Die Trophäen des Hessischen Film- und Kinopreises, stilisierte goldene Löwen

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

So wird der Hessische Film- und Kinopreis 2026

Newcomer-Preis geht an Schauspieler Joscha Bongard / Preisverleihung im Frankfurter Filmmuseum / Preisgelder bleiben konstant

Wiesbaden. Der 37. Hessische Film- und Kinopreis wird in diesem Jahr ein Abend für die Filmkunst mit Fokus auf das Wesentliche: die Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger. Am Freitag, 9. Oktober 2026, lädt Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels zur Preisverleihung ein. Die Veranstaltung findet im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums Frankfurt statt. Preise, Preisgelder und damit die Würdigung der Filmkunst bleiben bestehen. Die Namen der Nominierten sowie erste Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Film- und Kinopreises 2026 gaben Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels, Anna Schoeppe (Geschäftsführerin der Hessen Film & Medien GmbH, Mitglied der Filmpreisjury), Cécile Schortmann (Mitglied der Jury zum Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks), Niki Théron (Senior Manager International Projects & Film der Frankfurter Buchmesse) und Andrea Schütte (Queer Media Society) heute bei einem Pressegespräch im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt bekannt.

Hessische Filmszene hat sich stark entwickelt

„Der Hessische Film- und Kinopreis ist nach wie vor ein Highlight – auch wenn wir 2026 auf eine opulente Gala verzichten. Das wäre das falsche Signal in einer Zeit, in der gespart werden muss. Wir richten deshalb einen Abend für die Filmbranche aus und feiern Vielfalt, Toleranz, Demokratie und die Freiheit der Kunst“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Im zehnten Jahr der Hessen Film & Medien GmbH, zeigt sich klarer denn je, wie stark sich die hessische Filmszene entwickelt hat. Eine junge Generation von Regisseurinnen, Regisseuren, Produzenten und Produzentinnen hat eigene künstlerische Ausdrucksweisen entwickelt und ist national und international sichtbar. Wir schaffen langfristige Perspektiven für hessische Crews, Produktionsfirmen und Filmschaffende. So stärken wir Hessen als lebendigen Filmstandort. Sehr wichtig ist uns auch die Kinoförderung. Das unterstreichen wir mit der diesjährigen Veranstaltungsstätte für den Hessischen Film- und Kinopreis – und damit, dass die Preisgelder und auch die Fördermittel für den Film konstant bleiben. Die Aufstockung der Kinopreisgelder aus dem vergangenen Jahr haben wir verstetigt, um die Vielfalt der Kinolandschaft weiterhin zu unterstützen. Auch die Kooperationen mit dem Hessischen Rundfunk, der Frankfurter Buchmesse und der Queer Media Society führen wir fort.“

Die Moderation des Hessischen Film- und Kinopreises 2026 übernimmt Cécile Schortmann, unter anderem bekannt aus der 3sat-Sendung „Kulturzeit“.

Die Preistrophäen des Hessischen Film- und Kinopreises.

Filmkunst würdigen

Hessischer Film- und Kinopreis 2026

Hier gibt es die ersten Infos, Trailer und Jurybegründungen zur diesjährigen Preisverleihung.

Der Newcomer-Preis

Der mit 5.000 Euro dotierte Newcomer-Preis, über dessen Vergabe der Kunst- und Kulturminister entscheidet, geht an den Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard aus Kassel. Damit wird ein Filmemacher ausgezeichnet, der gerade mit großer Geschwindigkeit auch international auf sich aufmerksam macht.

„Joscha Bongard konnte mit seinem Abschluss- und Debütfilm ,Babystar‘ in Toronto auf einem der wichtigsten Filmfestivals Nordamerikas Weltpremiere feiern. Er wird seitdem auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt und begeistert aufgenommen. Der Film zeigt eine Influencer-Familie und setzt sich künstlerisch mit diesem gesellschaftlich und politisch relevanten Thema auseinander. Joscha Bongard behandelt in seiner scharf analysierenden Mediensatire Fragen, die uns gesellschaftlich und zunehmend auch politisch beschäftigen: Wie viel Öffentlichkeit verträgt Kindheit? Und welche Verantwortung tragen Eltern, Plattformen und letztlich auch wir als Gesellschaft? Joscha Bongard steht exemplarisch für das überaus kreative Spektrum des Filmschaffens aus Hessen“, begründet Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels seine Entscheidung.

