Minister Gremmels spricht

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Wie forschungsstarke Lehrkräftebildung unsere Demokratie stärkt

Gesprächsreihe „Demokratieforschung im Dialog“ zu Gast an der Uni Gießen

Wiesbaden/Gießen. Wie lernen junge Menschen, was Demokratie bedeutet, wie werden Lehrkräfte darauf vorbereitet, demokratische Haltungen vorzuleben – und welche Rolle spielt das Lehramtsstudium dabei? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der fünften Ausgabe von „Demokratieforschung im Dialog“, einer Gesprächsreihe des hessischen Wissenschaftsministeriums. Sie war am 22. September an der Justus-Liebig-Universität (JLU) zu Gast. Wissenschaftsminister Timon Gremmels diskutierte mit Prof. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, JLU-Vizepräsident Prof. Dr. Alexander Goesmann, Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Simone Abendschön und dem Studierendenvertreter Manuel Volker Theil.

Schule sind Orte der Demokratiebildung

Wissenschaftsminister Timon Gremmels: „Schulen sind Orte der Demokratiebildung: Zur Erziehung und Bildung gehört auch die Vermittlung von demokratischen Werten. Das gilt erst recht in Zeiten wie diesen, in denen Hate Speech und gezielte Desinformationen unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen. Wir brauchen gut geschulte Lehrkräfte, die Angriffe auf unsere Demokratie einordnen und den Lernenden vermitteln, wie mit solchen Angriffen umzugehen ist. Und dafür brauchen wir Demokratieforschung, um zu sehen, wie Forschung, Fachdidaktik und Praxiserfahrung für Lehramtsstudierende zusammen wirksam werden können, um sie auf diese zentrale gesellschaftliche Aufgabe vorzubereiten.”

Minister Gremmels spricht

Prof. Dr. Alexander Goesmann, Vizepräsident für Studium und Lehre und Vorsitzendes Mitglied des Direktoriums des Zentrums für Lehrkräftebildung der JLU: „Fachwissen und demokratische Handlungskompetenz gehören zusammen. Das ist der Kern professioneller Lehrkräftebildung. An der JLU vermitteln wir angehenden und praktizierenden Lehrkräften die Sicherheit, Konflikte im Unterricht sachlich einzuordnen, Diskussionen zu öffnen und die Grenzen unserer Verfassung klar zu wahren.“

Demokratie muss auch gelebt werden

Prof. Dr. Sascha Feuchert, Professor für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur: „Demokratiebildung kann und soll auch an Hochschulen nicht nur Gegenstand der Forschung sein, sie muss auch gelebt werden und ganz konkret sichtbar für die Studierenden sein. Deshalb ist es uns in unseren Seminaren zu ,Holocaustliteratur und Gedenkstättenarbeit‘ extrem wichtig, dass nicht nur einerseits am historischen Beispiel Handlungsspielräume sichtbar werden, die genutzt werden müssen, um demokratische Werte zu vertreten und zu verteidigen, und reflektiert wird, wie man mit dem erworbenen Wissen didaktisch umgeht. Sondern dass auch in den Lehrveranstaltungen selbst eine demokratische Diskurskultur eingeübt wird, die von Respekt gekennzeichnet ist und von der Fähigkeit, andere Meinungen zu tolerieren und adäquat zu kritisieren.“

Minister Gremmels spricht

Prof. Dr. Simone Abendschön, Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der Politikwissenschaft unter Berücksichtigung der Demokratie- und politischen Sozialisationsforschung: „Demokratielernen beginnt bereits in der Kindheit mit Erfahrungen in der Familie, in Kita und Schule. Zwar sind Kenntnisse über politische und demokratische Institutionen und Verfahrensweisen ein wichtiger Bestandteil, der vor allem von der Schule adressiert wird. Es gehört aber auch dazu, zu erleben, dass die eigene Stimme gehört wird und dass Demokratie nicht nur, überspitzt gesagt ‚Friede Freude Eierkuchen‘ ist. Genau der Widerstreit unterschiedlicher Interessen, das Aushalten anderer Meinungen und der Kompromiss sind zentrale Elemente demokratischen Lebens.“

Manuel Theil, Studierendenvertretung der Fachschaft Lehramt: „Das Lehramtstudium ist eine zentrale Phase im Professionalisierungsprozess angehender Lehrkräfte, welche neben dem allgemeinen Erwerb fachlichen und fachdidaktischen Wissens ebenso als Grundlage demokratievermittelnder Kompetenzen verstanden werden kann. Jede künftige Lehrkraft sollte im Rahmen des eigenen Studiums die Möglichkeit haben, sich der besonderen Verantwortung der Demokratielehre fächerübergreifend bewusst zu werden.“

Die Justus-Liebig-Universität ist mit sechs Projekten am Programm „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ beteiligt. Zum Beispiel untersucht ein Projekt unter der Federführung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, inwiefern schulische Formate der Erinnerungskultur, etwa Gedenkstättenbesuche oder Zeitzeugengespräche, einen Beitrag zur Demokratiebildung leisten.

Über die Gesprächsreihe

Die Gesprächsreihe des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) bringt Wissenschaft und Politik mit Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Mit dem Austausch soll ein Zeichen für den demokratischen freien Meinungsaustausch gesetzt werden, den Bürgerinnen und Bürgern Wissenschaft vermittelt, die vielfältige Landschaft der Demokratieforschung in Hessen aufzeigt und Wissenschaft und Gesellschaft miteinander vernetzt werden. Die Gespräche sind Teil des HMWK-Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“. In sechs Förderlinien stärkt das Programm die Vernetzung hessischer Akteure sowie starke Demokratieforschung mit großem Transferpotenzial. Es sieht auch einen Promotionspreis vor, eine regelmäßige Tagung sowie die Paulskirchen Professur für Demokratieforschung. Alle Infos und aktuelle Ausschreibungen gibt es auf wissenschaft.hessen.de/demokratieforschung.

Gruppenfoto mit Podiumsteilnehmern

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