Minister Gremmels zeigt auf die Litfaßsäule.

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Resiliente Krisenkommunikation: Litfaßsäule 4.0 in Darmstadt eingeweiht

Die klassische, seit mehr als 170 Jahren bekannte Litfaßsäule erfährt eine Renaissance als Warnmultiplikator. Die Idee: Wenn bei einem langanhaltenden Stromausfall andere Kommunikationsmedien wie Mobilfunk, Internet oder Fernsehen ausfallen, kann die energieautarke Litfaßsäule 4.0 Menschen weiterhin informieren. Am Donnerstag nahmen das LOEWE-Zentrum emergenCITY, die Technische Universität Darmstadt und das Medienhaus Ströer den in einer gemeinsamen Forschungskooperation entstandenen Prototypen auf dem Riegerplatz in Darmstadt in Betrieb. Neben der technischen Erprobung sollen wissenschaftliche Untersuchungen im Anschluss zeigen, wie die Darmstädterinnen und Darmstädter die Warnsäule wahrnehmen.

Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels hob die Bedeutung der Innovation in ihren Grußworten hervor. „Im LOEWE-Zentrum emergenCITY arbeiten die Forschenden an Lösungen, die in Krisenfällen einen Notbetrieb sicherstellen und schnelle Hilfe und die Rückkehr zur Normalität ermöglichen sollen“, sagte Gremmels. „Die Litfaßsäule 4.0 nutzt auf innovative Weise ein Alltagsobjekt, das wir alle kennen, für Krisenkommunikation. Damit zeigt das Projekt eindrücklich, welche wichtige Rolle unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit spielen.“

Die Litfaßsäule 4.0 auf dem Riegerplatz in Darmstadt

Seit 2020 beschäftigen sich Forschende des LOEWE-Zentrums emergenCITY mit der Frage, wie resiliente Informations- und Kommunikationssysteme dazu beitragen können, Menschen besser auf Katastrophen vorzubereiten.Blackouts, also großflächige, lang andauernde Stromausfälle, sind äußerst selten. Doch angesichts steigender Bedrohungen durch Naturkatastrophen oder geopolitische Konflikte, durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung sind insbesondere kritische Infrastrukturen verwundbar. Fällt der Strom länger aus, können weder Mobilfunknetze, Festnetztelefonie, Internet noch Fernsehen ausreichend mit Notstrom versorgt werden. Sie stünden für die Krisenkommunikation nicht mehr zur Verfügung. Auf der Suche nach geeigneten Medien stieß Architekt und emergenCITY-Wissenschaftler Dr. Joachim Schulze auf einen Klassiker der Außenwerbung, die Litfaßsäule.

Die Litfaßsäule 4.0 ist eine Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen, bei dem das bestehende Kapitell durch einen neuen Aufsatz ersetzt wird, der mit drei LED-Displays ausgestattet ist, welche Informationen und Warnungen von Behörden anzeigen können. Betrieben wird die digitale Anzeige durch eine Methanol-Brennstoffzelle der SFC Energy AG, die auch als Sponsoringpartner gewonnen werden konnte. Zwei Photovoltaikmodule auf dem Dach sichern den Stand-by-Betrieb des Empfängers, den die Feuerwehr per Funk ansteuern kann. Bei einem Stromausfall kann die Litfaßsäule bis zu 72 Stunden betrieben werden. Perspektivisch soll der neue Warnmultiplikator auch in das Modulare Warnsystem des Bundes integriert werden.

In den kommenden sechs Monaten untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von emergenCITY sowie dem ebenfalls an der TU Darmstadt angegliederten und in Gründung befindlichen Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) zunächst wie die Litfaßsäule 4.0 von den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern angenommen wird. Dazu sind unter anderem Umfragen, Zählungen sowie Mensch-Computer-Interaktionsstudien geplant. Gemeinsam mit Ströer, der Feuerwehr, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Darmstadt Marketing GmbH erfolgen weitere Tests.

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