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Zielvereinbarungen regeln Entwicklung der Hochschulen

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Studierende im Hörsaal.
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Wiesbaden. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat am Donnerstagabend gemeinsam mit den 13 Hochschulpräsidenten die Zielvereinbarungen für die Jahre 2016 bis 2020 unterzeichnet.
Damit ist ein weiterer Schritt zur positiven Entwicklung der Hochschulen für die Zukunft vollzogen. Die Zielvereinbarungen legen fest, mit welchen konkreten Ziel- und Zeitangaben die Umsetzung des Hessischen Hochschulpakts erfolgen soll. 

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Ich freue mich sehr, dass wir heute die Zielvereinbarungen unterzeichnen konnten. Sie erfüllen unseren Hochschulpakt mit Leben, der mit insgesamt neun Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 so viel Geld wie noch nie für die Hochschulen bereithält. Wir schaffen mit den nun unterzeichneten Zielvereinbarungen für die Jahre 2016 bis 2020 hervorragende Rahmenbedingungen für die hessischen Hochschulen, um ihnen eine planbare und zukunftsfähige Gestaltung zu ermöglichen.“

Bestmögliche Basis für erfolgreiches Studium

Die Unterzeichner hätten großen Wert darauf gelegt, dass die Hochschulen in den nächsten Jahren beispielsweise ein besonderes Augenmerk auf den Übergang von der Schule ins Hochschulsystem legen und diese Schnittstelle so gestalten, um die bestmögliche Basis für ein erfolgreiches Studium zu bilden, erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

Zudem ist nun festgeschrieben welche Forschungsschwerpunkte die 13 Hochschulen bis 2020 vorsehen und durch welche Vorhaben oder Kooperationen sie diese Schwerpunkte stärken. Dies betrifft sowohl die Universitäten als auch die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Auch hier hat das Thema Forschung einen hohen Stellenwert. Zum Aufbau von Forschungsstrukturen an den HAW stellt die Landesregierung zwischen 2016 und 2020 rund 22,5 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen weitere 2,5 Millionen Euro für das Programm „Forschung für die Praxis“. 

„Mit diesen Geldern setzen wir die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in die Lage, Forschung auf hohem Niveau betreiben zu können. Dies ist deshalb wichtig, weil wir in Hessen als erstes Bundesland den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften das Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche ermöglichen“, erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

5 Millionen für Anschubfinanzierung

Um die Hochschulen bei ausgewählten, strukturbildenden Entwicklungsvorhaben gezielt unterstützen zu können, stehen für eine Anschubfinanzierung außerdem zusätzliche Finanzmittel in Höhe von insgesamt fünf Millionen Euro jährlich aus dem Innovations- und Strukturentwicklungsbudget zur Verfügung. Außerdem stellt das Land für Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz zusätzliche Mittel in Höhe von 18 Millionen Euro bereit. Die in einem ersten wettbewerblichen Verfahren bewilligten Vorhaben sind in den Zielvereinbarungen festgehalten. 

Auch zu den Themen Verbesserung der Qualifikations- und Beschäftigungsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses, Internationalisierung, Gleichstellung und Familienförderung, technologische Infrastruktur, Personal- und Organisationsentwicklung sowie Hochschulfinanzen sind konkrete Zielsetzungen mit Meilensteinen und Zeitvorgaben mit den Hochschulen vereinbart. 

Karrierehilfe und Zentrum für Tierschutzprofessur

Folgende Vorhaben und Projekte sind beispielhaft hervorzuheben:

Die Goethe-Universität Frankfurt will mit ihrem Projekt „Wissenschaftler/-innen in der frühen Berufsphase im Fokus“ Strukturen schaffen, die die promovierten Wissenschaftler/innen in der frühen Berufsphase in ihrer Karriereentwicklung unterstützen und ihnen eine eigenständige Karriereentscheidung ermöglichen. Diese Strukturen sollen auf allen Ebenen der Universität verankert werden.

Die Justus-Liebig-Universität Gießen baut ein modernes, fachbereichsübergreifendes 3R Zentrum auf, hier sollen die Wissenschaftler der eigens von der Landesregierung geschaffenen Tierschutzprofessur ihre 3R-Strategien (Reduction, Replacement, Refinement von Tierversuchen) entwickeln und in Forschung und Lehre vertreten.

