Die Wissenschaft als große Verliererin der Exzellenzstrategie? Dieser These aus dem Gastbeitrag in der F.A.Z. vom 30. September 2026Öffnet sich in einem neuen Fenster widerspreche ich. Und nicht nur deshalb, weil ich stolz darauf bin, dass zum ersten Mal in der Geschichte hessische Universitäten den Exzellenztitel gewonnen haben und wir im buchstäblichen Sinne zu den Gewinnern dieses Wettbewerbs gehören.
Die Exzellenzstrategie macht die Wissenschaft zur Gewinnerin. Sie ermöglicht herausragende Forschung, und zwar in der ganzen Breite der Wissenschaft. Sie sorgt für internationale Sichtbarkeit und sie stärkt die Universitäten als Ganzes. Sie hat in den vergangenen Jahren etwas geleistet, das für unser Wissenschaftssystem von erheblicher Bedeutung ist.
Das beginnt mit dem Wettbewerb selbst. Die hohe Reputation des Programms sorgt dafür, dass sich die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Forschungsideen beteiligen. In einem wissenschaftsgeleiteten, international besetzten und anspruchsvollen Auswahlverfahren werden daraus die Programme ausgewählt, die besonders innovativ und vielversprechend sind. Neues Wissen und wissenschaftliche Durchbrüche, die entstehen, sind eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass wir die gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen können: von Künstlicher Intelligenz und Klimawandel bis zur Energiewende und zur Gesundheitsforschung. Forschung ist dabei eine Grundlage für Innovation und technologischen Vorsprung. In einer Welt, in der technologische Abhängigkeiten zunehmend auch zu politischen Abhängigkeiten werden können, geht es auch um Souveränität und damit um die Resilienz unserer Gesellschaft.
Eine weitere Stärke: Die Exzellenzstrategie macht deutsche Forschung international sichtbar. Exzellenzcluster sind wissenschaftliche Leuchttürme. In ihren Fachcommunities sind sie weit über Deutschland hinaus bekannt. Sie ziehen internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an und schaffen Netzwerke, die für unsere Hochschulen und für den Forschungsstandort Deutschland von großem Wert sind. Ich konnte das zuletzt bei einer Reise durch die USA selbst erleben: Die deutschen Spitzenstandorte werden wahrgenommen und die Exzellenzstrategie trägt wesentlich dazu bei.
Die Wirkung endet aber nicht an den Grenzen einzelner Cluster. Exzellente Forschung stärkt die Universität als Ganzes. Aktuelle Forschungsfragen finden ihren Weg in die Hörsäle, neue Masterstudiengänge entstehen, Nachwuchsgruppen werden eingerichtet. Zugleich zwingt der Wettbewerb Hochschulen dazu, sich strategisch mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen, Schwerpunkte zu setzen und Strukturen weiterzuentwickeln. Er schafft Anreize für Kooperationen innerhalb der Hochschule, aber auch über Hochschul- und Ländergrenzen hinweg.