Männer und Frauen stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera.

Staatsminister Timon Gremmels besucht LOEWE-Zentrum emergenCITY

Die Gesellschaft besser auf Katastrophen vorbereiten: Gemeinsames Ziel des HMWK, des Bundesinnenministeriums, Hessens Digitalministerium, des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie der Forschenden von emergenCITY.

Wissenschaftsminister Timon Gremmels besuchte deshalb zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Digitalministerin Kristina Sinemus und BBK-Präsident Ralph Tiesler jetzt das LOEWE-Zentrum emergenCITY in Darmstadt. Die Forschenden präsentierten dort Innovationen zur digitalen Notfallkommunikation.

Wie resiliente, digitale Lösungen die Notfallkommunikation in einem Stadtquartier verbessern können, ließen sich die Gäste im Labor des LOEWE-Zentrums zeigen. Wissenschaftsminister Timon Gremmels: „In emergenCITY arbeiten die Forschenden an Lösungen, die in Krisenfällen einen Notbetrieb sicherstellen und schnelle Hilfe und die Rückkehr zur Normalität ermöglichen sollen. emergenCITY zeigt damit eindringlich, welche wichtige Rolle unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit spielen.“ Seit 2020 unterstützt das hessische Wissenschaftsministerium die Forschenden mit rund 22 Millionen Euro.

5 Männer und 3 Frauen stehen um 2 Stehtische herum

Digitale Informations- und Kommunikationstechnologien

Fluten, Stromausfälle oder Cyber-Attacken können Kommunikationswege über Smartphone, Radio oder Fernsehen schnell lahmlegen. Doch gerade in einer Katastrophe wollen Menschen informiert sein und wissen, wo sie Unterstützung erhalten oder wie sie selbst helfen können. Entscheidend seien dabei digitale Informations- und Kommunikationstechnologien, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser. „Gute Warnsysteme retten im Notfall Menschenleben. Das gilt ganz gleich, ob es um Brände, schwere Unwetter, Waldbrände oder andere Gefahren geht. In einen guten und zuverlässigen Mix an Warnmitteln haben wir in den letzten Jahren stark investiert und verbessern diese laufend weiter. Digitale Resilienz ist ein wichtiger Baustein in der Stärkung der gesamtstaatlichen und gesamtgesellschaftlichen Resilienz gegenüber Katastrophen“, unterstrich die Bundesinnenministerin.

„Wir sind mit der Forschung von emergenCITY ein Vorreiter in der Republik“, sagte Hessens Digitalministerin Professorin Kristina Sinemus. „Um die Widerstandsfähigkeit digitaler Infrastrukturen weiter zu stärken und die hessische Wirtschaft vor künftigen Krisen und Katastrophen zu schützen, werden wir ein anwendungsnahes „Krisen-Resilienzzentrum“ aufbauen.“

Die umfassende Behandlung des gesellschaftlich hochrelevanten Themas der digitalen Resilienz, die in emergenCITY von der Grundlagenforschung bis hin zum Transfer reicht, mache emergenCITY zu einem Leuchtturmprojekt der TU Darmstadt, führte Matthias Oechsner, Vizepräsident der TU Darmstadt aus. Matthias Hollick, wissenschaftlicher Koordinator von emergenCITY verwies auf die dafür notwendige Interdisziplinarität des Zentrums, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen an resilienten Informations- und Kommunikationstechnologien zusammen forschen.

Notfallkommunikation in Stadtquartieren: Projekt „Digitaler Heinerblock“

Der Informatik-Professor stellte den Ministerinnen,  Minister Gremmels sowie dem BBK-Präsidenten anwendungsnahe Forschungsprojekte zur Notfallkommunikation in Stadtquartieren vor. So begleitet emergenCITY die Stadt Darmstadt im Projekt „Digitaler Heinerblock“ bei der Transformation eines verkehrsberuhigten Quartiers. Dazu entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Sensorboxen für Straßenlaternen, die im Katastrophenfall Nachrichten von Behörden auf Smartphones senden.

„Kommunikation im Katastrophenfall ist essentiell, teils sogar überlebenswichtig“, erklärte Hollick. „Unser Ziel ist es, resiliente Informations- und Kommunikationssysteme zu entwickeln, die es Menschen in Städten ermöglicht, während und nach einer Katastrophe handlungsfähig zu bleiben, um schnell in die Normalität zurückzukehren.“ Für das BBK entsteht Resilienz auch durch Redundanz, das heißt, durch die gleichzeitige Verfügbarkeit voneinander unabhängiger Systeme. BBK-Präsident Ralph Tiesler unterstrich die wichtige Rolle von resilienten Informationssystemen: „Zum bundesweiten Warntag haben wir zum Beispiel über das Zusammenspiel verschiedener Warnmittel 95 Prozent der Menschen erreicht. Wir müssen für die Zukunft weitere digitale Innovationen in die Praxis des Bevölkerungsschutzes überführen, um uns resilient aufzustellen.“

Männer und Frauen stehen um einen Tisch, der die Miniaturansicht einer Stadt zeigt.

Optimierte Warnung der Bevölkerung in Katastrophen

Eine dieser Innovationen ist die „Litfaßsäule 4.0“, eine digitale, energieautarke Warnkomponente für Litfaßsäulen, die Bewohnern während eines langanhaltenden Stromausfalls Informationen und Handlungsanweisungen anzeigt. „Damit informationstechnologische Lösungen auch bei stadtpolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden können, arbeiten in emergenCITY Informatiker, Sozial- und Geisteswissenschaftler Hand in Hand“, erklärte Michèle Knodt, stellvertretende Koordinatorin bei emergenCITY und Professorin für Politikwissenschaft an der TU Darmstadt.

Hollick betonte zum Abschluss: „Hier bei emergenCITY gehen wir über die optimierte Warnung der Bevölkerung in Katastrophen hinaus. Wir forschen auch daran, wie digitale Systeme die Resilienz der Gesellschaft allgemein erhöhen können, statt sie zu gefährden.“

Über das LOEWE-Zentrum emergenCITY

Wie kann die Funktionsfähigkeit von Städten mit digital vernetzten Infrastrukturen auch in Katastrophen sichergestellt werden? Das LOEWE-Zentrum emergenCITY forscht seit 2020 an resilienten Infrastrukturen, die digitale Städte vor Krisen und Katastrophen schützen. Die Lösungskonzepte umfassen moderne Informations- und Kommunikationstechnik, Cyber-Physische Systeme sowie die historischen, rechtlichen, sozialen und baulichen Aspekte der Krisen- und Katastrophenabwehr. Mehr als 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten in vier vernetzten Programmbereichen und sechs Forschungsmissionen zusammen.

emergenCITY ist eine interdisziplinäre und standortübergreifende Kooperation, an der die Partneruniversitäten Technische Universität Darmstadt, Universität Kassel und Philipps-Universität Marburg beteiligt sind. Zu den assoziierten Partnern zählen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Forschung wird durch das LOEWE-Forschungsförderungsprogramm des Bundeslandes Hessen gefördert. LOEWE steht für Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz.