Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

„Spencer“ erhält Spielfilm-Preis beim Hessischen Film- und Kinopreis 2022

Preis des Hessischen Rundfunks für beste schauspielerische Leistung an Lea Drinda / Auszeichnungen wurden in drei Kinos vergeben

Frankfurt/Wiesbaden. Beim letzten von drei Kinoabenden zum 33. Hessischen Film- und Kinopreis wurde am Freitag im Frankfurter Kino Eldorado „Spencer“ in der Regie von Pablo Larraín in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet. Der Hessische Rundfunk vergab seinen Preis für die beste schauspielerische Leistung an Lea Drinda, die Hauptdarstellerin der ZDFneo-Serie „Becoming Charlie“. Die Preise in den anderen Kategorien waren am Mittwoch und Donnerstag in Bad Nauheim und Kassel vergeben worden. Eine Gala gabes in diesem Jahr angesichts der durch die Corona- und die Energiekrise getroffenen Kino- und Filmbranche nicht; die eingesparten Kosten kommen den Kinopreisträgern zusätzlich zugute.

 

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Eingang der FilmBühne in Bad Nauheim, man sieht einen Gang mit rotem Teppich, lebensgroßer Oscar-Statue und roten Vorhängen

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Der Hessische Film- und Kinopreis 2022

Der Hessische Film- und Kinopreis 2022 wurde Ende November in drei Veranstaltungen in Kinos in Bad Nauheim, Kassel und Frankfurt vergeben.

„Einmal im Jahr blicken wir auf die hervorragenden hessischen Filmproduktionen und die tolle Kinoarbeit in ganz Hessen und sagen allen Akteurinnen und Akteuren Danke für ihr Engagement. Diesmal tun wir das aufgrund der besonderen Situation nicht bei einer Gala, sondern dort, wo der Film hingehört – in Kinos, vor Kinopublikum“, erklärte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Das gibt uns auch Gelegenheit, die ausgezeichneten Filme in voller Länge zu zeigen und damit zu demonstrieren: Der Film braucht das Kino, das Kino braucht das Publikum, das Publikum braucht tolle Filme – und die werden auch in Hessen gemacht. Und wir wollen zusätzliche Aufmerksamkeit auf die hessenweite Vielfalt und Qualität der Kinos lenken. Christoph Bausch, Hausherr im Eldorado, ist ein mutiger und kundiger Kinomacher, der mit der Harmonie und dem Cinéma schon zwei wichtige Frankfurter Kinos zu neuem Leben erweckt hat, mit attraktiven Räumlichkeiten, einem vielfältigen Programm und innovativen Formaten. Dass er mitten in der Pandemie auch das Eldorado übernommen und vor der Schließung bewahrt hat, ist ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Kulturorts Kino.“

Die Vergabe des mit 18.000 Euro dotierten Spielfilm-Preises an Pablo Larraín und „Spencer“ begründet die Jury des Filmpreises wie folgt: „Filme, die das Kino wirklich lieben, die die große Leinwand wirklich brauchen, sind selten geworden. Der große Stilwille und die beeindruckenden Bilder tragen in diesem Film dazu bei, dem Innenleben einer Ikone des 20. Jahrhunderts in ungewöhnlicher Weise und Intensität nahe zu kommen. Larraín ist mit ,Spencer‘ gelungen, dem Mythos Diana neue Facetten abzugewinnen, Bekanntes neu zu interpretieren. In großen Bildern – gedreht unter anderem im wunderschönen Interieur des hessischen Schlosshotels Kronberg – erzählt er von einer gequälten Frau, die droht, zwischen Pflichtgefühl und Freiheitsdrang zu zerreißen. Kristen Stewart erweitert die bekannten Dianabilder um ihre ganz eigene, beeindruckende Interpretation. Die innere Zerrissenheit der Hauptfigur wird auf sämtlichen Ebenen des Films verhandelt. Bis in jedes Detail ist der Film herausragend gestaltet, besonders hervorheben möchte die Jury das Drehbuch von Steven Knight, die Bilder von Claire Mathon und den denkwürdigen Score aus der Feder von Jonny Greenwood. Pablo Larraín hat Neues im Bekannten gesucht und uns allen ein cineastisches Geschenk gemacht.“ Nominiert waren außerdem „Servus Papa – See you in Hell“ von Christopher Roth und „Peterchens Mondfahrt“ von Ali Samadi Ahadi. Das Nominierungsgeld beträgt 4000 Euro.

