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Wissenschaftsminister Boris Rhein

Neun neue Forschungsprojekte haben Vorauswahl für LOEWE-Förderung bestanden

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Entwurf „Cardboard Container House“
An der TU Darmstadt arbeiten Forscher an einer Notunterkunft aus Papier - zum Beispiel für Flüchtlinge. Eines der LOEWE-Projekte in der Vorauswahl geht der Frage nach, welches Potential Papier als Konstruktions- und Verkleidungswerkstoff hat.
© TU Darmstadt/Dong-Yoon Chu

Wiesbaden. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute bekannt gegeben, dass die LOEWE-Gremien für die 9. Förderstaffel aus insgesamt 17 eingereichten Skizzen neun Forschungsprojekte zur Vollantragsstellung aufgefordert haben. Die Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) ist der Titel des bundesweit einmaligen Forschungsförderungsprogramms des Wissenschaftsministeriums, mit dem die Landesregierung seit 2008 wissenschaftspolitische Impulse setzt und damit die hessische Forschungslandschaft nachhaltig stärkt.

"Klasse statt Masse"

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Klasse statt Masse ist das Motto von LOEWE. Deshalb investieren wir unsere Förderbeträge in Millionenhöhe ausschließlich in vielversprechende Top-Projekte. Uns geht es hier um die Bestenauslese. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei den Experten der LOEWE-Gremien für ihre kritische Prüfung aller eingereichten Antragsskizzen bedanken.“

Herausragende wissenschaftliche Verbundvorhaben

LOEWE fördert herausragende wissenschaftliche Verbundvorhaben, insbesondere auch eine intensive Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft. Ziel ist es darüber hinaus in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den großen Forschungsorganisationen weitere Ansiedlung, der von Bund und Ländern finanzierten Forschungseinrichtungen in Hessen zu ermöglichen.

Diese Kriterien erfüllen nach Meinung der LOEWE-Gremien folgende Forschungsprojekte:

Multifunktionale Megasynthasen

Titel: „MegaSyn“ – Kontrolle und Design multifunktionaler Megasynthasen

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Philipps-Universität Marburg

Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen

Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt

Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, Marburg

Kann die maßgeschneiderte Entwicklung einzelner Proteine und ganzer Biosynthesewege sich als wichtiges Werkzeug der molekularen Lebenswissenschaften etablieren?

Das Maßschneidern einzelner Proteine und ganzer Biosynthesewege etabliert sich als wichtiges Werkzeug der molekularen Lebenswissenschaften. Getrieben durch das wachsen-de Verständnis der Strukturen und Funktionen von Proteinen sowie des komplexen Zusammenspiels von Proteinen entstehen so Möglichkeiten, komplementär zu chemischen Syntheseverfahren, natürliche Systeme (Proteine, Proteinkaskaden und Mikroorganismen) zur gezielten und nachhaltigen Herstellung von Biomolekülen zu nutzen. Besonderes Interesse gilt der biosynthetischen Herstellung pharmazeutisch und technologisch wertvoller Moleküle, insbesondere Vertretern der Verbindungsklassen der Polyketide (PK) und nichtribosomalen Peptide (NRP). Bedeutende PK sind z.B. das Antibiotikum Erythromycin und das Immunsuppressivum Rapamycin; bedeutende NRP die Antibiotika Vancomycin und Daptomycin und das Immunsuppressivum Cyclosporin. Die verantwortlichen Proteine, Megasynthasen der PK-Synthase (PKS) und NRP-Synthetase (NRPS) Familien, zeichnen sich durch ihren multifunktionalen und oftmals modularen Aufbau aus. Mit MegaSyn soll der Versuch unternommen werden, das außergewöhnliche Syntheseprinzip von Megasynthasen in Anwendungen überzuführen. Die Basis dafür bilden zwei synergistische Entwicklungen, zu denen Mitglieder des hier beantragenden Konsortiums in den letzten Jahren maßgeblich beigetragen haben: Zum einen neu gewonnene Erkenntnisse zur Funktion und Manipulation von Megasynthasen und zum anderen neue und verbesserte strukturbiologische Methoden.

Künstliche Nanofestkörper

Titel: NanoMeta“ – Künstliche Nanofestkörper

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Philipps-Universität Marburg

Hochschule RheinMain, Wiesbaden und Rüsselsheim

Wie können die Eigenschaften von künstlich hergestellten Nanostrukturen präzise modelliert und angepasst werden?

