Hochschulpakt 2020

Hochschulen stärken, Fachkräftebedarf decken, Studienqualität wahren

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Kugel mit unterschiedlichen Begriffe wie Bildung, Uni, Studium
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Bund und Länder haben am 20. August 2007 eine Vereinbarung (PDF, 901 KB) über ein gemeinsames Programm geschlossen, dessen Ziel es ist „ die Chancen der jungen Generation zur Aufnahme eines Studiums zu wahren, den notwendigen wissenschaftlichen Nachwuchs zu sichern und die Innovationskraft in Deutschland zu erhöhen“. Bund und Länder wollen damit nicht nur die Forschung an den Hochschulen weiter stärken, sondern vor allem dem wachsenden Fachkräftebedarf auf dem Arbeitsmarkt Rechnung tragen und der steigenden Zahl der Studienberechtigten ein qualitativ hochwertiges Studium ermöglichen. „Zudem soll der Einstieg in die Vollkostenfinanzierung von Forschungsvorhaben vollzogen werden. Dazu sollen die indirekten, zusätzlichen und variablen Projektausgaben der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsvorhaben durch eine Programmpauschale in die Gemeinschaftsfinanzierung von Bund und Ländern einbezogen werden“, heißt es in der Präambel weiter.

Zwei komplementäre Ziele wurden also vereinbart: Ausbau der Ausbildungskapazitäten der Hochschulen und Stärkung der Grundfinanzierung der Hochschulen durch Übernahme eines Beitrages zu den „Gemeinkosten“ von Forschungsvorhaben durch den Bund. Im Weiteren wird nur das erste Ziel behandelt.

Das gemeinsame Programm war ursprünglich motiviert durch die erwarteten höheren Studienanfängerzahlen infolge der demografischen Entwicklung (Echo der Babyboomer-Generation) und die doppelten Abiturjahrgänge infolge der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur. Die reale Entwicklung hat die Erwartungen aber bei weitem übertroffen: Schon in der ersten Programmphase 2007 bis 2010 war der Zuwachs doppelt so groß als gedacht mit 185.024 statt 91.370 Studienanfängern.

In der laufenden zweiten Programmphase 2011 bis 2015 wird nunmehr mit 676.702 statt 327.335 zusätzlichen Studienanfängern gerechnet. Zu dieser Steigerung trägt die Aussetzung der Wehrpflicht mit geschätzten 50.000 bis 60.000 vorgezogenen Studienaufnahmen einen eher kleinen Teil bei. Der größte Teil des Wachstums ist auf die gestiegene Studierneigung von Schulabsolventen zurückzuführen. Ein  eher kleiner zahlenmäßiger Anteil entfällt bisher auf Studierende mit beruflicher Qualifikation, deren Zugangsmöglichkeiten deutlich verbessert worden sind. Dementsprechend wird der Bund in diesem Zeitraum über sieben Milliarden Euro statt der ursprünglich zugesagten 3,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Folglich steigen auch die komplementären Beiträge der Länder.

Für die zweite Programmphase wurde am 4. Juni 2009 eine weitere Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern (PDF, 220 KB) geschlossen, die auch die Selbstverpflichtung enthält, vor 2015 eine Anschlussvereinbarung für die Zeit ab 2016 auszuhandeln.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und die staatlichen Hochschulen haben im April 2013 ergänzende Zielvereinbarungen (siehe "Weitere Inhalte zum Thema" am Ende des Artikels) geschlossen, in denen konkrete Ausbaukonzepte und die Finanzleistungen des Landes für 2013/14 und deren beabsichtigte Fortsetzung 2015 festgelegt sind (am Hochschulpakt 2020 partizipieren auch einige nichtstaatliche Hochschulen). Das Volumen der zusätzlichen Mittel beträgt 237 Millionen Euro im Jahr 2013 und 215 Millionen Euro im Jahr 2014. Dieses Niveau soll 2015 gehalten werden. Die Mittel sollen der Kapazitätserweiterung im Hinblick auf die steigenden Studierendenzahlen dienen. Sie können für alle damit zusammenhängenden zentralen und fachbereichsbezogenen Projekte verwendet werden, eingeschlossen sind auch die Bereiche Studienberatung und Career Service. Die Hochschulen werden insbesondere Schritte zur Verbesserung der Betreuungsrelationen in den MINT-Studiengängen einleiten. Für die Mittelverwendung haben die Hochschulen spezifische Planungskonzepte erarbeitet, die mit dem HMWK abgestimmt worden sind. Die einzelnen Projekte können entsprechend dem Planungsfortschritt hinsichtlich ihres Umfangs und ihrer Kosten modifiziert werden. Die Hochschulen und das Ministerium werden sich hierüber verständigen, insbesondere hinsichtlich der vorgesehenen Bau- und Umbauvorhaben.