Szene aus "Becoming Charlie": Lea Drinda steht vor einer Wand und blickt herausfordernd in die Kamera

Der Hessische Rundfunk vergab den undotierten Preis für die beste schauspielerische Leistung an Lea Drinda für die Hauptrolle in der ZDFneo-Serie („neoriginal“) „Becoming Charlie“: „Lea Drinda macht in ,Becoming Charlie‘ von der ersten Minute an Staunen, weil sie sich in ihrem Spiel ganz eigene Wege bahnt, in keine (der in dieser Mini-Serie ansonsten nicht ganz ausgesparten) Schablonen passt“, erklärt Cécile Schortmann, die beim Hessischen Rundfunk für den Preis verantwortlich zeichnet. „Wie ihre in prekären Offenbacher Verhältnissen aufgewachsene Charlie zwischen verschiedenen Identitäten mäandert und sich ihrem biologischen Geschlecht entgegenstellt, sich dann auch innerlich davon befreit, das ist eindrucksvoll. Lea Drinda entzieht der Coming Out Geschichte einer nicht-binären Person die Schwere, indem sie ihrer Figur eine gewisse Selbstdistanz und Ironie schenkt. Mehr davon!“

Bereits am Mittwoch hatte in der FilmBühne Bad Nauheim der Filmverleih jip film & verleih GbR den Newcomerpreis erhalten. Vergeben wurden dort auch die Preise in der Kategorie Kurzfilm an Nicolas Gebbe für „The Sunset Special“ und in der Kategorie Hochschulabschlussfilm an Bente Rohde und Elisa Mand (Hochschule Darmstadt) für „Ein Leben auf See“. Außerdem wurden acht Kinos mit Kinopreisen für nicht gewerbliche Kinos ausgezeichnet: Murnau Filmtheater (Wiesbaden), Filmforum Höchst, Filmkreis – Das Unikino in Darmstadt, Kino Pupille (Frankfurt), Kommunales Kino Weiterstadt, naxos.Kino (Frankfurt), Kino des Deutschen Filmmuseums (Frankfurt), Caligari FilmBühne (Wiesbaden). Am Donnerstag wurden im BALi-Kino in Kassel der Dokumentarfilm „Mutter“ von Carolin Schmitz sowie Agnieszka Piwowarska für ihr Drehbuch „Vor Marie“ ausgezeichnet. Die Kinopreise für gewerbliche Kinos gingen an: Casablanca Art House (früher Kult Kinobar, Bad Soden), Mal seh’n (Frankfurt), Filmladen Kassel, BALi-Kinos Kassel, Harmonie Kinos (Frankfurt), Kino Traumstern (Lich), Programmkino Rex (Darmstadt), Capitol Filmkunstcenter (früher Kammer-Palette-Atelier, Marburg), Lichtspielhaus Lauterbach, Capitol Kino Witzenhausen, Cinema (Frankfurt), Kronberger Lichtspiele.

Das Preisgeld für gewerbliche und nicht gewerbliche Kinos beträgt insgesamt 150.000 Euro. Hinzu kommen in diesem Jahr die durch den Verzicht auf die Gala eingesparten Kosten. Die genaue Summe wird erst nach den Kinoabenden feststehen. Das Ministerium geht davon aus, die Preisgelder mindestens verdoppeln zu können. Insgesamt werden – ohne diesen zusätzlichen Betrag – im Hessischen Film- und Kinopreis knapp 250.000 Euro Nominierungs- und Preisgeld vergeben.

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