Szene aus "Im Umkreis des Paradieses": Eine Frau auf einem Boot

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Hessen Film & Medien fördert Filme und Festivals mit 2,77 Millionen Euro

Projekte verbinden persönliche Geschichten mit gesellschaftlichen Fragen

Wiesbaden. Die Jurys der Hessen Film & Medien haben über die Förderanträge in den Bereichen Main Jury, Talentfilm, Stoffentwicklung sowie Festivals, Veranstaltungen und Reihen entschieden. Hessen Film & Medien unterstützt in der dritten Förderrunde in diesem Jahr insgesamt 55 Projekte mit rund 2,77 Millionen Euro. Das Spektrum reicht von der Auseinandersetzung mit europäischer Geschichte und gesellschaftlicher Zugehörigkeit bis zu persönlichen Erfahrungen von Flucht, Herkunft und Identität.

Hessische Filmbranche ist gut aufgestellt

„Die aktuelle Förderrunde zeigt, wie vielfältig die hessische Filmbranche aufgestellt ist. Hier entstehen Geschichten, die gesellschaftliche Fragen aufgreifen, historische Perspektiven neu beleuchten und Menschen über Grenzen hinweg miteinander verbinden“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Außerdem können mit Hilfe der Verleih Förderung sechs Filme ins Kino gebracht werden, die zuvor erfolgreich auf Festivals gezeigt wurden. Einen wichtigen Akzent legen wir darauf, die hessische Festivallandschaft zu stärken, die Filmkultur für ein breites Publikum erlebbar macht.“ 

Szene aus "Ein Abend im Dezember": Eine Familie sitzt am Tisch und isst

Main Jury: Dokumentarfilm, Serie und experimentelles Kino

Im Förderbereich Setzkasten erhalten zwei Spielfilmprojekte jeweils 65.000 Euro. Der Setzkasten verbindet die Förderung von Treatment, Drehbuch und Produktionsvorbereitung und ist so Deutschland weit einzigartig. In dieser Runde wurde „The Undying or a Year without Summer“ der Frankfurter Produktionsfirma Neopol Film gefördert . Der zweite Kinofilm des Frankfurter Regisseurs Jakob Zapf erzählt von der Entstehung von Mary Shelleys „Frankenstein“ im Jahr 1816. Das historische Gothic-Drama verbindet die Entstehung eines Literaturklassikers mit Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung, Mutterschaft gesellschaftlichen Abhängigkeiten und künstlerischer Freiheit.

Mit Setzkastenförderung unterstützt wird außerdem „Ali and His Friends“ von Telos Pictures. Regisseur Karim Aïnouz interpretiert darin Rainer Werner Fassbinders „Faustrecht der Freiheit“ neu und verlegt die Handlung ins heutige Kassel. Im Mittelpunkt steht der syrische Schausteller Ali, der durch einen Lottogewinn zum Millionär wird, sich in den Sohn eines Druckereiunternehmers verliebt und über die Beziehung Zugang zur bürgerlichen Kunstszene findet.

Szene aus "Objet a": Eine junge Frau liegt in einem Krankenhausbett

Die zweite Staffel der dokumentarischen Serie „Metrokosmos“ von Seehund Media erhält 45.000 Euro. In vier Episoden erkundet die Serie die U-Bahn-Systeme internationaler Metropolen, darunter Frankfurt. Dabei richtet sie den Blick sowohl auf die Architektur unter der Erde als auch auf die Menschen, die diese urbanen Räume täglich nutzen und prägen.

Mit 40.000 Euro wird der Experimentalfilm „Wiegenlieder Die Zukunft im Ohr“ der Künstlerin Catrine Val unterstützt. Das essayistische Projekt verwebt die Geschichten von vier Frauen, die sich im Regionalexpress zwischen Frankfurt und Kassel begegnen.

Sechs Filmprojekte erhalten Förderung für Verleih und Vertrieb. Dazu gehört der Spielfilm „Objet a“, der beim Locarno Film Festival 2026 Weltpremiere feierte. Der Verleih durch die Grandfilm GmbH wird mit 25.000 Euro unterstützt. 10.000 Euro Verleihförderung erhält der dokumentarische Essayfilm „Im Umkreis des Paradieses“, den der Across Nations Filmverleih in die Kinos bringt. Der Film war erstmals auf der Berlinale 2026 zu sehen. Weitere 25.000 Euro gehen an Camino Filmverleih für „Schöne Seelen“. Der Spielfilm feierte seine Weltpremiere auf dem Filmfest München und startet am 26. November 2026 in den deutschen Kinos. Am selben Tag bringt Fourmat Film „Ein Abend im Dezember“ bundesweit ins Kino. Der Verleih wird mit 10.000 Euro gefördert.

