Die Waggonia in Loheland, Künzell

Waggonia in der Reformsiedlung Loheland

Der Ehrenpreis der Jury beim Hessischen Denkmalschutzpreis 2026 ging an die Loheland-Stiftung für die Instandsetzung des aus Reichsbahnwaggons errichteten Waggonia in der Frauensiedlung Loheland.

Objekt: Waggonia in der Reformsiedlung Loheland, Künzell

Preisträger: Loheland-Stiftung

Architekturbüro: Dipl.-Ing. Peter Sichau, Fulda

Preis:  Ehrenpreis der Jury, 5.000 €, Bronzeplakette und Urkunde

Votum der Jury: Die Jury wertete die Instandsetzung des 1925/26 aus Reichsbahnwaggons errichteten Waggonia in der Frauensiedlung Loheland als außerordentliches Zeugnis der Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts. Da das Ensemble nach gegenwärtigem Erkenntnisstand weltweit der einzige noch im Sinne des Gründungsgedankens genutzte, fast vollständig erhaltene Impulsort aus dieser Zeit  sei, sprach die Jury sich dafür aus, die Waggonia mit dem Ehrenpreis der Jury auszuzeichnen, um damit ihrer überregionalen und internationalen Bedeutung gerecht zu werden. Durch die Waggonia seien die Ideen und Konzepte der Reformbewegungen in einzigartiger Art und Weise bis zum heutigen Tage lebendig geblieben. Dies verdanke das Ensemble vor allem den hier lebenden und wirkenden Menschen, die sich seit 2016 um seinen Erhalt verdient gemacht hätten. 

Hintergrund: Bis heute verfügt die Loheland-Stiftung über eine eigene Tischlerwerkstatt, die nahezu alle Arbeiten an Holzbearbeitung, Ausstattung und Restaurierung der Raumschale eigenständig ausgeführt hat. Dazu zählten Fassadeninstandsetzung und -verkleidung, Fußbodenkonstruktionen, Fenstersanierung sowie die Konservierung und Restaurierung der inneren Wand- und Deckenverkleidungen, der originalen Waggontüren und der bauzeitlichen Ausstattung. Sämtliche Maßnahmen erfolgten exakt nach dem mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, dem Landesamt für Denkmalpflege und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz abgestimmten, u.a. auch mit Bundesmitteln geförderten Konzept. Mit der abgeschlossenen Sanierung bleibt dieses außergewöhnliche Zeugnis gelebter Reformgeschichte als lebendiger Arbeits-, Lern- und Lebensort für die Zukunft bewahrt.  Die Waggonia steht für die gelungene Verbindung von handwerklicher Arbeit, künstlerischer Praxis, Körper- und Wahrnehmungsschulung sowie gemeinschaftlichem Leben und ist außerdem ein Zeugnis der Behelfsarchitektur nach dem 1. Weltkrieg. 

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