Die Frankfurter Buchmesse vergibt den „Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption“. 2026 wird der Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ausgezeichnet. Regisseur und Drehbuchautor ist Volker Schlöndorff. Die Geschichte basiert auf Jenny Erbenbecks gleichnamigem Roman von 2007.
„Heimsuchung ist eine Adaption, die Geschichte nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Volker Schlöndorff verfilmt Jenny Erpenbecks Bestseller mit großer Klarheit: Ein Haus an einem märkischen See wird zum Mittelpunkt – und zum Spiegel eines ganzen Jahrhunderts. Der Film zeigt, wie politische Umbrüche in den Alltag eindringen: in Familien, Beziehungen, Körper und Entscheidungen. Über die wechselnden Bewohner*innen verdichten sich Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Krieg, DDR und Wende nicht zur bloßen Chronik, sondern zu prägenden Erfahrungen von Verlust, Vertreibung, Schweigen und Neubeginn. So entsteht ein präzises Panorama von Schicksalen, in dem Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit immer wieder neu verhandelt werden. Volker Schlöndorff arbeitet mit einer ruhigen, zurückgenommenen Bildsprache. Landschaft und Jahreszeiten stehen nicht für Idylle, sondern bilden den Hintergrund, vor dem die Brüche der Biografien sichtbar werden. Die Natur bleibt, während Menschen verschwinden und neue Geschichten beginnen. Das überzeugende Ensemble verleiht den Figuren eine große Präsenz. ‚Heimsuchung‘ ist damit ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Literaturadaption. Der Film bewahrt die Genauigkeit und Haltung der Vorlage – und findet Bilder für das, was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende“, begründet Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, seine Entscheidung.