Kristalline Festkörper zeigen elektronische, magnetische und optische Eigenschaften, die zu einem großen Teil von der periodischen Anordnung und den Wechselwirkungen der zugrundeliegenden Quantenelemente, also der Atome und Moleküle, herrühren. Die Erweiterung dieses Prinzips der periodischen Kopplung auf Quantenelemente jenseits des molekularen Regimes führt auf das Gebiet der Metamaterialien. Diese bestehen aus regelmäßigen Anordnungen von sich wiederholenden Untereinheiten, wie bspw. Nanopartikel, in denen elektronische Zustände räumlich lokalisiert werden. Eine möglichst präzise Kontrolle des Abstands und der Kopplungsstärke ist von grundlegender Wichtigkeit und großer praktischer Bedeutung, erlaubt sie doch die präzise Einstellung der Eigenschaften der künstlich hergestellten Nanostrukturen (Metamaterialien).

NanoMeta verfolgt die Entwicklung von Methoden zur kontrollierten Präparation von Metamaterialien mit Längenskalen im nm-Bereich, die Untersuchung ihrer elektronischen, magnetischen und optischen Eigenschaften und deren theoretische Beschreibung. Durch vergleichende Untersuchungen von molekularen Festkörpern, Clusterverbindungen und periodisch angeordneten Nanostrukturen zielt NanoMeta auf die systematische Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Eigenschaften und der theoretische Modellierung beim Übergang von komplexen, kristallinen Festkörpern zu Metamaterialien. In der Bearbeitung der grundlegenden Fragestellungen schafft NanoMeta aber auch die Basis für die Entwicklung neuer Anwendungskonzepte von Metamaterialien u.a. im Bereich der hoch miniaturisierten Sensorik, der magnetischen Datenverarbeitung, der lichtkontrollierten Leitfähigkeit und der räumlich lokalisierten Katalyse.

Religiöse Positionierung

Titel: Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Justus-Liebig-Universität Gießen

Welche Funktion haben religiöser Positionierungen im Kontext religiös-kulturell beeinflusster Konflikte?

Weltweit werden angesichts gewaltförmiger Konflikte, in denen Religion eine oder die zentrale Rolle spielt, kontroverse Debatten über die zwiespältige, gleichermaßen sinnstiftende wie potentiell destruktive Rolle von Religion und Religionen in einer durch Pluralität bestimmten globalisierten Welt geführt. Dabei wird v.a. den monotheistischen Religionen (z.Zt. insbes. dem Islam) aufgrund ihres universalen Wahrheitsanspruchs von unterschiedlichen Akteuren vorgeworfen, zum Pluralismus unfähig zu sein und zwangsläufig zur Gewalt zu neigen. Andere Deutungen schreiben den Religionen hingegen ein unverzichtbares Potential zur Begrenzung von Konflikten, Kriegen und Terror zu. Diese entgegengesetzten Einschätzungen stellen die interdisziplinäre Religionsforschung und die wissenschaftlichen Theologien unterschiedlicher religiöser und konfessioneller Prägung vor eine erhebliche theoretische und analytische Anstrengung bzgl. der Brisanz widerstreitender Sinn- und Wahrheitsansprüche in Verbindung mit gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen und) bzgl. grundlegender auf die Überwindung von Gegensätzen zielender Konzepte wie Multikulturalismus, Interkulturalität oder Interreligiosität. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der geplante LOEWE-Schwerpunkt auf die historische Erfahrung und die religiösen Ressourcen von Judentum, Christentum und Islam hinsichtlich des Umgangs mit religiöser Vielfalt und Differenz. Er zielt auf eine differenzierte wissenschaftliche Überprüfung der Funktion religiöser Positionierungen im Kontext religiös-kulturell beeinflusster Konflikte. Die Kooperation hat das Ziel, auch über das geplante Forschungsprojekt hinaus zu einer nachhaltigen Profilbildung und internationalen Sichtbarkeit der Religionsforschung im Rhein-Main-Gebiet beizutragen.

Infrastruktur - Design - Gesellschaft

Titel: Infrastruktur – Design – Gesellschaft. Designforschung in Mobilitätssystemen am Beispiel interregionaler Mobilität im Ballungsraum Rhein-Main

Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

Technische Universität Darmstadt

Frankfurt University of Applied Sciences

Wie lassen sich Informationen im Zusammenhang mit der Auslastung von Verkehrsinfrastrukturen und der Weiterentwicklung von Mobilitätsformen darstellen und wie lassen sich innovative Mobilitätskonzepte durch die Integration neuer Technologien optimal vermitteln?

