Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels mit den Preisträgerinnen und Preisträgern des Hessischen Denkmalschutzpreises 2026.

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Hessischer Denkmalschutzpreis 2026: 40 Jahre Leidenschaft fürs kulturelle Erbe

Preisverleihung zum runden Geburtstag im Lokschuppen Marburg

Wiesbaden/Marburg. Seit 40 Jahren ehrt das Land mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis Menschen, die mit Leidenschaft, Mut und Ausdauer unser kulturelles Erbe bewahren. Bei der heutigen Preisverleihung im Lokschuppen Marburg wurde dieser runde Geburtstag gefeiert. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hat den Preisträgerinnen und Preisträgern den Hessischen Denkmalschutzpreis 2026 überreicht. Sie stammen aus Künzell (Landkreis Fulda), Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis), Limburg, Fulda, Schlitz (Vogelsbergkreis), Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis), Kronberg (Hochtaunuskreis), Nidda (Wetteraukreis), Darmstadt und Wiesbaden. Zudem standen Talkrunden, Musik und Ausstellungen der bisher geehrten Projekte auf dem Programm.

Es geht um mehr den Erhalt alter Gebäude

„Die Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises zeigen seit 40 Jahren eindrucksvoll, dass es beim Denkmalschutz um mehr geht als den Erhalt alter Gebäude: Sie schenken historischen Orten eine Zukunft und machen Geschichte für kommende Generationen erlebbar“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Mit großem handwerklichem Können, hohem finanziellen Einsatz, privatem und oft ehrenamtlichem Engagement leisten sie einen unschätzbaren Beitrag für die Identität unseres Landes. Ihnen gelten unser besonderer Dank und unsere Anerkennung. Das unterstreichen wir auch mit unserem neuen Hessischen Denkmalschutzgesetz, das zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Damit schaffen wir einen modernen, digitalen und bürgernahen Rechtsrahmen für den Umgang mit unserem kulturellen Erbe.“

Rund 280 Denkmäler bisher ausgezeichnet

Der Hessische Denkmalschutzpreis wurde 1986 vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen und der LOTTO Hessen GmbH ins Leben gerufen. In diesem Jahr ist er mit 25.000 Euro dotiert; das Geld stiftet die LOTTO Hessen GmbH. Das Preisgeld für die Kategorie Ehrenamtspreis in Höhe von 7.500 Euro stellt die Hessische Staatskanzlei. Insgesamt wurden in den vergangenen 40 Jahren rund 280 Objekte ausgezeichnet. Hinzukommen 28 Preisträgerinnen und Preisträger des Ehrenamtspreises. Aus den Erlösen der Rubbellose, die 1986 erstmals in den Verkauf gingen, sind bis heute mehr als 117 Millionen Euro für den Denkmalschutz zusammengekommen.

Denkmalschutzpreis

Das Fachwerkhaus Hünstetten von außen

Denkmalschutzpreis

Das sind die preisgekrönten Objekte

Der Hessische Denkmalschutzpreis ehrt Privatpersonen und Organisationen, die mit individuellen Lösungen, handwerklich-technischem und besonderem Einsatz Denkmäler instandgesetzt oder erforscht haben.

„40 Jahre Hessischer Denkmalschutzpreis stehen für 40 Jahre gelebtes Engagement für unser kulturelles Erbe. Rund 280 ausgezeichnete Objekte aus allen Teilen Hessens erzählen von Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich mit Leidenschaft und Ausdauer für den Erhalt unserer Denkmäler einsetzen. Sie zeigen, dass Denkmalpflege weit mehr ist als der Schutz historischer Bauten: Sie lebt von den Menschen, die sich ihrer Geschichte verbunden fühlen und bereit sind, sich für die Zukunft einzusetzen. Ich danke allen Eigentümerinnen und Eigentümern, Vereinen und Initiativen, die mit Ideenreichtum, Mut und persönlichem Einsatz dazu beitragen, unsere Geschichte lebendig zu erhalten. Der Hessische Denkmalschutzpreis macht dieses Engagement sichtbar und würdigt herausragendes Engagement“, hebt Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, hervor.

Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von LOTTO Hessen, betont: „Vor vier Jahrzehnten hatten meine Vorgänger bei LOTTO Hessen die geniale Idee, Glücksspiel und Denkmalschutz gemeinsam zu denken. Es war die Geburtsstunde des Rubbelloses, das sich stetig wachsender Beliebtheit bei unseren Kundinnen und Kunden erfreut, und damit verbunden auch des Hessischen Denkmalschutzpreises. Alle Reinerträge aus den Losverkäufen gehen in den Erhalt unseres kulturellen Erbes. So hilft LOTTO Hessen.“

Drei erste Preise

Einen Ehrenpreis der Jury, einen von drei ersten Preisen und 5.000 Euro Preisgeld erhält die Loheland-Stiftung für die Instandsetzung der „Waggonia“ in der Reformsiedlung Loheland in Künzell (Landkreis Fulda). Im Jahr 1919 errichteten Frauen hier eine Siedlung. Lernen, Arbeiten und Leben sollten Hand in Hand gehen. Herzstück ist die „Waggonia“, ausrangierte und zu Wohnungen und Ateliers ausgebaute Waggons der Reichsbahn. Die Jury wertete die Instandsetzung der „Waggonia“ als außerordentliches Zeugnis der Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts.

Ein weiterer erster Preis und 5.000 Euro gehen an Stefan Jökel und Peter Jökel für die Sanierung des Langwerther Hofs in Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis). Die Instandsetzung des ehemaligen Kutschenhauses und des Lichtenstern´sches Palais stehe beispielhaft für die Bewahrung regionaler Stadtbau- und Handwerkskunst, so die Jury. Trotz der hohen Kosten haben die Eigentümer den Hof denkmalgerecht gesichert und behutsam zeitgemäßes Wohnen in dem historischen Ensemble realisiert.

Auch Dipl.-Ing. Klaus Langschied bekommt für die Sanierung des Hauses am Roßmarkt 7 in Limburg einen ersten Preis und 5.000 Euro. Die Jury würdigte seinen Mut, sich für die Instandsetzung eines substanziell stark geschädigten Hauses aus dem 14./15 Jahrhundert zu engagieren, bei dem nicht absehbar war, ob es erhalten werden kann. Mit sehr hohem Aufwand rettete Klaus Langschied die historische Fachwerkkonstruktion. Dabei verwendete er denkmalgerechte und ökologische Materialien wie Lehm, Schiefer und Leinölfarben.

Zwei zweite Preise

Mit einem zweiten Preis und 3.000 Euro wird Björn Helfrich für die Instandsetzung des Saalbaus Fuldaer Hof in Fulda ausgezeichnet. Der 1903 errichtete Saalbau ist ein bedeutendes Zeugnis des dörflichen Vereinslebens der Kaiserzeit. Seine besondere Bedeutung verdankt er der historischen Ausmalung des Kirchenmalers Hugo Pfister aus den 1920er Jahren sowie der Verbindung zum Künstler Franz Erhard Walther, dessen Familie den Saal erbauen ließ. Dank des Einsatzes von Preisträger Björn Helfrich wurde ein fast vergessener Ort wieder zu einem lebendigen Mittelpunkt des kulturellen Lebens im Ort.

Ein weiterer zweiter Preis und 3.000 Euro Preisgeld gehen an Claudia und Hartmut Dietz für die Sanierung der Grafenscheune in Schlitz. Die seit Jahren leerstehende Grafenscheune am Schlosspark drohte zu verfallen. Die Eigentümer retteten das Kulturdenkmal und nutzten es zu einem Mehrfamilienwohnhaus mit barrierefreien Wohnungen um – inklusive Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer Photovoltaikanlage.

Zwei dritte Preise

Auch der dritte Preis wird zweimal vergeben und ist mit je 2.000 Euro dotiert. Geehrt werden Dr. Astrid Wegener und Ernst Wegener für den Erhalt eines Ackerbürgerhauses in Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis). Sie haben das Anwesen in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden schrittweise saniert. Dabei war es ihr Ziel, so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten und Zeugnisse der Geschichte der seit dem 19. Jahrhundert betriebenen Spedition ebenso zu erhalten wie die Spuren der nach dem Krieg einquartierten Flüchtlingsfamilien.

Ein weiterer dritter Preis und 2.000 Euro Preisgeld gehen an Iris Meenken und Matthias Meenken sowie Paulina Meenken und Thomas Scheller für die Instandsetzung des Hauses Hembus in Kronberg (Hochtaunuskreis). Das 1689 erbaute Fachwerkgebäude in Kronberg gelangte 2023 in den Besitz der Familie Meenken. Eindringende Feuchtigkeit hatte dem Gebäude über viele Jahre zugesetzt. Für die Eigentümer ist die Sanierung ein generationenübergreifendes Familienprojekt. Mit großem Respekt vor der Geschichte des Hauses ist es ihnen gelungen, zeitgemäßen Wohnkomfort in vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden und Handwerksbetrieben zu verwirklichen.

