Eine Inkunabel mit dem Werk des italienischen Franziskaner Mönchs und apostolischen Nuntius Angelus Carletti

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Landesprogramm Bestandserhaltung fördert Schriftgut-Rettung mit 1,5 Millionen Euro

Förderprogramm wird neu ausgeschrieben – Anträge bis zum 18. Februar 2022 einreichen

Wiesbaden. Säurefraß, Schimmelbildung, Verschmutzungen – das historische Schriftgut in den hessischen Archiven und Bibliotheken ist von vielfältigen Schäden bedroht. Mit dem Landesprogramm Bestandserhaltung unterstützt das Land Hessen öffentliche Archive und Bibliotheken darin, diese Kulturschätze zu bewahren. In diesem Jahr konnten 20 Projekte, die die Rettung von Schriftgut zum Ziel hatten, gefördert werden. Auch im kommenden Jahr wird das Landesprogramm neu ausgeschrieben. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellt dafür wieder 1,5 Millionen Euro bereit.

Verantwortung fürs schriftliche Erbe

„Wir tragen Verantwortung, unser schriftliches kulturelles Erbe zu sichern und zu erhalten. Mit unserem Förderprogramm möchten wir Archiven und Bibliotheken bei dieser großen Herausforderung helfen, um mit modernen Materialien und Techniken dem Zerfall ihres Kulturgutes entgegenzuwirken. Mir ist es deshalb wichtig, dass wir das Landesprogramm fortschreiben. Ich möchte alle kommunalen Archivträger anspornen, sich an unserem Landesprogramm zu beteiligen“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn.

Inkunabeln und Handschriften gerettet

Vom Landesprogramm Bestandserhaltung profitierte 2021 zum Beispiel die Universitätsbibliothek Marburg: Sie konnte fünf Inkunabeln, also Werke aus der Frühzeit des Buchdrucks, und 18 mittelalterliche Handschriften restaurieren lassen. Bei der Restaurierung wurden schadhafte Stellen durch Wurmfraß im Deckel gefestigt, Hohlstellen fixiert und Fehlstellen mit farblich angepasstem Leder ergänzt. Die Universitätsbibliothek Gießen ließ fünf mittelalterliche theologische Handschriften des 15. Jahrhunderts aus dem Fraterherrenstift zu Butzbach restaurieren. Risse, Einbandschäden und Tintenfraß bedrohten den Bestand; letzterer entsteht durch säurehaltige Tinte, die das Papier brüchig macht. Die Expertinnen und Experten neutralisierten den Säuregehalt der Tinte und retteten so die Schriften.

Bedrohung durch Zerfallsprozess

Selbst bei fachgerechter Lagerung in Archiven und Bibliotheken zerfallen viele Papiere aufgrund herstellungsbedingter chemischer Prozesse. Etwa die Hälfte des Kulturguts in den hessischen Archiven und Bibliotheken ist alleine von diesem Zerfallsprozess betroffen. Es stehen moderne Verfahren wie die sogenannte Massenentsäuerung zur Verfügung, um solche fortschreitenden Schäden nachhaltig zu stoppen. Fachgerechte Reinigung und Verpackung des Kulturguts helfen, weitere Schäden zu vermeiden. Aber auch dringend notwendige Restaurierungsarbeiten an kostbaren Einzelstücken, Bauplänen, Karten und alten Amtsbüchern ist äußerst kostspielig und für viele Archive und Bibliotheken aus eigenen Mitteln nicht möglich. Das Landesprogramm hilft den Einrichtungen, für ihre Einzelobjekte individuelle Lösungen zu finden und mit erstklassigen innovativen Techniken umzusetzen. Um das Antragsverfahren für den Erhalt schriftlichen Kulturguts in Hessen archiv- und bibliotheksübergreifend zu koordinieren, wurde am Hessischen Landesarchiv eine zentrale Koordinierungsstelle Bestandserhaltung Hessen (KBH) eingerichtet. Sie fungiert gleichzeitig für alle Archive und Bibliotheken als zentraler Ansprechpartner bei Förderprogrammen des Landes und auch des Bundes.

Für die nächste Förderrunde des Landesprogramms Bestandserhaltung können sich öffentliche Archive und Bibliotheken in Trägerschaft des Landes Hessen, der hessischen Hochschulen sowie der Landkreise, Städte, Gemeinden und Kirchen in Hessen bis zum 18. Februar 2022 bewerben.

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