Szene aus "Schöne Seelen": Ein Mann liegt auf einer Luftmatratze im Pool

Talentfilm: Internationale Perspektiven und neue kreative Stimmen

In der Talentfilmförderung fließen insgesamt 430.000 Euro in Projekte hessischer Filmschaffender. Mit 75.000 Euro wird die internationale Koproduktion „Serpent‘s Egg“ der Darmstädter Fourmat Film gefördert. Regisseur Andrés Lübbert untersucht darin seine deutsch-chilenischen Wurzeln und stößt auf ein nationalsozialistisches Spionagenetzwerk, das während des Zweiten Weltkriegs in Chile operierte. Die persönliche Spurensuche führt zu einem wenig beleuchteten Kapitel deutsch-chilenischer Geschichte und wirft Fragen nach dem Fortwirken historischer Verantwortung auf.Der internationale Kurzfilm „Alhamraa“ von Khaled Homsi erhält 50.000 Euro. Das Projekt wurde im Rahmen des MASO Short Film Training Programme entwickelt, einer Kooperation mit Hessen Film & Medien. Im Mittelpunkt steht der zwölfjährige Yazan, der sich am Nakba-Tag 2011 auf den besetzten Golanhöhen auf die Suche nach einer seltenen syrischen Zigarettenmarke macht. Dabei begegnet er auf unerwartete Weise seiner Heimat – einem Land, das er selbst nie kennengelernt hat.

Anna Schoeppe, Geschäftsführerin der Hessen Film & Medien, betont: „Viele der Projekte in dieser Förderrunde verbinden wie selbstverständlich persönliche Geschichten mit großen gesellschaftlichen Fragen. Ob es um historische Verantwortung, die Suche nach Heimat oder die Verarbeitung von Kindheitserfahrungen geht: Hier entstehen eigenständige filmische Perspektiven, die uns neue Zugänge zu unserer Gegenwart eröffnen.“

Stoffentwicklung: 90.000 Euro für vier Filmideen

Auch die Entwicklung neuer Drehbücher wird unterstützt. Insgesamt 90.000 Euro gehen an vier Spielfilmprojekte. Mit 30.000 Euro erhält „Babak“ der Autorin Payal Sethi die höchste Förderung in diesem Bereich. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein afghanischer Asylsuchender, der seine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim an eine ukrainische Mutter und ihren Sohn abtreten muss. Wider Erwarten entwickelt sich zwischen ihm und dem Jungen eine enge Bindung. Jeweils 20.000 Euro erhalten die Literaturverfilmung „Keine gute Geschichte“ von Vanessa Aab, „Portrait of a Jewel Thief“ von Jovana Reisinger sowie „Neofrau (AT)“ von Joey Arand.

Filmfestivals: Jubiläen und Filmkultur in ganz Hessen

Neben der Filmproduktion unterstützt Hessen Film & Medien auch Festivals, Veranstaltungen und Filmreihen. Zu den geförderten Veranstaltungen gehört die Nippon Connection, die mit 180.000 Euro unterstützt wird. Das Festival hat sich zur weltweit größten Plattform für japanisches Kino entwickelt und ist das besucherstärkste Filmfest in Hessen. Das LICHTER Filmfest Frankfurt International erhält für seine Ausgabe zum 20. Jubiläum 205.000 Euro. Auch das Internationale Festival für junge Filmfans LUCAS feiert ein Jubiläum: Das älteste Kinderfilmfestival Deutschlands wird anlässlich seiner 50. Ausgabe mit 110.000 Euro gefördert. Die Förderung berücksichtigt darüber hinaus Festivals außerhalb der großen urbanen Zentren. Dazu gehören die Rüsselsheimer Filmtage, die Wolfhager Nachhaltigkeitsfilmtage und das Queerfilmfest Kassel.

Über Hessen Film & Medien

Als erste Ansprechpartnerin in Sachen Filmförderung stärkt die Hessen Film & Medien die hessische Film- und Medienbranche und hilft dem Land, seine Position als Kultur- und Wirtschaftsstandort für die Zukunft weiter auszubauen. Im Jahr 2026 feiert sie ihr 10-jähriges Jubiläum. Sie unterstützt sowohl die künstlerische als auch die kommerzielle Qualität von Filmproduktionen, um optimale Bedingungen für die hessische Kreativwirtschaft zu schaffen. Gesellschafter der Hessen Film & Medien GmbH sind das Land Hessen (90 Prozent) und der Hessische Rundfunk (zehn Prozent).

Mehr Informationen unter: www.hessenfilm.de

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