Der Newcomer-Preis
Der mit 5.000 Euro dotierte Newcomer-Preis, über dessen Vergabe der Kunst- und Kulturminister entscheidet, geht an den Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard aus Kassel. Damit wird ein Filmemacher ausgezeichnet, der gerade mit großer Geschwindigkeit auch international auf sich aufmerksam macht.
„Joscha Bongard konnte mit seinem Abschluss- und Debütfilm ,Babystar‘ in Toronto auf einem der wichtigsten Filmfestivals Nordamerikas Weltpremiere feiern. Er wird seitdem auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt und begeistert aufgenommen. Der Film zeigt eine Influencer-Familie und setzt sich künstlerisch mit diesem gesellschaftlich und politisch relevanten Thema auseinander. Joscha Bongard behandelt in seiner scharf analysierenden Mediensatire Fragen, die uns gesellschaftlich und zunehmend auch politisch beschäftigen: Wie viel Öffentlichkeit verträgt Kindheit? Und welche Verantwortung tragen Eltern, Plattformen und letztlich auch wir als Gesellschaft? Joscha Bongard steht exemplarisch für das überaus kreative Spektrum des Filmschaffens aus Hessen“, begründet Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels seine Entscheidung.
Folgende Nominierungen hat die Jury des Filmpreises beschlossen
(Nennungen jeweils in alphabetischer Reihenfolge):
Spielfilm
„A Sad And Beautiful World“ von Cyril Aris
„I’ll be gone in June“ von Katharina Rivilis
„Vaterland“ von Paweł Pawlikowski
Dokumentarfilm
„10s Across the Borders (The Beauty of Ballroom)“ von Sze-Wei Chan
„Haus 4“ von Philipp Schaeffer
„Sieben Kreise der Hölle“ von Andrzej Klamt
Kurzfilm
„Bleifrei 95“ von Emma Hütt und Tina Muffler
„Hinterland“ von Catrine Val
„Strangers with Hats“ von Petra Stipetić und Karolin Twiddy
Hochschulabschlussfilm
„Blut und Wasser“ von Nathalie Linke und Johanna Best, Hochschule Darmstadt
„Nijigen Confinement“ von Zirui Chen, Kunsthochschule Kassel
„Ob Du das selbe für mich fühlst“ von Janek Adelheim, Hochschule Darmstadt
Drehbuch
„Brennende Haut“ von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb
„Die Bären sind geblieben“ von Nur Muhammed Tarhan
„Prinzessin frisst Löwe“ von Friederike Holtz
Der Hessische Kinopreis
Der Hessische Kinopreis ist, wie im Vorjahr, mit insgesamt 215.000 Euro dotiert. Er geht an 21 gewerbliche Kinos und zehn nicht-gewerbliche Kinos. Mit den Hauptpreisen und jeweils 20.000 Euro werden das Kino Traumstern in Lich und das Mal Seh’n Kino in Frankfurt ausgezeichnet. Das Harmonie Kino in Frankfurt erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis der Kino-Jury für sein herausragendes Engagement in der Publikumsansprache. Die vollständige Liste der Kinopreisträger ist dieser Pressemitteilung angehängt. Die Jury-Begründungen stehen auf www.hessischerfilmpreis.de.
Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks
Der Hessische Rundfunk verleiht den „Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks“. Er geht an das neue Ermittlerduo des HR-Tatorts, Melika Foroutan und Edin Hasanović, die seit Herbst 2025 in Frankfurt ermitteln.
„Melika Foroutan und Edin Hasanović tasten als neues Frankfurter Tatort-Duo auf beeindruckende Weise die Bruchstellen einer Gesellschaft ab, besonders im Tatort ,Fackel‘, in dem die Ursache eines katastrophalen Hochhausbrandes vertuscht werden soll. Azadi und Kulina sind gegensätzliche Figuren mit gemeinsamen Erfahrungen von Ausgrenzung - sie hat, wie Foroutan, iranische, er, wie Hasanović, bosnische Wurzeln. Bei ihren Ermittlungen scheinen komplexe Erfahrungswelten durch, die im Tatort selten so authentisch erzählt wurden“, heißt es in der Jurybegründung.