Über die Fächergrenzen hinaus

Mit dem Vorhaben „Wissenschaft in Interaktion realisieren – die Philipps-Universität als ein Modell für die Universität des 21. Jahrhunderts“ will die Philipps-Universität Marburg Studierenden ermöglichen, Disziplinen und deren Grenzen und Querverbindungen besser zu überblicken und sich über Fächergrenzen hinweg auszutauschen. Ziel ist es, mit Hilfe des Programms das Studium reflektierter, intensiver und erfolgreicher zu gestalten. 

Die Universität Kassel plant, ihre profilbildenden Forschungsschwerpunkte z.B. in den Nanostrukturwissenschaften, der Empirische Bildungsforschung und der Hochschulforschung sowie der Energieversorgungssysteme der Zukunft unter besonderer Berücksichtigung interdisziplinärer Zusammenarbeit zu schärfen und auszudifferenzieren. 

Internationales Studium

An der Technischen Universität Darmstadt sollen mit dem Projekt „Strategische Partnerschaften und Welcome Office für internationale Gastwissenschaftler/-innen“ die Eckpunkte der Internationalisierungsstrategie umgesetzt werden. Diese zielen insbesondere auf die Bereiche internationale Hochschulpartnerschaften, Internationalisierung des Studiums, weltweite Rekrutierung hochqualifizierter Studierender für Master-Studiengänge, Gewinnung internationaler Nachwuchswissenschaftler/-innen und Steigerung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit.

Mit dem „Center for Applied European Studies” wird die Frankfurt University of Applied Sciences ein interdisziplinäres Zentrum zum Thema Europa aufbauen, um sich u. A. durch anwendungsorientierte Forschung, Veranstaltungen, die sich auch an die Öffentlichkeit richten, und Weiterbildungsangeboten zu einem Think Tank zum Thema Europa zu entwickeln. 

Die Hochschule der Zukunft

„h_da 4.0“ heißt das Zukunftsvorhaben der Hochschule Darmstadt, mit dem sie ein Total Quality Management nach EFQM-Kriterien einführen will, um moderne Managementstrukturen im Sinne einer Hochschulorganisation 4.0 nachhaltig zu etablieren. 

Ein Schwerpunkt der Hochschule Fulda liegt auf dem Projekt „Ausbau der e-Administration“. Die Hochschule wird zunächst eine „Roadmap Digitale Hochschule“ als Aktionsgrundlage entwickeln, die vorhandenen Digitalisierungslücken schließen und die Digitalisierung weiterentwickeln.

Projekt gegen Diskriminierung

Ein Fokus der Hochschule RheinMain ist auf den „Übergang Schule – Hochschule“ gerichtet. Ziel ist es, sich hierzu noch stärker als bisher mit Schulen zu vernetzen, um zielgerichtete Maßnahmen ergreifen und Informationen für Schüler bereitstellen zu können (z.B. Erwartungschecks, Informationsvideos).

Die Technische Hochschule Mittelhessen ruft eine „Antidiskriminierungsstelle“ für Studierende ins Leben. Sie soll Hilfestellungen bei Diskriminierungen, insbesondere in Bezug auf die ethnische, nationale, kulturelle Zugehörigkeit oder Herkunft, bieten. Damit reagiert die Hochschule auf Handlungsempfehlungen einer empirischen Studie, die an der TH die Diskriminierungserfahrungen von Studierenden untersucht hat.

Nachhaltiger Campus

Mit der „Clusterbildung Nachhaltigkeit“ wird die Hochschule Geisenheim verschiedene Nachhaltigkeitsthemen in Studium, Lehre und Forschung verzahnen, wie z.B. die Entwicklung eines Konzepts zur Verwirklichung eines CO2-neutralen Campus, das Thema Fassaden als gartenbauliche Produktionsorte oder die Nachhaltigkeit in der Lebensmittelsicherheit und der Frischelogistik. 

Die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main wird mit dem „Zukunftslabor hfg21“ ein Forschungslabor als hochschulinternes Forum für die strategische Infrastruktur- bzw. Neubauplanung einrichten. Dieses Zukunftslabor soll im Hinblick auf den anstehenden Neubau der Hochschule als Schnittstelle zwischen den gestalterischen Vorstellungen der Hochschule und den Architekten und technischen Planern fungieren.
 
An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt soll ein einheitliches, extern betriebenes „Campus Management Systems (CMS)“ eingeführt werden, um alle IT-Dienste der Hochschule im Lehr- und Studienbetrieb, die Informationserfassung, -verarbeitung und -auswertung zusammenzufassen und einen serviceorientierten Zugriff zu ermöglichen.