Jurybegründung:
Mit „I’ll Be Gone in June“ legt Katharina Rivilis ein sensibles, atmosphärisches Coming-of-Age-Drama und ein vielschichtiges Debüt vor. Im New Mexico des Jahres 2001 begleitet der Film die deutsche Austauschschülerin Franny durch Fremdheit, erste Liebe und eine von 9/11 erschütterte Gesellschaft. Rivilis beobachtet diese Welt mit Geduld und Präzision: Das Spiel mit Unschärfe, groben Texturen und flüchtigen Momenten verleiht den Bildern eine sinnliche, erinnerungshafte Qualität. Kamerafrau Giulia Schelhas fängt Wüste, Hitze und jugendliche Verlorenheit in fantastischen Kompositionen ein. Naomi Cosma, David Flores und das Ensemble schaffen in ihrem intimen Zusammenspiel Figuren von berührender Wahrhaftigkeit. Eine ausgezeichnete Musikauswahl trägt den eigenwilligen Rhythmus des Films, der historische Zäsur und persönliche Zeitenwende subtil verbindet. „I’ll Be Gone in June“ ist ein eigenständiges Debütjuwel: lebendig, melancholisch und getragen von einer unverwechselbaren Regiehandschrift.