Folgende Nominierungen hat die Jury des Filmpreises beschlossen

(Nennungen jeweils in alphabetischer Reihenfolge):

Spielfilm

A Sad And Beautiful World“ von Cyril Aris

„I’ll be gone in June“ von Katharina Rivilis

„Vaterland“ von Paweł Pawlikowski

Dokumentarfilm

„10s Across the Borders (The Beauty of Ballroom)“ von Sze-Wei Chan

„Haus 4“ von Philipp Schaeffer

„Sieben Kreise der Hölle“ von Andrzej Klamt

Kurzfilm

„Bleifrei 95“ von Emma Hütt und Tina Muffler

„Hinterland“ von Catrine Val

„Strangers with Hats“ von Petra Stipetić und Karolin Twiddy

Hochschulabschlussfilm

„Blut und Wasser“ von Nathalie Linke und Johanna Best, Hochschule Darmstadt

„Nijigen Confinement“ von Zirui Chen, Kunsthochschule Kassel

„Ob Du das selbe für mich fühlst“ von Janek Adelheim, Hochschule Darmstadt

Drehbuch

„Brennende Haut“ von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb

„Die Bären sind geblieben“ von Nur Muhammed Tarhan

„Prinzessin frisst Löwe“ von Friederike Holtz

Der Hessische Kinopreis

Der Hessische Kinopreis ist, wie im Vorjahr, mit insgesamt 215.000 Euro dotiert. Er geht an 21 gewerbliche Kinos und zehn nicht-gewerbliche Kinos. Mit den Hauptpreisen und jeweils 20.000 Euro werden das Kino Traumstern in Lich und das Mal Seh’n Kino in Frankfurt ausgezeichnet. Das Harmonie Kino in Frankfurt erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis der Kino-Jury für sein herausragendes Engagement in der Publikumsansprache. Die vollständige Liste der Kinopreisträger ist dieser Pressemitteilung angehängt. Die Jury-Begründungen stehen auf www.hessischerfilmpreis.de.

Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks

Der Hessische Rundfunk verleiht den „Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks“. Er geht an das neue Ermittlerduo des HR-Tatorts, Melika Foroutan und Edin Hasanović, die seit Herbst 2025 in Frankfurt ermitteln.

„Melika Foroutan und Edin Hasanović tasten als neues Frankfurter Tatort-Duo auf beeindruckende Weise die Bruchstellen einer Gesellschaft ab, besonders im Tatort ,Fackel‘, in dem die Ursache eines katastrophalen Hochhausbrandes vertuscht werden soll. Azadi und Kulina sind gegensätzliche Figuren mit gemeinsamen Erfahrungen von Ausgrenzung - sie hat, wie Foroutan, iranische, er, wie Hasanović, bosnische Wurzeln. Bei ihren Ermittlungen scheinen komplexe Erfahrungswelten durch, die im Tatort selten so authentisch erzählt wurden“, heißt es in der Jurybegründung.

QMS RESPECT Award

Der QMS RESPECT Award geht an Karin Hanczewski und Godehard Giese. Sie initiierten 2021 die Coming-out Aktion #ActOut, mit der 185 Schauspielerinnen und Schauspieler sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-binär und trans outeten und verschlossene Türen in Sendern und Theatern kritisierten. Mit dem QMS RESPECT Award zeichnet die Queer Media Society (QMS) Personen aus, die sich für queere Sichtbarkeit in der Filmbranche einsetzen. Der Preis wurde auf Initiative von Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels 2025 erstmals vergeben und ist nicht dotiert.

„Sichtbarkeit – das war das Signal, das 185 Schauspieler*innen vor nunmehr fünf Jahren sendeten. Unter dem Label #ActOut schilderten sie den beruflichen Druck, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu verschweigen und forderten ein Ende der Diskriminierung. Es darf nicht sein, dass Besetzbarkeit abhängig ist von der persönlichen Identität. Die Veröffentlichung war über Monate mit Unterstützung der QMS gemeinsam mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung vorbereitet worden und entfachte eine Resonanz, die weit über die Schauspielbranche reichte.  Die lange Zeit der Planung zeigte auch, wie stark die Ressentiments in der Schauspielbranche verwurzelt waren und dass diese endlich aufgebrochen wurden. Die besondere Leistung von Karin Hanczewski und Godehard Giese liegt in der Verbindung von persönlichem Risiko und strukturellem Engagement. Beide waren zum Zeitpunkt der Aktion etablierte Schauspieler*innen und nutzten ihre Sichtbarkeit, um die gesellschaftliche Debatte über Casting, Repräsentation und Entscheidungsstrukturen anzustoßen. Eine Debatte, die nichts an Aktualität eingebüßt hat“, lautet die Jurybegründung.

