Wiesbaden/Willingshausen. Im Projekt „Spurensuche – Eine Ausstellung zum Nationalsozialismus in der Schwalm“ haben Kinder und Jugendliche der Vergangenheit eine Stimme gegeben: Sie besuchten ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager, lernten die Geschichte dahinter kennen und hielten alles in Texten und Bildern fest. Organisiert wurde die Spurensuche vom Kunstverein Stipendium Willingshausen e.V. zusammen mit der Gedenkstätte und Museum Trutzhain, gefördert wurde sie vom Land: Rund 21.000 Euro flossen über das Programm „Kulturkoffer“ in die Workshops. Die Ergebnisse ihrer Recherchen zeigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hat die Ausstellung am Samstag eröffnet.
„Das Projekt ,Spurensuche‘ schlägt eine spannende Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gedenkstätte und einem Kunstverein, der sich der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Es macht gleichzeitig deutlich, wie wichtig kulturelle Bildung ist: Wenn junge Menschen etwas gestalten und sich dabei mit einem Thema auseinandersetzen, sehen sie, dass die Welt formbar ist und dass sie selbst wirksam werden können. Bei der ,Spurensuche‘ stand mit den Verbrechen der Nationalsozialisten eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte im Mittelpunkt. Mit ihrer künstlerischen Arbeit haben die Jugendlichen eine zeitgemäße Erinnerung ermöglicht und verhindert, dass Stimmen verhallen, Gedächtnisse schwach werden. Das zeigt: Kulturelle Bildung stärkt unsere Demokratie und unser Zusammenleben.“
In mehreren Workshops waren die Zehn- bis 16-Jährigen gemeinsam mit Fachleuten aus Erinnerungsarbeit, Kunst und Vermittlung in der Region unterwegs. Sie lernten die Geschichte der Gedenkstätte und des Museum Trutzhain kennen, wo sich früher ein Kriegsgefangenenlager befand. Die Jugendlichen suchten Archivalien und historischen Fotografien heraus und drehten darüber kurze Filme. Zudem interviewten sie den Dokumentarfilmer Klaus Stern und besuchten den Waldfriedhof, auf dem Insassen des Lagers begraben sind. In der Aula der Berufsschule Ziegenhain sahen sie sich die Schnitzereien von Kriegsgefangenen an und arbeiteten mit Abdrücken. Sie druckten historisches Bildmaterial auf Banner, probierten sich in Collagetechniken und stellten schließlich diese künstlerischen Arbeiten mit den Ergebnissen ihrer Recherchen zur Ausstellung mit eigenem Begleitheft zusammen.
Die Ausstellung läuft bis zum 15. November 2026 in der Kunsthalle Willingshausen, Merzhäuser Straße 1, 34628 Willingshausen. Sie ist von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.
Über den Kulturkoffer
Der Kulturkoffer ist ein Programm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur und der Landesvereinigung Kulturelle Bildung (LKB) Hessen e.V.. Er bringt Kunst und Kultur zu jungen Menschen, unabhängig von Herkunft, Wohnort oder sozialem Umfeld. Der Kulturkoffer fördert außerschulische Kooperationsprojekte aus allen künstlerischen Sparten. Im Mittelpunkt steht, dass Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden. Unter Anleitung professioneller Künstlerinnen und Künstler probieren sie neue künstlerische Methoden aus. 2026 feiert der Kulturkoffer sein zehnjähriges Bestehen.