In Zusammenarbeit mit anderen raumanalysierenden und -gestaltenden Disziplinen (Verkehrsplanung, Städtebau und Stadtentwicklung) werden wissenschaftliche und gestalterische Forschung verbunden, um neue Darstellungsformen und Kommunikationsräume (beispielsweise durch die Integration von Echtzeitdaten) zu entwickeln, die aktiv regionale Akteure und Nutzer einbinden und Potenziale, Perspektiven, aber auch Probleme der Entwicklung von Verkehrsinfrastrukturen thematisieren. Die Einbindung und die Entwicklung von neuen Kommunikationstechnologien wird dabei als eine Grundlage gesehen, um auf bestehende Infrastrukturen und Netzwerke zuzugreifen und die unterschiedlichen Akteure im urbanen Raum einbinden zu können.

Der Forschungsschwerpunkt fokussiert die Mobilität des Einzelnen im Verhältnis zum Verkehrssystem und dessen Infrastruktur (Mobilitätsstrukturen) und stellt die Frage nach den potentiellen Aufgaben und den spezifischen als auch effizienten Methoden des Designs im Zusammenhang mit Mobilität: Wie lassen sich die hochkomplexen Informationen im Zusammenhang mit der Auslastung von Verkehrsinfrastrukturen und der Weiterentwicklung von Mobilitätsformen darstellen? Wie lassen sich innovative Mobilitätskonzepte durch die Integration neuer Technologien („mobiles Internet“) an die Nutzer optimal vermitteln? Wie kann das Verkehrsverhalten nutzerorientiert positiv beeinflusst werden? Welche Rolle spielt beispielsweise die Gestaltung eines Interface für ein Smartphone oder Tablet, um webbasierte Informationen zu Mobilitätssystemen zu erzeugen und von möglichst vielen verstanden zu werden (Universal Design)?

Transformation der global vernetzten Gesellschaften

Titel: TransMENA: Transformation der global vernetzten Gesellschaften in der MENA-Region (Middle East and North Africa)

Philipps-Universität Marburg

Justus-Liebig-Universität Gießen

Welche Rolle spielt ortsunabhängige Kommunikation für Möglichkeiten der politische Partizipation und Meinungsäußerung sowie auch der staatlichen Repression, Zensur und Überwachung in der MENA-Region (Middle East and North Africa)?

Fundierte Kenntnisse über andere Weltregionen und internationale Verflechtungen sind in einer globalisierten Welt für staatliche Institutionen, für Wirtschaftsunternehmen und Nichtregierungsor-ganisationen unerlässlich. Eine zentrale Grundlage hierfür bilden Erkenntnisse, die durch regio-nalwissenschaftliche Forschung (Area Studies) gewonnen werden. Eine große Bedeutung kommt dabei der Erforschung der MENA-Region (Middle East and North Africa) zu. Diese spielt für Frieden und Wohlstand in Europa durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen (Rohstoffversorgung, Absatzmärkte) und die lokalen Transformationsprozesse („Arabischer Frühling“, „Islamischer Staat“), eine zentrale Rolle. Die gegenwärtigen politischen und sozialen Entwicklungen in der Region sind dabei nur im Kontext einer zunehmenden Digitalisierung und globalen Vernetzung aller gesellschaftlichen Bereiche zu verstehen. So findet Kommunikation immer häufiger ortsunabhängig in sozialen Netzwerken statt und bietet neue Möglichkeiten der politischen Partizipation und Meinungsäußerung sowie auch der staatlichen Repression, Zensur und Überwachung. Zudem werden Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zunehmend als Mittel der Kriegsführung (Cyberwar) eingesetzt und ermöglichen staatlichen sowie nicht-staatlichen Akteuren (Anonymous, IS) den Eingriff in regionale und internationale Konflikte. Diese Entwicklungen stellen die modernen Nah- und Mittelost-Studien vor gewichtige Herausforderungen, die sich nicht mehr allein mit den traditionellen geistes- und sozialwissenschaftlichen Methoden lösen lassen. Es ist vielmehr notwendig, Expertise und Verfahren der Informatik in die regionalwissenschaftliche Forschung zu integrieren, um die gegenwärtigen Dynamiken und Strukturen in der MENA-Region fundiert erforschen zu können. Hier setzt TransMENA an und erforscht in sieben Pilotprojekten verschiedene Akteure bzw. soziale Praktiken, die sich wesentlich durch ihre globale Vernetzung und die Nutzung von IKT auszeichnen.