Die Queer Media Society ist eine ehrenamtlich organisierte, aktivistische Initiative queerer Medienschaffender. Sie engagiert sich für gesellschaftliche Offenheit und Akzeptanz und setzt sich für Sichtbarkeit und Repräsentanz queerer Menschen und Inhalte in den Medien ein.

Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption

Die Frankfurter Buchmesse vergibt den „Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption“. In diesem Jahr wird der Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ausgezeichnet. Regisseur und Drehbuchautor ist Volker Schlöndorff. Die Geschichte basiert auf Jenny Erbenbecks gleichnamigem Roman von 2007.

„Heimsuchung ist eine Adaption, die Geschichte nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Volker Schlöndorff verfilmt Jenny Erpenbecks Bestseller mit großer Klarheit: Ein Haus an einem märkischen See wird zum Mittelpunkt – und zum Spiegel eines ganzen Jahrhunderts. Der Film zeigt, wie politische Umbrüche in den Alltag eindringen: in Familien, Beziehungen, Körper und Entscheidungen. Über die wechselnden Bewohner*innen verdichten sich Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Krieg, DDR und Wende nicht zur bloßen Chronik, sondern zu prägenden Erfahrungen von Verlust, Vertreibung, Schweigen und Neubeginn. So entsteht ein präzises Panorama von Schicksalen, in dem Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit immer wieder neu verhandelt werden. Volker Schlöndorff arbeitet mit einer ruhigen, zurückgenommenen Bildsprache. Landschaft und Jahreszeiten stehen nicht für Idylle, sondern bilden den Hintergrund, vor dem die Brüche der Biografien sichtbar werden. Die Natur bleibt, während Menschen verschwinden und neue Geschichten beginnen. Das überzeugende Ensemble verleiht den Figuren eine große Präsenz. ‚Heimsuchung‘ ist damit ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Literaturadaption. Der Film bewahrt die Genauigkeit und Haltung der Vorlage – und findet Bilder für das, was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende“, begründet Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, seine Entscheidung.

Der undotierte Preis zeichnet Literaturadaptionen aus, denen es in besonderer Weise gelingt, einen literarischen Stoff originell, eigenständig und dennoch nah an der Vorlage visuell umzusetzen. Die Auswahl erfolgt als „Director’s Choice“.

Die ausgezeichneten Kinos

Nicht-gewerbliche Kinos

SpielstättePreisgeld
Kino des DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt6.000 Euro
Pupille – Kino in der Uni, Frankfurt6.000 Euro
Kommunales Kino Weiterstadt6.000 Euro
Filmforum Höchst5.500 Euro
Murnau-Filmtheater, Wiesbaden5.000 Euro
Studentischer Filmkreis an der TU Darmstadt2.500 Euro
Caligari FilmBühne, Wiesbaden2.500 Euro
Eschborn K1.500 Euro
KiezKino, Kassel1.500 Euro
naxos.Kino - Dokumentarfilm & Gespräch, Frankfurt1.500 Euro
  
Gesamt38.000 Euro

 

Gewerbliche Kinos

SpielstättePreisgeld
Mal seh'n Kino, Frankfurt20.000 Euro
Kino Traumstern, Lich20.000 Euro
Harmonie, Frankfurt17.500 Euro
Harmonie, Frankfurt, SONDERPREIS5.000 Euro
Filmladen Kassel15.000 Euro
BALi-Kinos, Kassel11.000 Euro
Lichtspielhaus Lauterbach11.000 Euro
Capitol Kino Witzenhausen9.000 Euro
Cinéma, Frankfurt8.500 Euro
Capitol Filmkunsttheater Marburg8.000 Euro
CasaBlanca Art House, Bad Soden am Taunus7.500 Euro
FilmBühne Bad Nauheim6.500 Euro
Eldorado, Frankfurt5.000 Euro
Lichtburg Filmtheater, Langen4.500 Euro
Kronberger Lichtspiele4.500 Euro
Gloria Kino, Kassel4.000 Euro
programmkino rex, Darmstadt4.000 Euro
Filmklubb Offenbach4.000 Euro
Saalbau Lichtspiele, Rodgau3.000 Euro
Cinema Kino Wolfhagen3.000 Euro
Bambi & Camera, Bad Schwalbach3.000 Euro
Butzbacher Filmtheater3.000 Euro
  
Gesamt177.000 Euro

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