Objekt: Steinbruch Michelnau
Preisträger: Freunde des Steinbruchs Michelnau e. V.
Preis: Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises, 2.500 €, Bronzeplakette und Urkunde
Hintergrund:
Der Steinbruch Michelnau ist ein einzigartiges Natur- und Industriedenkmal, das einen Einblick in die Erd- und Technikgeschichte ermöglicht. Das Gestein entstand vor rund 15 Millionen Jahren durch einen Schlackenvulkan am Fuße des Vulkangebiets Vogelsberg. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Stilllegung Ende der 1980er Jahre wurde hier der Michelnauer Tuffstein abgebaut. Nach dem Ende des Abbaus hatte die Natur rund 30 Jahre Zeit, sich den Steinbruch zurückzuerobern. Gleichzeitig drohte jedoch ein faszinierendes Stück Technikgeschichte in Vergessenheit zu geraten.
Im Jahr 2010 wurde deshalb der Verein „Freunde des Steinbruchs Michelnau e.V.“ gegründet. Ziel des Vereins ist es, den unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Steinbruch zu schützen, zu erhalten und als Besuchersteinbruch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei werden Kulturgeschichte, Geologie und Naturkunde gleichermaßen bewahrt und vermittelt. Zunächst wurden Gebäude und technische Anlagen mit großem Einsatz vom Bewuchs befreit und erste Sicherungsmaßnahmen in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt. Es folgten die Wiederherstellung des eingestürzten Dachs der Sägehalle, die Instandsetzung des deutschlandweit einmaligen Holz-Derrickkrans von 1952 samt Windenhaus im Jahr 2012, die Sanierung der Verladerampe (2014), der großen Stein-Schrämmaschine (2016), des Dachs der Werkshalle (2018), der Kranwinde (2024/2025) sowie des Dachs der Steinmetzhütte (2025/2026). Weitere Projekte, darunter die Rekonstruktion der ehemaligen Verladeeinrichtung sowie Maßnahmen im Rahmen der Landesgartenschau 2027, sind bereits geplant.
Heute ist ein Spezialmuseum entstanden, das Technikgeschichte wieder erlebbar macht. Rund 75.000 Besucher konnten sich in den vergangenen 15 Jahren über die besondere Geschichte des Ortes informieren. Führungen vermitteln die geologische Entstehung des Steinbruchs, die rund 150-jährige Abbaugeschichte und führen die sanierten Maschinen im Betrieb vor. Darüber hinaus laden drei Aussichtsplattformen dazu ein, den Steinbruch auch außerhalb der Führungen selbstständig zu erkunden. Das nach der Stilllegung entstandene Biotop mit seiner besonderen Flora und Fauna rundet den Besuch eindrucksvoll ab. Der Tag des offenen Denkmals ist dabei ein fester Termin im Jahresprogramm.
Im Steinbruch Michelnau ist wieder Leben eingekehrt – der anspruchsvolle Spagat zwischen Denkmalpflege, Geologie, Naturschutz und den Anforderungen eines modernen Besucherortes ist den Mitgliedern des Vereins in vorbildlicher Weise gelungen.