Konfliktregionen im östlichen Europa

Titel: KöE – Konfliktregionen im östlichen Europa

Justus-Liebig-Universität Gießen

Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg, Institut der Leibniz-Gemeinschaft

Können neue Formen der Ost-West-Wissenschaftskommunikation einer erneuten Spaltung Europas entgegenwirken?

Die Annexion der Krim und die Sanktionen des Westens gegenüber Russland führten im vergan-genen Jahr zu einem neuen Ost-West-Konflikt. Entsprechend wird der beantragte LOEWE-Schwer-punkt von der Leitidee getragen, Deutungswissen als Voraussetzung für Lösungsstrategien in diesem neuen Konflikt bereitzustellen und durch neue Formen der Ost-West-Wissenschaftskommunikation einer erneuten Spaltung Europas entgegenzuwirken. Die Einzelprojekte analysieren daher osteuropäische Konfliktregionen aus historiografischen, sprach-, kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Blickwinkeln. Durch das vom DAAD geförderte „Thematische Netzwerk“ des GiZo in Kooperation mit dem Herder-Institut („Kulturelle Kontakt- und Konfliktzonen im östlichen Europa“) mit sechs Partneruniversitäten (Almaty, Cluj-Napoca, Kasan, Kyjiv, Łodź, Minsk) verfügt der zu beantragende LOEWE-Schwerpunkt über eine herausragende Ausgangsbasis mit erprobten Kooperationsformen, die im LOEWE-Schwerpunkt durch weitere Kooperationsnetzwerke und -formate ausgebaut werden soll.

Chronisch-entzündliche Erkrankungen verstehen und Therapien entwickeln

Titel: CROMETABIS – CROsstalk zwischen METABolismus und ImmunSystem - Molekulare Grundlagen chronischer Inflammation

Philipps-Universität

Justus-Liebig-Universität Gießen

Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Bad Nauheim

Kann ein besseres Verständnis der Entstehung chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie Adipositas und Typ II Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Allergien zur Entwicklung neuer kausaler Therapieansätze führen?

Seit über 50 Jahren wird eine dramatische Zunahme chronisch-entzündlicher, nicht-übertragbarer Erkrankungen (NCD) beobachtet. Unter den inflammatorischen NCDs kardio-vaskuläre Erkran-kungen, das metabolische Syndrom (Adipositas und Typ II Diabetes), Autoimmunerkrankungen und Allergien zusammengefasst. Die Entwicklung chronisch-inflammatorischer Erkrankungen wird heute als Resultat komplexer Gen-Umwelt-Interaktionen verstanden, die auf zellulärer und systemischer Ebene durch molekulare Signalkaskaden und epigenetische Regulationsmechanismen induziert und perpetuiert werden. Aufbauend auf bereits vorhandenen Kompetenzen hat sich ein Forschungskonsortium mit dem Ziel etabliert, insbesondere die Entstehung chronisch inflammatorischer Prozesse zu untersuchen. Hierbei soll der Fokus auf der Bedeutung von bidirektionalen molekularen Wechselwirkungen zwischen metabolischen Prozessen und immunologischen Antworten liegen. Sowohl exogene Einflussfaktoren (z. B. Umweltbakterien) als auch endogene Faktoren (reaktive Sauerstoffradikale, Nukleinsäuren, Glukosemetabolismus) spielen eine bedeutende Rolle in diesem Kontext. Klinisch-translationale Forschungsprojekte werden mit Grundlagen-orientierten wissenschaftlichen Themen eng verknüpft, um neue mechanistische Zusammenhänge aufzuklären, die letztlich zu einem besseren Verständnis von Entstehung und Progression dieser Erkrankungen sowie zu kausalen Therapien führen sollen.

Bauen mit Papier

Titel: „Bauen mit Papier (BAUPA)“ – Potenziale für nachhaltiges Bauen mit Papier als Konstruktions- und Verkleidungswerkstoff

Technische Universität Darmstadt

Hochschule Darmstadt

Technische Hochschule Mittelhessen

Welche Potentiale hat Papier als Konstruktions- und Verkleidungswerkstoff?

