen moderner Informations- und Kommunikationstechnik, insbesondere das Internet und der Mobilfunk, prägen die moderne Informationsgesellschaft nachhaltig. Die Technik ermöglicht eine jederzeitige Kommunikationsbereitschaft unabhängig von Ort und Zeit im Sinne des „always online“. Für die Möglichkeit der Informationsaufnahme gilt ebenfalls „any information, anywhere, anytime“. Dadurch entstehen vielfältige Veränderungen des Kommunikations- und Informationsverhaltens in der Gesellschaft. Ziel des Projekts ist die interdisziplinäre Erforschung und die technische, organisatorische und rechtliche Gestaltung eines neuen Modells gesellschaftlichen Kommunikationsverhaltens für eine optimierte Work-Life-Balance für Wissensarbeiter und Manager. In dieser Vision soll ein neuartiges Kommunikationsparadigma entwickelt werden, das beispielsweise durch den Einsatz „impliziter Kommunikation“ die benötigte Aufmerksamkeitskapazität des Senders signifikant reduziert und durch selektive Informationszufuhr den Empfänger entlastet.

RESPONSE – Ressourcenschonende Permanentmagnete durch optimierte Nutzung seltener Erden
Technische Universität Darmstadt
Landesförderung 2014-2016: rund 4,4 Millionen Euro

Die nachhaltige Ressourcennutzung von Materialien und Werkstoffen dringt erst allmählich in das öffentliche Bewusstsein. Die nachhaltige Verfügbarkeit von Roh- und Werkstoffen ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung und Basis für die Realisierung von Zukunftstechnologien. Engpässe entstehen besonders durch Innovationen und einen erhöhten Bedarf in den erneuerbaren Energien, die zu einer stark steigenden Nachfrage nach knappen Elementen führen. Insbesondere Seltene Erden spielen hier eine zentrale Rolle. Das quasi-Monopol für Seltene Erden hält China. Das Land hat in jüngster Zeit den Export von Seltenen Erden eingeschränkt, und weitere diesbezügliche Einschränkungen sind zu erwarten. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts sollen ressourceneffiziente materialphysikalische Konzepte für Permanentmagnete in Windkraftanlagen und Elektromotoren als Schlüsselkomponenten der Elektromobilität entwickelt werden. Es gilt, den Anteil der kritischen Seltenen Erden in Hochleistungspermanentmagneten zu reduzieren beziehungsweise zu ersetzen.

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