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Wissenschaftsminister Boris Rhein

Wissenschaftler erhalten 17,7 Millionen Euro aus dem Forschungsförderprogramm LOEWE

Thema: 
Wissenschaft, LOEWE
10.07.2016Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

9. LOEWE-Förderstaffel unterstützt vier Forschungsschwerpunkte in Frankfurt, Darmstadt und Gießen

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Studierende in Frankfurt
© Hessen schafft Wissen/Hessen Agentur

Wiesbaden. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute die Förderentscheidung für die 9. LOEWE-Staffel bekannt gegeben. Demnach haben sich die externen Gutachter sowie der LOEWE-Programmbeirat für die Förderung von insgesamt vier neuen LOEWE-Schwerpunkten ausgesprochen, die die hohen Voraussetzungen des LOEWE-Programms erfüllt haben. Ab 1. Januar 2017 erhalten folgende Forschungsprojekte Fördermittel der Landesregierung von rund 17,7 Millionen Euro für die Laufzeit von vier Jahren: 

  • "BAMP!-Bauen mit Papier" (TU Darmstadt), 
  • "KöE"-Konfliktregionen im östlichen Europa (Justus-Liebig-Universität Gießen),
  • "Religiöse Positionierung" (Goethe-Universität Frankfurt am Main)  
  • "MegaSyn-Kontrolle und Design multifunktionaler Megasynthasen" (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Ich freue mich sehr, dass gleich vier Forschungsschwerpunkte die Gutachter überzeugen konnten. Dies belegt einmal mehr, dass es der Landesregierung mit dem Forschungsförderprogramm LOEWE gelungen ist, die hessische Wissenschaftslandschaft nachhaltig zu festigen, markante Profile zu bilden und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen zu stärken.“

LOEWE-Banner

Die Landesregierung legt bei LOEWE besonderen Wert auf das wettbewerbliche Auswahlverfahren im Sinne einer Bestenauslese. Der LOEWE-Programmbeirat mit Professor Dr. Karl Max Einhäupl an der Spitze, empfiehlt auf Basis externer wissenschaftlicher Fachgutachten vielversprechende förderungswürdige Forschungsprojekte. Hinzu kommt die LOEWE-Verwaltungskommission, die anschließend über die Förderung entscheidet.

„Dem Programmbeirat, den Gutachtern und der Verwaltungskommission gilt mein Dank. Ihre Expertise macht ein so erfolgreiches Forschungsförderprogramm wie LOEWE erst möglich. Eine exzellente Forschung sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und das kommt allen Menschen in Hessen zugute“, so Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Im Zeitraum zwischen 2008 und 2015 hat das Land für herausragende Forschungsvorhaben mehr als 600 Millionen Euro bereitgestellt. Das ist einmalig in Deutschland.

Beschreibungen der LOEWE-Schwerpunkte der 9. Förderstaffel:

BAMP!
Bauen mit Papier

Federführende Einrichtung:
Technische Universität Darmstadt

Partner:

Hochschule Darmstadt,
Technische Hochschule
Mittelhessen, Gießen

Fördersumme: 4.643.493 Euro

Förderzeitraum: 2017 – 2020

Wie können mit Papier praxistaugliche mobile Bauten und Fassaden realisiert werden?

Gerade Papier bietet hervorragendes Potenzial für biobasierte Anwendungen im Baubereich. Es ist kostengünstig herstellbar, besteht überwiegend aus nachwachsendem Rohstoff, bietet bezogen auf das Eigengewicht sehr gute Festigkeitseigenschaften, kann als flächiges Material aber auch mit hoher Porosität bzw. sogar als Schaum produziert werden und ist verhältnismäßig einfach chemisch zu funktionalisieren. Für Anwendungen wie Fassadenelemente mit hoher Wärmedämmwirkung oder als Schalenstrukturelemente fehlen heutigen Produkten jedoch die dreidimensionale Verformbarkeit, die Druckfestigkeit, die Witterungs- und Langzeitbeständigkeit und andere Eigenschaften. Ziel des LOEWE-Schwerpunktes ist es, die noch vorhandenen Defizite bezüglich der Grundlagen zu eliminieren, Synergien aus den beteiligten Disziplinen zu nutzen und eine systematische Entwicklungsmethodik entlang der Materialverarbeitungskette zu erarbeiten. Dafür sind neue Gestaltungsansätze für die industrielle Herstellung und individualisierbare Formgebung erforderlich, bekannte Materialeigenschaften sind auf die neuen Erfordernisse hin anzupassen und weiter zu entwickeln, geeignete Charakterisierungsmethoden zu erarbeiten und Werkstoffdaten zu generieren. Dadurch wird es möglich, mit wissenschaftlich abgesicherten Methoden neue Bauwerke aus Papier werkstoff-, herstellungs- und nutzungsgerecht zu gestalten.

 

 

 

KöE-Konfliktregionen im östlichen Europa

Federführende Einrichtung:

Justus-Liebig
Universität Gießen

Partner:

Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung - Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Marburg

Fördersumme: 3.932.476 Euro

Förderzeitraum: 2017 – 2020

Wie können zukünftige Konfliktsituationen auf Basis aktueller Forschungsergebnisse schneller gelöst werden?

