Jurybegründung:
Mit „Vaterland“ schafft Paweł Pawlikowski ein Werk von radikaler formaler Klarheit und großer historischer wie emotionaler Tiefe. In präzise komponierten Schwarz-Weiß-Bildern folgt der Film Thomas und Erika Mann durch das Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949 – eine Reise durch ein zerstörtes, geteiltes Land hin zu Fragen von Herkunft, Schuld und Zugehörigkeit. Jede Szene sitzt, jede Einstellung trägt; Łukasz Żals Kamera und Pawlikowskis makellose Regie verdichten große Geschichte zu einem intimen, bewegenden Beziehungsdrama. Hanns Zischler verleiht Thomas Mann stille Ambivalenz, Sandra Hüller begegnet ihm als Erika mit schneidender Klugheit, Wärme und verletzlicher Kraft. Besonders bestechend ist, wie der Film die Vereinnahmung von Kunst und Künstlern durch konkurrierende politische Systeme sichtbar macht und nach der Möglichkeit künstlerischer Integrität fragt. Handwerklich von Weltklasse, formal brillant und frei von Überhöhung, entfaltet „Vaterland“ nachhaltige Wirkung.