QMS RESPECT Award
Der QMS RESPECT Award geht an Karin Hanczewski und Godehard Giese. Sie initiierten 2021 die Coming-out Aktion #ActOut, mit der 185 Schauspielerinnen und Schauspieler sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-binär und trans outeten und verschlossene Türen in Sendern und Theatern kritisierten. Mit dem QMS RESPECT Award zeichnet die Queer Media Society (QMS) Personen aus, die sich für queere Sichtbarkeit in der Filmbranche einsetzen. Der Preis wurde auf Initiative von Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels 2025 erstmals vergeben und ist nicht dotiert.
„Sichtbarkeit – das war das Signal, das 185 Schauspieler*innen vor nunmehr fünf Jahren sendeten. Unter dem Label #ActOut schilderten sie den beruflichen Druck, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu verschweigen und forderten ein Ende der Diskriminierung. Es darf nicht sein, dass Besetzbarkeit abhängig ist von der persönlichen Identität. Die Veröffentlichung war über Monate mit Unterstützung der QMS gemeinsam mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung vorbereitet worden und entfachte eine Resonanz, die weit über die Schauspielbranche reichte. Die lange Zeit der Planung zeigte auch, wie stark die Ressentiments in der Schauspielbranche verwurzelt waren und dass diese endlich aufgebrochen wurden. Die besondere Leistung von Karin Hanczewski und Godehard Giese liegt in der Verbindung von persönlichem Risiko und strukturellem Engagement. Beide waren zum Zeitpunkt der Aktion etablierte Schauspieler*innen und nutzten ihre Sichtbarkeit, um die gesellschaftliche Debatte über Casting, Repräsentation und Entscheidungsstrukturen anzustoßen. Eine Debatte, die nichts an Aktualität eingebüßt hat“, lautet die Jurybegründung.
Die Queer Media Society ist eine ehrenamtlich organisierte, aktivistische Initiative queerer Medienschaffender. Sie engagiert sich für gesellschaftliche Offenheit und Akzeptanz und setzt sich für Sichtbarkeit und Repräsentanz queerer Menschen und Inhalte in den Medien ein.
Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption
Die Frankfurter Buchmesse vergibt den „Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption“. In diesem Jahr wird der Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ausgezeichnet. Regisseur und Drehbuchautor ist Volker Schlöndorff. Die Geschichte basiert auf Jenny Erbenbecks gleichnamigem Roman von 2007.
„Heimsuchung ist eine Adaption, die Geschichte nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Volker Schlöndorff verfilmt Jenny Erpenbecks Bestseller mit großer Klarheit: Ein Haus an einem märkischen See wird zum Mittelpunkt – und zum Spiegel eines ganzen Jahrhunderts. Der Film zeigt, wie politische Umbrüche in den Alltag eindringen: in Familien, Beziehungen, Körper und Entscheidungen. Über die wechselnden Bewohner*innen verdichten sich Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Krieg, DDR und Wende nicht zur bloßen Chronik, sondern zu prägenden Erfahrungen von Verlust, Vertreibung, Schweigen und Neubeginn. So entsteht ein präzises Panorama von Schicksalen, in dem Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit immer wieder neu verhandelt werden. Volker Schlöndorff arbeitet mit einer ruhigen, zurückgenommenen Bildsprache. Landschaft und Jahreszeiten stehen nicht für Idylle, sondern bilden den Hintergrund, vor dem die Brüche der Biografien sichtbar werden. Die Natur bleibt, während Menschen verschwinden und neue Geschichten beginnen. Das überzeugende Ensemble verleiht den Figuren eine große Präsenz. ‚Heimsuchung‘ ist damit ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Literaturadaption. Der Film bewahrt die Genauigkeit und Haltung der Vorlage – und findet Bilder für das, was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende“, begründet Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, seine Entscheidung.
Der undotierte Preis zeichnet Literaturadaptionen aus, denen es in besonderer Weise gelingt, einen literarischen Stoff originell, eigenständig und dennoch nah an der Vorlage visuell umzusetzen. Die Auswahl erfolgt als „Director’s Choice“.
Die ausgezeichneten Kinos
Nicht-gewerbliche Kinos
Gewerbliche Kinos