Die Annexion der Krim und die Sanktionen des Westens gegenüber Russland führten im vergan-genen Jahr zu einem neuen Ost-West-Konflikt. Entsprechend wird der LOEWE-Schwer-punkt von der Leitidee getragen, Deutungswissen als Voraussetzung für Lösungsstrategien in diesem neuen Konflikt bereitzustellen und durch neue Formen der Ost-West-Wissenschaftskommunikation einer erneuten Spaltung Europas entgegenzuwirken. Die Einzelprojekte analysieren daher osteuropäische Konfliktregionen aus historiografischen, sprach-, kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Blickwinkeln. Durch das vom DAAD geförderte „Thematische Netzwerk“ des GiZo in Kooperation mit dem Herder-Institut („Kulturelle Kontakt- und Konfliktzonen im östlichen Europa“) mit sechs Partneruniversitäten (Almaty, Cluj-Napoca, Kasan, Kyjiv, Łodź, Minsk) verfügt der Forschungsverbund über eine herausragende Ausgangsbasis mit erprobten Kooperationsformen, die im LOEWE-Schwerpunkt durch weitere Kooperationsnetzwerke und -formate ausgebaut werden soll.

 

 

 

Religiöse Positionierung – Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten

Federführende Einrichtung:
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Partner: Justus-Liebig-Universität Gießen

Fördersumme: 4.490.748 Euro

Förderzeitraum: 2017 – 2020

Welches Gewaltpotential birgt Religion bzw. die Weltreligionen in historischer und grundlegender Betrachtung?

Weltweit werden angesichts gewaltförmiger Konflikte, in denen Religion eine oder die zentrale Rolle spielt, kontroverse Debatten über die zwiespältige, gleichermaßen sinnstiftende wie potentiell destruktive Rolle von Religion und Religionen in einer durch Pluralität bestimmten globalisierten Welt geführt. Dabei wird v.a. den monotheistischen Religionen (z.Zt. insbes. dem Islam) aufgrund ihres universalen Wahrheitsanspruchs von unterschiedlichen Akteuren vorgeworfen, zum Pluralismus unfähig zu sein und zwangsläufig zur Gewalt zu neigen. Andere Deutungen schreiben den Religionen hingegen ein unverzichtbares Potential zur Begrenzung von Konflikten, Kriegen und Terror zu. Diese entgegengesetzten Einschätzungen stellen die interdisziplinäre Religionsforschung und die wissenschaftlichen Theologien unterschiedlicher religiöser und konfessioneller Prägung vor eine erhebliche theoretische und analytische Anstrengung: a) bzgl. der Brisanz widerstreitender Sinn- und Wahrheitsansprüche in Verbindung mit gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen; b) bzgl. grundlegender auf die Überwindung von Gegensätzen zielender Konzepte wie Multikulturalismus, Interkulturalität oder Interreligiosität. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der LOEWE-Schwerpunkt auf die historische Erfahrung und die religiösen Ressourcen von Judentum, Christentum und Islam hinsichtlich des Umgangs mit religiöser Vielfalt und Differenz. Er zielt auf eine differenzierte wissenschaftliche Überprüfung der Funktion religiöser Positionierungen im Kontext religiös-kulturell beeinflusster Konflikte.

 

 

 

MegaSyn-Kontrolle und Design multifunktionaler Megasynthasen

Federführende
Einrichtung:
Goethe-Universität
Frankfurt am Main

Partner:
Philipps-Universität
Marburg,

MPI für Biophysik, Frankfurt

MPI für terrestrische Mikrobiologie, Marburg
Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen

Fördersumme: 4.644.000 Euro

Förderzeitraum: 2017 – 2020

Kann durch das Syntheseprinzip das Potential von Megasynthasen so genutzt werden, dass neue Antibiotika designt werden können?

Das Maßschneidern einzelner Proteine und ganzer Biosynthesewege etabliert sich als wichtiges Werkzeug der molekularen Lebenswissenschaften. Getrieben durch das wachsende Verständnis der Strukturen und Funktionen von Proteinen sowie des komplexen Zusammenspiels von Proteinen entstehen so Möglichkeiten, komplementär zu chemischen Syntheseverfahren, natürliche Systeme (Proteine, Proteinkaskaden und Mikroorganismen) zur gezielten und nachhaltigen Herstellung von Biomolekülen zu nutzen. In diesem Zusammenhang sei auf die hohe gesellschaftspolitische Bedeutung der Entwicklung nachhaltiger, „grüner“ oder „bioökonomischer“ Synthesemethoden verwiesen. Besonderes Interesse gilt der biosynthetischen Herstellung pharmazeutisch und technologisch wertvoller Moleküle, wie z.B. Antibiotika und Immunsuppressiva. Die Basis dafür bilden zwei synergistische Entwicklungen, zu denen Mitglieder des LOEWE-Schwerpunkts  in den letzten Jahren maßgeblich beigetragen haben: Zum einen neu gewonnene Erkenntnisse zur Funktion und Manipulation von Megasynthasen und zum anderen neue und verbesserte strukturbiologische Methoden.

 

 

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