Prof. Dr. Eva Waller, Präsidentin der Hochschule RheinMain: „Ich freue mich sehr, dass das Ministerium Dr. Volkan Çıdam nominiert hat. Neben seiner fachlichen Eignung, seiner Arbeit zur Demokratietheorie, ist die Biographie politischer Dissidenz von Dr. Volkan Çıdam eine Inspiration. Eine Inspiration für unsere Studierenden, für die Zivilgesellschaft, und die Demokratie. Mit der Paulskirchen Professur möchten wir als Hochschule für angewandte Wissenschaften in die Stadtgesellschaft hineinwirken und darüber hinaus, sodass die Hochschule und die demokratisch interessierte Öffentlichkeit näher zusammenrücken.“
Dr. Volkan Çidam lehrte bis Ende 2025 als Politikwissenschaftler an der Boğazçi Universität in Istanbul. Er forscht über den Zusammenhang von Demokratietheorie und Kritischer Theorie. Dr. Çidam vertritt und vermittelt unter anderem das Erbe der Frankfurter Schule in der Türkei und international. Promoviert wurde Dr. Çidam an der Goethe-Universität Frankfurt.
"Freue mich, internationale Erfahrungen einzubringen"
Dr. Volkan Çidam: „Wir leben heute in einem globalen Zeitalter zunehmend autoritär regierter Staaten, in der Wissenschaft und Wissenschaftsfreiheit unter erheblichen Druck geraten. Auch in etablierten Demokratien sind entsprechende Entwicklungen nicht ausgeschlossen. Eine zentrale Gegenstrategie besteht darin, die gesellschaftliche Bedeutung der Wissenschaft praktisch sichtbar zu machen und Studierenden nicht nur analytische Kompetenzen zu vermitteln, sondern sie auch mit demokratischen Organisationen und politischen Auseinandersetzungen vertraut zu machen. Die während meines Forschungsprojekts geplanten Veranstaltungen sind auf diese Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis ausgerichtet. Ich freue mich, erster Träger der Paulskirchen Professur zu sein und meine langjährigen Erfahrungen an der international stark vernetzen Boğazçi Universität in Istanbul in meine Tätigkeit in Wiesbaden einzubringen.“
Die Anträge der Hochschulen für die Besetzung der Paulskirchen Professur wurden in einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren durch anerkannte außerhessische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begutachtet. Der Antrag der Hochschule RheinMain beeindruckte durch die demokratische Widerstandsfähigkeit. Mit seiner Arbeit gelingt es ihm, die Brücke von der Türkei nach Deutschland zu schlagen. Dass diese erste Paulskirchen Professur an einen Wissenschaftler gehen soll, der politisch verfolgt ist, steht in der Tradition der Paulskirche und der Beratungen für den Verfassungsentwurf.
Das plant Dr. Çidam
Neben der Lehre zur „Demokratie der Moderne“ und einem Forschungsprojekt zur „Dialektik der Erinnerung“ plant Dr. Çidam, mit der Gastprofessur auch nach außen zu wirken. Angedacht sind etwa eine Public Lecture, ein Demokratiefestival und ein Gesprächsforum. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie eine demokratische Gegenöffentlichkeit sich auch im Angesicht repressiver Verhältnisse organisieren lässt. Als bleibendes Ergebnis der Gastprofessur soll ein Präventionskonzept für die Institutionalisierung von Demokratieförderung durch angewandte Wissenschaften entstehen.
Über die Paulskirchen Professur
Die Paulskirchen Professur spricht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die zu Demokratie in Geschichte und Gegenwart forschen und eine internationale Perspektive mitbringen. Sie können ein Jahr an einer hessischen Hochschule forschen und lehren. Für die Professur stellt das Wissenschaftsministerium bis zu 330.000 Euro pro Jahr bereit, mit denen die gastgebende Hochschule neben der Wissenschaftlerin oder dem Wissenschaftler auch ein wissenschaftliches und in die Bürgergesellschaft reichendes Rahmenprogramm finanziert.