Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Hessischer Verdienstorden für Zeitzeugin Edith Erbrich

Minister Gremmels überreicht Auszeichnung

Wiesbaden. Edith Erbrichs Kindheit war geprägt von Ausgrenzung und Deportation: Als „Halbjüdin“ von den Nationalsozialisten gedemütigt, wurde die Frankfurterin als Mädchen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in das Vernichtungslager Theresienstadt verschleppt. Sie überlebte – und kämpfte fortan gegen das Vergessen, in dem sie als Zeitzeugin auftrat und von ihren Erlebnissen berichtete. Für ihren unermüdlichen Einsatz gegen Rassismus und Hass wird sie mit dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet. Wissenschafts- und Kunstminister Timon Gremmels hat ihr heute im Namen des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein den Hessischen Verdienstorden überreicht. Mit der Auszeichnung würdigt der Ministerpräsident hervorragende Verdienste um das Land Hessen und seine Bevölkerung, unabhängig von Wohnsitz und Staatsangehörigkeit.

Sie macht ihre Zuhörerschaft zu einem Anker der Zukunft

„Edith Erbrich hat uns ihre Lebensgeschichte anvertraut. Sie gehört zu den letzten Zeitzeugen der Shoa, die noch aus eigenem Erleben berichten können, und stellt sich dieser Verpflichtung mit großer Verantwortung.“, so Wissenschafts- und Kunstminister Timon Gremmels. „Indem sie berichtet, was ihr widerfahren ist, macht Edith Erbrich ihre Zuhörerinnen und Zuhörer, Leserinnen und Leser zu einem Anker für die Zukunft. Ihre Erfahrungen weiterzutragen, ist ein Beitrag zu einer neuen Form der Erinnerung und der Erinnerungskultur. Ich danke ihr für dieses unermüdliche Engagement gegen das Vergessen und gratuliere auch im Namen von Ministerpräsident Boris Rhein herzlich zur Auszeichnung mit dem Hessischen Verdienstorden.“

Edith Erbrich wurde 1937 geboren. Nach der Befreiung der Gefangenen des Vernichtungslagers Theresienstadt im Mai 1945 schloss Erbrich in Frankfurt die Schule ab und machte eine Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau. Zuletzt arbeitete sie bei den Stadtwerken Frankfurt.

Arbeit im Krankenhaus gab Anstoß

Ihre Freizeit widmete Edith Erbrich anderen Menschen: Im Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt-Bornheim übernahm sie ehrenamtlich Urlaubsvertretungen für Pflegende. Hier knüpfte sie Kontakte zu Jüdinnen und Juden, die wie sie in Vernichtungslagern gefangen gehalten worden waren. Unter anderem diese Begegnungen gaben Anstoß für ihre Arbeit als Zeitzeugin. Edith Erbrich engagierte sich im „Studienkreis Deutscher Widerstand von 1933 bis 1945“. Dort trug sie zur Wanderausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt“ bei. Ihre Berichte, unter welchen Bedingungen die Malereien der Kinder, die sie zum Teil selbst gekannte hatte, entstanden waren, schuf für viele Menschen einen emotionalen Zugang zu diesem Teil der deutschen Geschichte. Auch in Schulen, Jugendzentren, in Radio- und Fernsehsendern berichtet Erbrich über dieses Thema. Ihre persönliche Geschichte veröffentliche sie 2014 im Buch „Ich hab' das Lachen nicht verlernt“.

Stolpersteine in Langen auf den Weg gebracht

In jüngster Zeit war Edith Erbrich mit dem Orchesterprojekt „Opus 45“ auf Tour: Das Ensemble bringt Geschichten, Musik und Lieder aus dem Vernichtungslager Theresienstadt auf die Bühne. Erbrichs Erlebnisse sind Teil der Aufführung. Zudem setzte sich Edith Erbrich maßgeblich dafür ein, in Langen Stolpersteine zu verlegen und damit an das Schicksal von deportierten Jüdinnen und Juden zu erinnern.