Eine Künstlerin in ihrem Atelier, sie hält einen Zeichenblock in der Hand und schaut ernst

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Ottilie-Roederstein-Stipendien für Künstlerinnen: Ausschreibung startet

Schwerpunkt auf Nachwuchs und Unterstützung bei Care-Arbeit

Wiesbaden. Die Ottilie-Roederstein-Stipendien für Künstlerinnen gehen in eine neue Ausschreibungsrunde – mit klaren Schwerpunkten: Gefördert werden in dieser Runde zum einen aufstrebende Nachwuchskünstlerinnen, zum anderen Künstlerinnen, die Arbeit und Verpflichtungen wie Pflege oder Kinderbetreuung vereinbaren müssen. Eine Bewerbung ist bis zum 6. Mai 2026 möglich.

Talente und Care-Arbeit sichtbar machen

„Obwohl die Mehrheit der Studierenden an den hessischen Kunsthochschulen Frauen sind, sind professionelle Künstlerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor zu wenig präsent. Mit den Ottilie-Roederstein-Stipendien tragen wir dazu bei, die Sichtbarkeit von Frauen in der Kunst zu erhöhen“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Aufgrund der herausfordernden Haushaltslage mussten wir in diesem Jahr Prioritäten setzten und haben uns entschlossen, anders als in den Vorjahren, keine Hauptstipendien zu vergeben. Stattdessen haben wir die Roeder-Stipendien in diesem Jahr auf zwei Lebenssituationen fokussiert, die für Künstlerinnen besonders relevant sind: Mit den Nachwuchsstipendien geben wir ihnen nach der Ausbildung ein Sprungbrett und unterstützen sie dabei, ihre Arbeit und ihr Talent sichtbar zu machen. Und mit den Arbeitsstipendien tragen wir der Tatsache Rechnung, dass vor allem Frauen familiäre Care-Arbeit übernehmen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Chancengerechtigkeit, Vielfalt in der Kunst – und damit für die Demokratie in unserem Land. Mit dieser Fokussierung können wir das Roederstein-Stipendium trotz schwieriger finanzieller Bedingungen erhalten und zugleich Künstlerinnen in besonderen Lebenssituationen fördern.

Die beiden Nachwuchsstipendien sind jeweils mit bis zu 40.000 Euro dotiert. Sie bieten talentierten jungen Künstlerinnen die Möglichkeit, während oder unmittelbar nach ihrer Ausbildung ein größeres künstlerisches Projekt umzusetzen. Für den Antrag ist ein laufendes Studium oder ein Abschluss an einer der hessischen Kunsthochschulen nachzuweisen. Unter bestimmen Umständen sind auch Künstlerinnen mit einem Hochschulabschluss eines anderen Landes antragsberechtigt. Die Förderung beinhaltet ein Jahresstipendium sowie Geld für die künstlerische Umsetzung zum Beispiel einer Ausstellung, eines Konzertes oder einer Aufführung. Die Projekte müssen dokumentiert und in Hessen realisiert werden.

Zusätzlich vergibt das Land Hessen bis zu fünf Arbeitsstipendien im Gesamtwert von 20.000 Euro. Sie richten sich an hessische Künstlerinnen, die sich in einer besonderen familiären Belastungssituation befinden. Dazu gehören zum Beispiel die Erziehung eines Kindes unter zwölf Jahren oder Pflegearbeit. Während des Arbeitsstipendiums muss an einem Projekt gearbeitet werden.

Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine Jury.

Über Ottilie Roederstein

Ottilie Wilhelmine Roederstein (1859-1937) war eine erfolgreiche Porträtmalerin und Zeichnerin. Sie lebte und arbeitete unter anderem in Frankfurt am Main und Hofheim am Taunus. Roederstein kämpfte gegen die zahlreichen Vorurteile der damaligen Zeit und setzte sich gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Dr. Elisabeth Winterhalter, der ersten deutschen Chirurgin, für die Gleichberechtigung der Frau ein. So eröffnete sie ein Lehr-Atelier, das ausschließlich Schülerinnen aufnahm.

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