Das Dotzheimer Stellwerk

Der Ehrenamtspreis der Hessischen Staatskanzlei

Der mit jeweils 2.500 Euro dotierte, von der Hessischen Staatskanzlei gestiftete Ehrenamtspreis geht an drei Vereine: Nassauische Touristik-Bahn e. V., Darmstadtia e. V. und Freunde des Steinbruchs Michelnau e. V..

Der Verein Nassauische Touristik-Bahn e. V. aus Wiesbaden wird für sein Engagement für die Revitalisierung der Aartalbahn geehrt. Die Aartalbahn verband einst die Weltkurstadt Wiesbaden mit dem Frauenheilbad Langenschwalbach, dem heutigen Bad Schwalbach. Die Mitglieder wollen die historischen Zeitschichten bewahren und die Bahn als funktionsfähiges technisches Denkmal erhalten.

Blick auf den historischen Alstadtbrunnen

Der Verein Darmstadtia bekommt den Ehrenamtspreis für die Restaurierung und Wiederaufstellung des historischen Altstadtbrunnens in Darmstadt. Er wurde 1862 errichtet und stand bis zur Zerstörung der Darmstädter Altstadt vor dem heutigen Justus-Liebig-Haus. Nun hat die Stadt einen der wenigen baulichen Zeitzeugen zurückgewonnen.

Blick in den Steinbruch Michelnau

Die Freunde des Steinbruchs Michelnau e. V. in Nidda wiederum bekommen die Auszeichnung für den Schutz und Erhalt eines unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Steinbruchs. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Stilllegung Ende der 1980er Jahre wurde in Michelnau der Michelnauer Tuffstein abgebaut. Der Verein vermittelt Kulturgeschichte, Geologie und Naturkunde des Ortes.

Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatssekretär Benedikt Kuhn, lobt den leidenschaftlichen Einsatz der Menschen für Denkmäler: „Ehrenamt in der Denkmalpflege ist mehr als die Pflege von Gebäuden – es ist ein lebendiger Ausdruck unserer kulturellen Identität und unserer Verbundenheit mit der Geschichte unseres Landes. Menschen, die sich mit Leidenschaft und großer Hingabe für den Erhalt historischer Bauwerke einsetzen, leisten damit einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander und stärken den Zusammenhalt in ihren Gemeinden und Städten. Dieses Engagement verdient unsere besondere Wertschätzung und Unterstützung. Als Land Hessen honorieren wir es daher mit dem Ehrenamtspreis in Höhe von 7.500 Euro. Mit der Nassauischen Touristik-Bahn, Darmstadtia und den Freunden des Steinbruchs Michelnau ehren wir heute drei Vereine, die Geschichte nicht nur bewahren, sondern lebendig machen: Sie setzen technische Denkmäler instand, holen vergessene Brunnen zurück ins Stadtbild und schützen einzigartige Natur- und Kulturorte. Ihr Engagement zeigt, dass Ehrenamt mehr ist als Hilfe – es ist Heimatpflege mit Herz und Verstand.“

Übersicht der Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises 2026

ObjektPreisträgerPreisPreisgeld
Waggonia in Loheland, KünzellLoheland-StiftungErster Preis und Ehrenpreis5.000 Euro
Langwerther Hof in EltvilleStefan Jökel und Peter JökelErster Preis5.000 Euro
Rossmarkt 7 in LimburgDipl.-Ing. Klaus LangschiedErster Preis5.000 Euro
Saalbau Fuldaer Hof in Fulda-MaberzellBjörn HelfrichZweiter Preis3.000 Euro
Grafenscheune in SchlitzClaudia und Hartmut DietzZweiter Preis3.000 Euro
Ackerbürgerhof in SpangenbergDr. Astrid Wegener und Ernst WegenerDritter Preis2 000 Euro
Haus Hembus in KronbergIris Meenken und Matthias Meenken, Paulina Meenken und Thomas SchellerDritter Preis2.000 Euro  
    
Revitalisierung der AartalbahnNassauische Touristik-Bahn e.V.Ehrenamtspreis der Hessischen Staatskanzlei2.500 Euro
Restaurierung des historischen Altstadtbrunnens in DarmstadtDarmstadtia e.V.Ehrenamtspreis der Hessischen Staatskanzlei2.500 Euro
Erhalt des Natur- und Industriedenkmals Steinbruch MichelnauFreunde des Steinbruchs Michelnau e. V.Ehrenamtspreis der Hessischen Staatskanzlei2.500 Euro

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