Gerade Papier bietet hervorragendes Potenzial für biobasierte Anwendungen im Baubereich. Es ist kostengünstig herstellbar, besteht überwiegend aus nachwachsendem Rohstoff, bietet bezogen auf das Eigengewicht sehr gute Festigkeitseigenschaften, kann als flächiges Material aber auch mit hoher Porosität bzw. sogar als Schaum produziert werden und ist verhältnismäßig einfach chemisch zu funktionalisieren. Für Anwendungen wie Fassadenelemente mit hoher Wärmedämmwirkung oder als Schalenstrukturelemente fehlen heutigen Produkten jedoch die dreidimensionale Verformbarkeit, die Druckfestigkeit, die Witterungs- und Langzeitbeständigkeit und andere Eigenschaften. Ziel des beantragten Schwerpunktes ist es, die noch vorhandenen Defizite bezüglich der Grundlagen zu eliminieren, Synergien aus den beteiligten Disziplinen zu nutzen und eine systematische Entwicklungsmethodik entlang der Materialverarbeitungskette zu erarbeiten. Dafür sind neue Gestaltungsansätze für die industrielle Herstellung und individualisierbare Formgebung erforderlich, bekannte Materialeigenschaften sind auf die neuen Erfordernisse hin anzupassen und weiter zu entwickeln, geeignete Charakterisierungsmethoden zu erarbeiten und Werkstoffdaten zu generieren. Dadurch wird es möglich, mit wissenschaftlich abgesicherten Methoden neue Bauwerke aus Papier werkstoff-, herstellungs- und nutzungsgerecht zu gestalten.

Partikelstrahlentherapie für thorakale Tumore

Titel: PATH – Partikelstrahlentherapie für thorakale Tumore

Frankfurt Institute for Advanced Studies

Philipps-Universität Marburg

Technische Hochschule Mittelhessen

Justus-Liebig-Universität Gießen

GSI Helmholzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, Darmstadt

Welche Möglichkeiten entwickelt die Partikelstrahlentherapie für eine effektivere aber gleichzeitig schonendere Behandlung von Tumoren im Brustraum?

Mit der Inbetriebnahme des Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums (MIT) ist in Hessen eines der modernsten Zentren für die Strahlentherapie von Tumorerkrankungen entstanden. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktes „PATH“ wird die in Hessen vorhandene Expertise im Bereich der theoretischen, experimentellen, translationalen und klinischen Partikelstrahlentherapieforschung zusammengeführt, um diese neue und innovative Therapiemethode für Tumore weiterzuentwickeln, die sich im Brustkorb befinden und sich durch die Atmung bewegen. Die Partikelstrahlentherapie kann eine effektivere aber gleichzeitig schonendere Behandlung ermöglichen und lässt einen deutlichen Fortschritt für die beschriebene Patientengruppe erwarten.

Die Partikelstrahlentherapie ist für nicht-bewegte Tumoren an wenigen Zentren weltweit u.a. am HIT möglich. Um die besonderen biologischen Eigenschaften der 12C-Ionen und die hervorragende räumliche Präzision dieser Technik auf Tumore im Brustkorb zu übertragen, sind innovative physikalischtechnische, molekular-radioonkologische und medizinische Entwicklungen nötig, da Erkenntnisse aus der Strahlentherapie mit Photonen nur eingeschränkt herangezogen werden können: Ziel ist die Etablierung und Integration dieser neuen Behandlungsmethode für bewegte Tumore innerhalb multimodaler Behandlungskonzepte.

Zeit bis zum 1. Dezember

Die Verantwortlichen der ausgewählten Forschungsprojekte haben nun Zeit bis zum 1. Dezember, um ihre Vollanträge zu stellen. Im Frühjahr 2016 bewerten zunächst externe Gutachter die Projekte. Auf Grundlage der Vollanträge und der Gutachterberichte spricht der LOEWE-Programmbeirat anschließend die Förderempfehlungen aus. Im Herbst 2016 fällt dann die Entscheidung welche der nun ausgewählten Forschungsprojekte ab 1. Januar 2017 Teil der neunten LOEWE Förderstaffel sind.

577 Millionen für Forschung

„Die exzellente Forschung der hessischen Wissenschaftseinrichtungen sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Deshalb setzt das hessische Wissenschaftsministerium die Erfolgsgeschichte unseres Forschungsförderungsprogramms LOEWE konsequent fort. Bis Ende 2015 wird das Land für herausragende Forschungsvorhaben insgesamt rund 577 Millionen Euro bereitgestellt haben. Das ist einmalig in Deutschland“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein abschließend.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Herr Christoph Schlein
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
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