Preisträger: Darmstadtia e.V.
Preis: Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises, 2.500 €, Bronzeplakette und Urkunde
Hintergrund:
Der historische Altstadtbrunnen, 1862 nach einem Entwurf von Johann Baptist Scholl d. J. errichtet, stand bis zur Zerstörung der Darmstädter Altstadt auf der sogenannten „Insel“ vor dem heutigen Justus-Liebig-Haus und diente der allgemeinen Wasserversorgung der Bewohner. Mit seiner Restaurierung und Wiederaufstellung an diesem historischen Standort hat die Stadt einen der wenigen erhaltenen baulichen Zeitzeugen zurückgewonnen, der an die zerstörte Altstadt erinnert. Ende 2025 konnte die Restaurierung und Wiederaufstellung des Brunnens erfolgreich abgeschlossen werden. Neben seiner Funktion als Erinnerungsort erfüllt er nun wieder seine ursprüngliche Aufgabe und steht der Bürgerschaft als öffentlich nutzbarer Trinkwasserbrunnen zur Verfügung.
Ausgangspunkt der Sanierungsmaßnahme war die Sicherstellung der Basis und des Säulenschaftes des Sandsteinbrunnens auf dem städtischen Bauhof im Jahr 2022. Nach eingehender Untersuchung konnten die Bauteile eindeutig dem historischen Altstadtbrunnen zugeordnet werden. Historische Fotos und Pläne ermöglichten sowohl die Bestimmung des ursprünglichen Standortes als auch die Rekonstruktion seines ursprünglichen Erscheinungsbildes. Dabei zeigte sich, dass das Kapitell und das Brunnenbecken nicht mehr vorhanden waren. Die erhaltenen Originalteile wurden von einem Steinmetzbetrieb restauriert. Beschädigte Sandsteinbereiche wurden herausgeschnitten und durch passgenaue Vierungen ersetzt. Für die Neuanfertigung des fehlenden Kapitells und des Brunnenbeckens wurde zunächst ein 3D-Modell erstellt, auf dessen Grundlage die Bauteile aus Sandstein gefertigt wurden. Besonderer Wert wurde dabei auf die Auswahl des Sandsteins sowie auf die handwerkliche Verbindung von historischen und neuen Elementen gelegt, damit ursprüngliche und ergänzte Bauteile dauerhaft erkennbar bleiben.
Von Beginn an bestand das Ziel, den Brunnen künftig wieder als öffentlich nutzbaren Trinkwasserbrunnen zu betreiben. Hierfür wurde das Innere des Säulenschaftes umgearbeitet und mit einer modernen Brunnentechnik ausgestattet. Der historische Wasserauslauf, das Einlaufgitter sowie die rückseitige Revisionskammer wurden anhand historischer Quellen von einem Metallfachunternehmen rekonstruiert.
Durch das ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten konnte die Idee des Wiederaufbaus erfolgreich verwirklicht werden. Mehr als 80 Jahre nach der Zerstörung der Altstadt kehrt der Brunnen damit in seiner historischen Gestalt an seinen ursprünglichen Standort zurück – als bedeutender Erinnerungsort und zugleich als moderner Trinkwasserbrunnen mit einem wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt.